Beschlagnahmte Hunde: Ex-Hundehalter bedrohen Mitarbeiter eines Tierheims
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Beschlagnahmte HundeEx-Hundehalter bedrohen Mitarbeiter eines Tierheims

Die Betreiber eines Tessiner Tierheims werden mit Steinen beworfen und bedroht. Grund: Die ehemaligen Besitzer wollen ihre beschlagnahmten Hunde zurück.

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Ehemalige Besitzer versuchen oft, ihre von den Behörden beschlagnahmten Hunde aus dem Tierheim zu stehlen.

Ehemalige Besitzer versuchen oft, ihre von den Behörden beschlagnahmten Hunde aus dem Tierheim zu stehlen.

Zuerst misshandelten sie ihre Hunde und dann bedrohen sie jene, die ihnen das Tier weggenommen haben. Die Verantwortlichen eines Tierheims im Sopraceneri TI sind in jüngster Zeit Opfer von Vandalismus und Zerstörung geworden. Das Heim beherbergt unter anderem auch beschlagnahmte Tiere, die aus irgendeinem Grund der Obhut ihrer Besitzern entzogen werden mussten. Diese wollen die Tatsachen aber nicht wahrhaben und protestieren mit Gewalt.

Die Betreiber des Tierheims, die anonym bleiben möchten, wissen sich nicht mehr zu helfen: «Das ist eine unerträgliche Situation, wir haben Angst um uns und die Hunde und wir sind gestresst», sagt ein Mann zu tio.ch.

«Wir brauchen eine zentralisierte Einrichtung»

«Fast jedes Mal, wenn die Behörden uns ein von ihnen beschlagnahmtes Tier übergeben, artet es aus.» Vor allem in den letzten Monaten seien etliche Scheiben eingeschlagen, Zäune durchtrennt und Mitarbeiter mit Steinen beworfen oder sonst bedroht worden. Dies geschehe meist am Abend, wenn die Angestellten allein seien und sich nicht wehren könnten.

In einigen Fällen habe man sogar die Polizei alarmieren müssen, um die ehemaligen Besitzer davon abzuhalten, sich das beschlagnahmte Tier mit Gewalt zurückzuholen. «Wir brauchen eine zentralisierte Einrichtung, die – vor allem in den problematischen Fällen – von Wachpersonal beschützt wird», sagen die Direktoren des Tierheims im Sopraceneri. Dass der Kanton die Kosten dafür übernehme, sei aber unwahrscheinlich.

Vorfälle haben leicht zugenommen

Kantonstierarzt Tullio Vanzetti bestätigt: «Die Vorfälle wurden in unserer Abteilung registriert und das Phänomen scheint tatsächlich leicht zuzunehmen.» Die aus seiner Sicht ideale Lösung werde bereits in verschiedenen Kantonen umgesetzt: Eine kleine, aber sichere kantonale Einrichtung, wo man vorübergehend beschlagnahmte Tiere unterbringen könne – sei es aus Gründen der Sicherheit oder Gesundheit. «Derzeit arbeiten wir zusammen mit privaten Heimen und müssen uns an die Regeln der Ortschaft halten, wo das Tier beschlagnahmt wurde», so Vanzetti.

Auch in der Deutschschweiz gab es schon Aufstände

Im Kanton Zürich kennt man diese Fälle ebenfalls. «Bei uns passiert das aber äusserst selten», sagt Kantonstierärztin Regula Vogel. In den letzten zehn Jahren sei es vielleicht drei- oder viermal vorgekommen, dass ein ehemaliger Besitzer Probleme gemacht habe. «Es gab allerdings vor Jahren zwei Einbrüche, bei denen es den Leuten gelang, ihren beschlagnahmten Hund zu stehlen und sich ins Ausland abzusetzen.» Nun verfüge man über eine gesicherte Einrichtung.

Auch im Kanton Bern kommt es hin und wieder zu Aufständen von ehemaligen Besitzern. «Ein- bis zweimal im Jahr belästigt jemand den Nachtdienst und versucht ihn davon zu überzeugen, ihm seinen Hund oder seine Katze zurückzugeben», sagt Myrta Rieder vom Tierheim Oberbottigen. In ganz schlimmen Fällen würden die Hunde in einem Tierheim eines anderen Kantons untergebracht, damit die Ex-Besitzer sie nicht finden könnten.

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