Aktualisiert 14.07.2009 22:43

RettungsgebührenEx-Geisel droht horrende Rechnung

Nach sechs Monaten Geiselhaft
ist Werner Greiner wieder in der Schweiz. Doch ihm und seiner Frau drohen jetzt hohe Rettungsgebühren.

von
Désirée Pomper

Werner Greiner ist zurück – zurück in der Schweiz, bei seiner Familie und seiner Frau, die im April freigekommen ist. Er sei extrem müde, aber auch ex­trem glücklich, sagte er gestern nach fast sechs­monatiger Geiselhaft in Mali.

Doch jetzt droht dem Ehepaar ein weiterer Schock. Das Budget des konsularischen Schutzes des Aussendepartement EDA von 300  000 Franken hätte für die Rettungsaktion nicht ausgereicht, sagte Bundesrätin Micheline Calmy-Rey zu DRS1. Deswegen hat die Finanzdelegation des Parlaments dem EDA einen Zusatzkredit gesprochen. Es müsse geprüft werden, ob sich die Geiseln oder der Reiseorganisator an den Kosten beteiligen müssten, so CVP-Nationalrat Urs Schwaller. Das EDA jedenfalls hält auf seiner Site fest, keine Rettungskosten zu übernehmen. Ein Blick zurück zeigt: Als 2003 vier Schweizer in Algerien nach sechs Monaten Geiselhaft befreit wurden, übermittelte die Reiseversicherung dem EDA 65  500 Franken pro Geisel. Doch normalerweise sind Entführungen von Reiseversicherungen ausgeschlossen, so auch bei der Mondial Assistance, der Europäischen Reiseversicherung und dem TCS. «Leute, die sich in Gefahrengebiete be­geben, sollen die Folgekosten selber berappen», so der Geschäftsführer des Reisebüroverbandes Walter Kunz. «Wo kämen wir denn hin, wenn wir eine Versicherung für alle Fälle wären?», ergänzt TCS-Sprecher Stephan Müller und appelliert an die Selbstverantwortung: «Das Leben ist halt ein Risiko.»

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