Aktualisiert 23.08.2005 12:36

Ex-Frau per SMS zu Sex gezwungen

Das Zürcher Obergericht hat einen Mann laut Bundesgericht zu Unrecht vom Vorwurf der sexuellen Nötigung und Vergewaltigung seiner Ex-Frau freigesprochen.

Er hatte die frühere Gattin mit anonymen Drohungen per SMS zu öffentlichem Sex gezwungen.

Der Mann hatte sich selber und seiner Ex-Frau im Herbst 2001 anonyme SMS geschickt. Darin wurden beide aufgefordert, bei aufgezogenen Vorhängen oder im Wald Sex zu machen. Zudem verlangte der vermeintlich Fremde von ihnen, einen Sexfilm zu drehen.

Drohungen gegen Kinder

Für den Fall, dass sie seinen Wünschen nicht nachkommen sollten, wurde mit dem Verschwinden der 11-Jährigen Tochter gedroht, sowie damit, den psychisch labilen Sohn drogenabhängig zu machen. Zudem wurde ein Bombenanschlag auf den Ex-Gatten angekündigt.

Nachdem der Mann seine Ex-Frau in Gesprächen vom Ernst der Lage überzeugt hatte, willigte sie schliesslich in die Forderungen ein. Das Bezirksgericht Winterthur sprach den Ex-Mann für seine Aktion der mehrfachen Drohung, Vergewaltigung und sexuellen Nötigung schuldig und verurteilte ihn zu 16 Monaten Zuchthaus bedingt.

Auswegslose Lage

Das Zürcher Obergericht kam im April 2004 dagegen zum Schluss, dass nur der Tatbestand der Drohung erfüllt sei und reduzierte die Strafe auf vier Monate Gefängnis bedingt. Vom Vorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung sprach es ihn frei, weil es der Frau zuzumuten gewesen wäre, sich zu widersetzen.

Das Bundesgericht hat dieser Auffassung nun widersprochen und die Beschwerde des Opfers gutgeheissen. Laut den Lausanner Richtern sind die Drohungen unzweifelhaft geeignet gewesen seien, bei der Frau ausserordentlichen psychischen Druck zu erzeugen. Sie habe aus Angst und unter dem Eindruck der Ausweglosigkeit kapituliert.

Mit Blick auf die Tragweite der angedrohten Übel sei ohne weiteres nachvollziehbar, dass sie nachgegeben habe. Das Verhalten des Ex-Mannes habe damit den Tatbestand der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung erfüllt. Das Obergericht wird nun neu entscheiden müssen. (Urteil 6S.266/2004 vom 25. Mai 2005; BGE- Publikation)

(sda)

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