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GriechenlandEx-Flüchtling rettet als Helfer die eigene Familie

Nach 18 Jahren sieht ein syrischer Flüchtling seine Familie wieder. Die Umstände des Treffens waren allerdings für alle schwierig und gefährlich.

von
ofi
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Ghias Aljundi rettet als freiwilliger Helfer auf Lesbos seine Verwandten, die aus Syrien geflohen sind.

Ghias Aljundi rettet als freiwilliger Helfer auf Lesbos seine Verwandten, die aus Syrien geflohen sind.

Ghias Aljundi via Amnesty International
Aljundi war selbst vor 18 Jahren aus Syrien nach Grossbritannien geflohen. Das Wiedersehen auf Lesbos war das erste Treffen mit seinen Verwandten, seit er Syrien verlassen hatte.

Aljundi war selbst vor 18 Jahren aus Syrien nach Grossbritannien geflohen. Das Wiedersehen auf Lesbos war das erste Treffen mit seinen Verwandten, seit er Syrien verlassen hatte.

Ghias Aljundi via Amnesty International

Ghias Aljundi floh vor 18 Jahren aus Syrien. Er war in seiner Heimat Journalist und Menschenrechtsaktivist und sass deswegen vier Jahre im Gefängnis und wurde gefoltert. Also floh er nach Grossbritannien und liess seine ganze Familie zurück. Zum unerwarteten Wiedersehen kam es in Griechenland, als auch sie aus Syrien fliehen musste.

Aljundi reiste im letzten Jahr als einer von tausenden Freiwilligen nach Griechenland, um in der Flüchtlingskrise zu helfen. Dort, auf der Insel Lesbos, kam es im vergangenen Dezember zur überraschenden Vereinigung der Familie, wie der Syrer erst vor Kurzem Amnesty International erzählte.

Aljundi versuchte Schlepper-Fahrt zu verhindern

«Mein Bruder führte einen Laden für Mobiltelefone in der Stadt Tartus. Als das Geschäft beschossen wurde und auch noch mein Neffe hätte zwangsrekrutiert werden sollen, flohen sie in den Libanon. Von dort gelangten sie in die Türkei», berichtet Aljundi. Schliesslich habe ihn die Nachricht erreicht, dass sie einen Schlepper für die Überfahrt nach Griechenland bezahlt hätten.

«Ich versuchte, sie davon abzuhalten, aber sie liessen sich nicht umstimmen», erzählt er weiter. Also habe er ihnen geraten, auf keinen Fall bei Nacht zu fahren, dass sie Regenmäntel tragen und Plastiktüten über die Füsse stülpen sollten. «Und dass sie nicht nicht schreien sollen, um den Kindern nicht noch mehr Angst zu machen.»

«Der Einzige, den ich erkannte, war mein Bruder»

«Es war das komischste Gefühl, das ich je hatte. Es war ein sehr schwieriger Moment. Ich wusste genau, wo sie ankommen würden. Ihre Fahrt über die Ägäis dauerte fast zwei Stunden. Es war eine schwierige Stelle zum Landen. Ich half ihnen, das Boot an Land zu ziehen. Der Einzige, den ich erkannte, war mein Bruder Sadi. Ich trug meine dreijährige Nichte, ohne zu wissen, wer sie war.»

Viel Zeit füreinander hatten sie aber nicht. Zuerst klappte es mit der Registrierung nicht, weil zu viele Menschen im offiziellen Camp waren. Also organisierte Aljundi seinen Verwandten eine Unterkunft. Anschliessend gingen sie alle zusammen essen und danach ging es für den Flüchtlingshelfer zurück an den Strand, wo er die ganze Nacht hindurch Menschen an Land half, wie Amnesty International schreibt.

Inzwischen konnte die Familie nach Deutschland weiterreisen und bekam dort eine Aufenthaltsgenehmigung. Die Menschen dort seien sehr freundlich, sagt der Syrer. Seine Schwägerin habe ihm geschrieben: «Ich fühle mich nun wieder wie ein menschliches Wesen.»

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