Unbelehrbar: Ex-Fraumünster-Posträuber wollte Kurier ausrauben
Aktualisiert

UnbelehrbarEx-Fraumünster-Posträuber wollte Kurier ausrauben

Der ehemalige Posträuber Domenico Silano hat einen Überfall auf einen UBS-Kurier geplant. Für den heutigen Prozess schien der Fall klar – dann kam alles anders.

von
Attila Szenogrady
Fraumünsterpost-Räuber: Domenico Silano nach der Urteilsverkündung vom Juni 2000.

Fraumünsterpost-Räuber: Domenico Silano nach der Urteilsverkündung vom Juni 2000.

Der heute 40-jährige Italiener Domenico Silano schrieb am 1. September 1997 Kriminalgeschichte: Zusammen mit sieben Mittätern überfiel er in Zürich die Fraumünster-Post und erbeutete über 53 Millionen Franken. Die Hälfte der Beute wurde bis heute nicht gefunden – im Gegensatz zu den Räubern, die alle verhaftet werden konnten. Silano kassierte zwei Jahre später am Bezirksgericht Zürich eine hohe Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten.

Neues Ziel: UBS-Kuriere

Silano galt lange Zeit als einer der wenigen resozialisierten Fraumünster-Posträuber. Während einige seiner Komplizen erneut als Räuber oder Kokainhändler auffielen, trat er im Frühling 2009 gar als reuige Hauptperson in einer von einem Journalisten geschriebenen Biographie in der Öffentlichkeit auf. Das Buch «Silano – Der Jahrhundert-Postraub» fand zwar in Zürich eine grosse mediale Beachtung, machte aber den früheren Räuber nicht reich. Im Gegenteil: Wegen Misswirtschaft schlitterte er mit einer Firma für Gipserarbeiten in die Pleite.

Zudem kam heraus, dass Silano im Mai 2010 einen neuen Coup durchführen wollte. Er hatte erfahren, dass Geldkuriere der UBS in der Zürcher Innenstadt mit grossen Bargeldsummen unterwegs waren, um Bancomaten aufzufüllen. Zu diesem Zweck heuerte Silano einen einschlägig vorbestraften Profiräuber aus Italien an. Dieser sei wiederholt nach Zürich gereist und habe sich bereit erklärt, bei der Durchführung des Raubs mitzumachen.

Die beiden Männer wollten sich mit Sturmhauben maskieren, zwei Faustfeuerwaffen, oder echt aussehende Attrappen und Pfefferspray einsetzen. Die Beute sollte bis zu 150'000 Franken betragen.

Raub geplatzt, Prozess nun auch

Laut Anklage waren sämtliche Vorbereitungen für den Raub getroffen. Warum er dennoch platzte, ist bis heute nicht bekannt. Fest steht aber, dass Silano im Herbst 2011 von der Polizei festgenommen wurde und in Zürich 108 Tage in Untersuchungshaft verbrachte. Dabei schloss Silano mit der Staatsanwaltschaft einen Deal ab. So gab er die Vorwürfe der strafbaren Vorbereitungshandlungen zu einem Raub sowie Misswirtschaft und Unterlassung der Buchführung zu. Im Gegenzug beantragte der zuständige Staatsanwalt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Am Dienstag sollte nun der Strafprozess im abgekürzten Verfahren stattfinden. Das Gericht sollte den Urteilsvorschlag nur noch absegnen. Doch daraus wurde nichts.

Geständnis abgeschwächt

Bei der Befragung durch den Gerichtsvorsitzenden Rudolf Kieser kam es nämlich zu einer Überraschung. So schwächte Silano sein ursprüngliches Geständnis zugunsten seines heute immer noch in Zürich inhaftierten Komplizen erheblich ab. Dieser habe nicht einmal seine Einwilligung zum Überfall gegeben, sagte Silano neu aus. Es sei auch unbekannt geblieben, wer überhaupt den Raub ausführen und wer genau überfallen werden sollte.

Damit entlastete Silano den mutmasslichen Mittäter. «Haben sie denn Angst vor ihm?», wollte Präsident Kieser vom Beschuldigten wissen. Silano verneinte, schob jedoch ein wenig später nach, dass er heute mit seiner Familie in Frieden leben möchte.

Silano gab auch zu, dass er vom Bruder des Profiräubers und dessen Sohn in Zürich besucht worden sei. Der Verteidiger ergänzte zu diesem Thema, dass gewisse Aussagen seinen Klienten in Schwierigkeiten bringen könnten. Zudem kam heraus, dass ein Gericht ein abgekürztes Verfahren beim Mittäter abgelehnt hatte. «Ich bin aber nie bedroht worden», gab Silano zum Schluss zu Protokoll.

Alles von vorne

Für das Gericht war es aufgrund der neuen Darstellungen Silanos nicht mehr möglich, ein Urteil zu fällen. Auch nicht im Hinblick auf die Schwere des Tatbeitrags Silanos, der in der Anklage noch als treibende Kraft hingestellt worden war. Das Gericht wies den Fall zurück an die Staatsanwaltschaft. Womit alles von vorne beginnt. Silano muss jetzt im schlimmsten Fall auch mit einer unbedingten Freiheitsstrafe rechnen. Zudem droht ihm bei einer rechtskräftigen Verurteilung die Ausschaffung aus der Schweiz.

Deine Meinung