Ex-Gewerkschaftsboss wegen Mobbing verurteilt
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Ex-Gewerkschaftsboss wegen Mobbing verurteilt

Vasco Pedrina, der ehemalige Co-Präsident der Gewerkschaft Unia, ist vom Polizeigericht Neuenburg wegen Mobbing verurteilt worden. Verurteilt wurden auch zwei weitere Gewerkschafter.

Das Neuenburger Polizeigericht hat Vasco Pedrina, früherer Unia-Co-Präsident, am Freitag zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt. Mit zwei weiteren Unia-Direktionsmitgliedern wurde er der einfachen Körperverletzung und Verletzung des Arbeitsgesetzes schuldig gesprochen. Sie waren angeklagt wegen Mobbings einer GBI-Angestellten.

Das Urteil wurde in Abwesenheit der drei Angeklagten eröffnet. Pedrina erhielt eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 177 Franken, bedingt auf zwei Jahre. Die gleiche Strafe erhielt auch Gewerkschafter Michael von Felten. Noch härter wurde Jacques Robert, früherer Regionalsekretär der Gewerkschaft Bau und Industrie (GBI), bestraft, nämlich mit einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagsätzen zu 140 Franken.

Die Klägerin zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Sie hatte 2003 Klage gegen die drei Gewerkschafter eingereicht. Ende 2002 war die Frau von der Neuenburger GBI-Sektion gegen den Willen der Verantwortlichen zur Sekretärin ernannt wurden. Diese haben sie in der Folge suspendiert und 2003 entlassen, worauf die Betroffene in eine Depression fiel.

Pedrina und seine Kollegen bestritten, die Frau unter Druck gesetzt zu haben. Sie machten die schwierige Situation der Sektion geltend. Damals waren Unterschlagungen bekannt geworden, die zu Entlassungen geführt hatten. Damit habe die Frau nichts zu tun gehabt, hielt das Gericht fest. Wenn die früheren GBI-Verantwortlichen die Frau nicht als Regionalsekretärin wollten, hätten sie lediglich ihre Wahl nicht bestätigen können. Suspension und Kündigung wären nicht nötig gewesen.

Die Klage der Frau war in einem ersten Schritt abgewiesen worden. Auf Rekurs der Betroffenen hin entschied die Anklagekammer, dass die Angelegenheit doch beurteilt werden muss.

Die Unia bedauerte den Entscheid und kündigte einen Rekurs an. Das Urteil sei vollkommen unverständlich, teilte die Gewerkschaft am Freitag mit. Das Gericht habe der ausserordentlichen Situation nicht Rechnung getragen, mit der die frühere GBI-Führung umgehen musste. Die drei Gewerkschafter seien verurteilt worden, weil sie die Interessen der Gewerkschaft und ihrer Mitglieder verteidigt hätten. «Die Massnahmen, die wir getroffen haben, waren richtig und angemessen in der Situation», wird der frühere GBI-Präsident Pedrina zitiert. (sda)

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