Aktualisiert 06.07.2012 16:34

96-Jähriger verdächtigt

Ex-Gouverneur als nukleare Bedrohung

Raúl Castro war Botschafter und Arizonas einziger Gouverneur mit lateinamerikanischen Wurzeln. An seinem Geburtstag wurde der 96-Jährige wie ein Krimineller behandelt. Die USA sind empört.

von
phi

Raúl H. Castro hat viel für sein Land getan: Von 1975 bis 1977 war er der einzige lateinamerikanische Gouverneur des Bundesstaates Arizona, später diente er als US-Botschafter in El Salvador, Bolivien und Argentinien.

Trotz seiner grossen Verdienste wurde der 96-Jährige am 12. Juni an einem Checkpoint in Arizona fast eine Stunde in sengender Hitze festgehalten. Der Vorfall, der jetzt öffentlich wurde, sorgt in den USA für einen Aufschrei der Empörung.

Zwischenstopp in der Wüste

An jenem 12. Juni wurden Castro und seine Gattin Patricia von Professor Anne Doan mit einem Auto in ihrer Heimatstadt Nogales abgeholt. Das Trio war auf dem Weg nach Tuscon, wo Castros 96. Geburtstag gefeiert werden sollte. An dem Checkpoint in der Wüste geriet der Mann ins Visier der Cops, weil diese Radioaktivität gemessen haben will.

Der Rentner musste das Auto verlassen und in der Mittagshitze bei 37 Grad 45 Minuten in einem Zelt ausharren - obwohl er den Strahlungswert plausibel erklären konnte: Er trägt einen Herzschrittmacher und war kurz davor in einer Arztkontrolle gewesen.

Ein 96-Jähriger als nukleare Bedrohung

Der Ex-Botschafter selbst gibt sich im Rückblick diplomatisch: «Die Grenzpolizei hat einen Job zu erledigen und ich verurteile sie nicht dafür, dass sie ihren Job machen. Aber sobald ich identifiziert und ihnen als 96-Jähriger sagte, dass ich am Vortag in ärztlicher Behandlung war, hätte ich mehr erwartet», sagte er dem US-Sender MSNBC.

Professorin Dohan hingegen nahm kein Blatt vor den Mund: «Als wir durch den Checkpoint der US-Grenzkontrolle fuhren, wurden wir inhaftiert, nachdem ein Fahnder sagte, wir wären eine nukleare Bedrohung», machte sie ihrem Ärger in der Lokalzeitung «Nogales International» Luft. Ihre Bitte, den alten Mann im klimatisierten Wagen warten zu lassen, wurde abgeschmettert.

Lateinamerikanische Herkunft als Verhängnis?

«Ich hatte das Gefühl, dass die Polizisten keine Rücksicht auf den Lebenslauf, das Alter oder die physische Kondition genommen haben», so Dohen weiter. Es sei ihr peinlich gewesen, als sie mit ansehen musste, wie der Gouverneur unnötigerweise wie eine nukleare Bedrohung behandelt wurde. «Insbesondere weil sie wussten, dass er gerade erst im Hospital von Tuscon am Vortag am Herz behandelt worden war», sagte Dohen, die sich selbst übrigens nicht ausweisen musste.

Der Vorfall schlägt deshalb so hohe Wellen, weil Castro in Mexiko geboren wurde: Vielleicht wurde dem Anzugträger sein südamerikanische Aussehen zum Verhängnis. Der Elder Statesman reagierte mit Sarkasmus auf die Aktion, berichtet Dohen. «Als wir weiterfuhren, sagte er: ‹Nun, wenigstens haben sie mich nicht nach Kuba geschickt.›»

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