Russlands Präsident im Porträt  – Ex-Geheimagent und Machtmensch – so tickt Wladimir Putin (69) 

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Russlands Präsident im Porträt Ex-Geheimagent und Machtmensch – so tickt Wladimir Putin (69) 

Seine Anhänger vergöttern ihn, für seine Kritiker ist er ein rücksichtsloser Kriegstreiber: Wladimir Wladimirowitsch Putin (69) polarisiert. Ein Versuch, den Präsidenten Russlands als Mensch und Politiker zu erklären.

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Wladimir Putin zeigte sich am Montag gutgelaunt und siegessicher.

Wladimir Putin zeigte sich am Montag gutgelaunt und siegessicher.

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Der 69-Jährige gilt als schlauer Taktierer.

Der 69-Jährige gilt als schlauer Taktierer.

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Putin auf einer Wandzeichnung in Rom, wo er als Gorbatschow dargestellt wird.

Putin auf einer Wandzeichnung in Rom, wo er als Gorbatschow dargestellt wird.

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Darum gehts

  • Wladimir Putin bestimmt seit 22 Jahren die Geschicke Russlands.

  • Während dieser Zeit baute er vieles im Staat nach seinem Gusto um.

  • Laut Experten ist er besessen von der Vision, Russland zu alter Grösse zurückzuführen.

Wladimir Putin lehrt die Welt mit seinen Territorialansprüchen in der Ukraine das Fürchten. Wie es scheint, führt er derzeit die westlichen Machthaber regelrecht vor – und tut nur, was ihm selbst in den Kram passt. Doch wer ist der 69-jährige frühere Geheimagent wirklich?

Als der russische Präsident Boris Jelzin Ende 1999 zur Überraschung vieler sein Amt niederlegte, übernahm der weitgehend unbekannte Wladimir Putin bis zur Wahl eines Nachfolgers die Regierungsgeschäfte. Im März 2000 wurde der frühere Vize-Bürgermeister von St. Petersburg offiziell zum zweiten Präsidenten Russlands gewählt. Seither lenkt Putin die Geschicke des Landes ununterbrochen – obwohl er von 2008 bis zu seiner Wiederwahl 2012 erneut Ministerpräsident war, behielt er im Hintergrund stets die Zügel in der Hand. 

Wladimir Wladimirowitsch Putin wurde am 7. Oktober 1952 als drittes Kind von Wladimir Spiridonowitsch Putin (damals 41) und der gleichaltrigen Maria Iwanowna Schelomowa geboren. Der Vater war ein gestrenger und überzeugter Kommunist, die gläubige Mutter liess eher Milde walten. Laut Putins Autobiografie waren beide Fabrikarbeiter, der Vater hatte im Weltkrieg gegen die Deutschen gekämpft. Angeblich war Putins Grossvater Leibkoch von Lenin und später Stalin gewesen. Die Familie lebte in einer 20 Quadratmeter grossen Gemeinschaftswohnung, doch da seine Geschwister früh starben, vergötterten ihn seine Eltern und schenkten ihm schon früh eine Armbanduhr und als Jura-Student ein Auto – damals ein aussergewöhnlicher Luxus.

Von 1983 bis 2013 war Putin mit der Deutschlehrerin Ludmila Schkrebnewa verheiratet, das Paar hat zwei Töchter. 2012 trennte sich das Paar, im April 2014 wurde die Scheidung bekannt. Bereits seit 2008 soll Putin mit der wesentlich jüngeren russischen Olympionikin Alina Kabajewa liiert sein und mit ihr mehrere Kinder haben. 

