Start-up New Roots: Ex-Downhiller bringt Veganes in die Coop-Käsetheke
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Start-up New RootsEx-Downhiller bringt Veganes in die Coop-Käsetheke

New Roots versorgt Schweizer Bio- und Supermärkte mit veganen Käsealternativen. Hinter dem Berner Start-up steckt Freddy Hunziker: Er war auf dem besten Weg zum Downhill-Profi, als er den Veganismus für sich entdeckte.

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Freddy Hunziker begann 2015 mit seiner Freundin, nach einer Käsealternative zu suchen.

Freddy Hunziker begann 2015 mit seiner Freundin, nach einer Käsealternative zu suchen.

New Roots
Im Berner Oberdiessbach steht die vegane Molkerei, wo ein engagiertes Team an dem zukunftsorientierten Käsehandwerk arbeitet. 

Im Berner Oberdiessbach steht die vegane Molkerei, wo ein engagiertes Team an dem zukunftsorientierten Käsehandwerk arbeitet. 

New Roots
Mit New Roots kamen nicht nur Käsealternativen auf den Markt, sondern auch leckere vegane Joghurts.

Mit New Roots kamen nicht nur Käsealternativen auf den Markt, sondern auch leckere vegane Joghurts.

Darum gehts

Ein offener Oberschenkelbruch veränderte Freddy Hunzikers Leben. Der damals 15-jährige Berner Oberländer war auf dem besten Weg zum Profi-Downhill-Biker, als ihn ein Sturz zu einer Pause zwang. Mit der Leidenschaft für den Profisport war es anschliessend vorbei – doch eine andere sollte entflammen. Um seinen Körper optimal zu regenerieren, stellte Hunziker auf eine pflanzliche Ernährung um. Ihm fiel auf, dass er sich dadurch voller Energie und Tatendrang fühlte. Doch: «Es gab kaum geniessbare Alternativen zu Käse und Milchprodukten», erinnert sich der heute 28-Jährige.

2015 begann er mit seiner damaligen Freundin Alice Fauconnet in der Küche ihrer Bauernhaus-WG, an Käsealternativen aus Cashew zu tüfteln. Ungeachtet jeglicher Kritik gründeten sie ein Start-up: New Roots. Neue Wurzeln. «Wir wollen die Schweizer Käse- und Milchtraditionen neu erfinden, sie ethischer und nachhaltiger gestalten.» Ihre Hartnäckigkeit sollte sich auszahlen: Die veganen Käsealternativen gehören inzwischen zum Sortiment der Grossverteiler Migros und Coop und des Biofachhandels.

Und welchen Rat geben Sie allen anderen, die nachhaltiger leben wollen?

Ich wurde mit dem Gedanken erzogen, dass die Natur kostbar ist. Und als Menschen tragen wir die Verantwortung, Kostbares zu schützen. Diese Philosophie hat mich auch dazu veranlasst, eine eigene Firma zu gründen, um der Gesellschaft nachhaltigere Alternativen zu gängigen Kuhmilchprodukten anbieten zu können. Tiere nicht als Ressourcen zu betrachten, ist dabei eine persönliche Entscheidung. Für mich ist es einfach, vegan zu leben.

Mich spornen Herausforderungen an. Durch den Sport und das Training erkannte ich zudem bereits in jungen Jahren, wie wichtig Disziplin und Konstanz sind. Ohne sie ist es unglaublich schwierig, langfristig nachhaltige Erfolge zu erzielen. In Bezug auf die Nachhaltigkeit gelingt es auch mir nicht immer, meine eigenen Erwartungen zu erfüllen. Zum Beispiel kaufe ich hin und wieder in Plastik verpackte Lebensmittel oder nutze das Auto – ob aus Zeitmangel oder Bequemlichkeit.

Zu Beginn von New Roots strebte ich nach Perfektionismus. Mit der Zeit habe ich gelernt, meine Erwartungen und Ambitionen klar zu formulieren und zu kommunizieren. Jeder Mensch hat eigene Ansichten, Talente und Erfahrungen. Ich finde es wichtig, jeder Person die Freiheit zu gewähren, um die passende Herangehensweise an ein Thema zu wählen.

In der Natur kann ich auftanken, zum Beispiel beim Biken oder Gleitschirmfliegen. Egal, wie viel Stress ich bei der Arbeit empfinde, sie gibt mir Ruhe und die nötigen Antworten. Ideen und Kreativität finde ich beim Reisen und beim Sport. Und die nötige Gelassenheit bei grossen Projekten versuche ich, durch Meditation zu gewinnen. Auch die Arbeit mit meinem Team ist sehr erfüllend. Alleine kann man so ein Unternehmen nicht aufbauen und tragen. Jede einzelne Person mit ihrer eigenen Persönlichkeit leistet einen wichtigen Beitrag.

Wir können Menschen die erste Hürde auf dem Weg zur veganen Ernährung nehmen. In Bezug auf die Nachhaltigkeit müssten meiner Meinung nach aber auch Regierungen und grosse Konzerne mehr Verantwortung übernehmen. Sie müssten ethische und nachhaltige Grundsätze über Profitstreben stellen und damit die Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Zukunft schaffen.

Andere Lebewesen existieren nicht, um den Menschen als Ressourcen zu dienen. Je früher man dies erkennt, desto besser.

Ebenfalls: Wechsle auf pflanzenbasierte Ernährung und stehe für soziale Gerechtigkeit ein. Es braucht jede und jeden, um einen gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben. 

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