Österreich: Ex-Finanzminister im Visier der Steuerfahnder
Aktualisiert

ÖsterreichEx-Finanzminister im Visier der Steuerfahnder

Karl-Heinz Grasser, ehemaliger Finanzminister Österreichs, wird von den Steuerfahndern verfolgt.
Beamte haben Büros und Wohnungen durchsucht. Grasser spricht von «politisch motivierter Rache».

von
uwb
Karl-Heinz Grasser: Seit 2005 mit der Swarowski-Erbin Fiona Swarowski verheiratet.

Karl-Heinz Grasser: Seit 2005 mit der Swarowski-Erbin Fiona Swarowski verheiratet.

Es ist kaum zu glauben. Ausgerechnet der frühere österreichische Finanzminister – mit dem Kürzel KHG und den Attributen schön, jung, intelligent - soll in grossem Stil Steuern hinterzogen haben. Das zumindest glauben die österreichischen Steuerbehörden.

Am Donnerstag wurden deshalb zehn Wohnungen und Büros von Grasser in Tirol, Kärnten und Wien durchsucht. Auch das Büro von Grassers Steuerberater Peter Haunold war gleichzeitig im Visier der 60 Beamten der Steuerfahndung, wie das österreichische Fernsehen ORF meldet. Dabei wurden insgesamt 35 Kartons mit Aktenmaterial beschlagnahmt. Ausserdem wurden einige Laptops, Handys und Datenmaterial von Computern sichergestellt.

Es geht um Millionenbeträge

Gemäss der Staatsanwaltschaft Wien steht Grasser unter Verdacht, seit 2003 mit Hilfe seines Steuerberaters Gelder hinterzogen zu haben, indem er Honorarzahlungen über Gesellschaften in Liechtenstein, den British Virgin Islands und Zypern leitete. Laut Informationen des «Kuriers» geht es um Honorare in Millionenhöhe. Die Wiener Stadtzeitung «Falter» spricht davon, dass Grasser zwei Millionen Euro an Abgaben hinterzogen habe.

Sowohl Grasser wie auch sein Steuerberater Haunold, der bei Deloitte Österreich tätig ist, beteuern ihre Unschuld und weisen die erhobenen Vorwürfe zurück. Beide haben laut «Standard» Rechtsmittel gegen die Razzia ergriffen – deshalb wurden die möglichen Beweismittel vorderhand versiegelt.

«Kein fairer Prozess»

KHG hält sich derzeit laut Angaben seines Anwalts beruflich im Ausland auf. Er soll sehr verärgert über die Razzien sein. Gegenüber der Kronenzeitung erklärte er, bei der Aktion gehe es um «eine politisch motivierte Rache». Er habe nichts zu verstecken. «Mein Eindruck ist, dass man hier versucht, mir um jeden Preis etwas anzuhängen». Grasser glaubt zudem, dass er in Österreich «kein faires Verfahren» erwarten könne.

Grasser ist allerdings nicht das erste Mal in steuerlichen Kalamitäten. Im vergangenen Jahr zeigte er sich gar selber an. Er hatte Spekulationsgewinne nicht versteuert. Da ein Teil vejährt war, musste KHG nur 18 000 von 27 000 Euro nachzahlen. Grasser redete sich damals heraus, er habe ein Wertpapierdepot übersehen.

Diesmal könnte es für ihn aber teurer werden. Wie das Internetportal «oe24» meldet, droht jetzt eine Strafe von bis zu vier Millionen Franken und Nachzahlungen in Höhe von zwei Millionen Franken. Sogar Haft wäre möglich.

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