Sportlicher «Naturbursche» und schlauer Ex-Spion

Schon früh begeisterte sich Putin für Kampfsportarten: Nebst Judo, wo er den Schwarzen Gurt besitzt, praktizierte er auch Boxen und Sambo. Noch heute gibt er sich gerne als Kämpfer, steht auch gerne als Sieger in Eishockeyspielen auf dem Eis und zeigte sich bisweilen gerne als naturverbundener Fischer oder barbrüstig hoch zu Ross. Inspiriert von patriotischen Filmen wollte Putin schon als junger Mann Agent werden, erhielt von der KGB-Zentrale jedoch den Rat, zuerst ein Jura-Studium zu absolvieren.

Nach seinem Studium trat er der Abteilung Auslandsspionage des KGB bei und war von 1975 bis 1982 in der damaligen DDR tätig – seit dieser Zeit spricht er fliessend Deutsch. Ab Juli 1998 war Putin rund ein Jahr lang Direktor des Inlandsgeheimdienstes FSB und ab 1999 auch Direktor des Sicherheitsrates der Russischen Föderation. Als Ministerpräsident profilierte sich Putin mit seinem harten Vorgehen im zweiten Tschetschenienkrieg und erntete beim Volk dafür viele Sympathiepunkte. Noch immer geniesst er grossen Rückhalt in der Bevölkerung. 

Putin gilt als gewiefter Taktierer und, so «Fokus» auf SRF, ein «Meister der gezielten Provokation». Wie der frühere Journalist Nikolai Swanidse gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt, «benutzt er Sprache, um seine Gedanken zu verstecken, nicht um sie zu äussern». Seine Fähigkeit sei, «sein Gegenüber zu spiegeln»: Er begreife schnell, was man hören wolle, und erfülle dann die Erwartungen, sagt sein früherer politischer Gegenspieler Michail Chodorkowski. Er könne die Leute gut «um den Finger wickeln». 

Der Machtmensch Putin

Nach seiner Wahl begann Wladimir Putin damit, die Macht der Oligarchen im Land zu brechen – prominentestes Opfer war der prowestlich eingestellte Ölmagnat Michail Chodorkowski, der wegen angeblicher Steuerhinterziehung und Betrugs nach einem fragwürdigen Verfahren zehn Jahre im Gefängnis verbrachte. Obwohl er zu Beginn seiner Amtszeit «superwirtschaftsfreundliche und superdemokratische» Gesetze initiierte, wie Jelzins ehemaliger Stabschef Valentin Jumaschew gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagte. Er sei «ein Suchender» gewesen. 2001 sagte er vor dem deutschen Bundestag auf Deutsch: «Der Kalte Krieg ist vorbei.»

Doch je länger Putin an der Macht war, desto mehr wandelte er sich zum Machtpolitiker. Sein Herrschaftssystem der gelenkten Demokratie, «Putinismus» genannt, gilt als halbdemokratisch mit stark autoritären Zügen. Ein Hauptmerkmal ist laut Beobachtern die «Vertikale der Macht», eine strenge Befehlskette von oben, der sich alle staatlichen Organe unterzuordnen haben. Wie Ulrich Schmid, Russlandexperte an der Uni St. Gallen auf SRF sagte, hat sich Putin mit «Ja-Sagern, Nickern und Mappenträgern» umgeben, die keinen Widerspruch leisten. 

«Er möchte ans zaristische Russland anknüpfen»

In der Aussenpolitik versuchte Putin, den schwindenden Einfluss Russlands in der Welt wieder zu verstärken. In einer Rede bezeichnete er den Fall der Sowjetunion einmal als «grösste geopolitische Katastrophe des Jahrhunderts». Laut Schmid möchte Putin die Russische Föderation gegen aussen erweitern und «an die imperialen Ambitionen der zaristischen und der sowjetischen Zeit anknüpfen».

Seinen Landsleuten versprach er zur Zeit des Tschetschenienkrieges, «die Zeit der Niederlagen sei vorbei». 2014 gipfelte der Machtanspruch Moskaus in der Annexion der zur Ukraine gehörenden Halbinsel Krim. Nun hat Putin das nächste Kapitel in der Expansion Russlands eingeläutet.

(trx)

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