Korruption aufgeflogen: Ex-Kadermann des Hochbauamtes verurteilt
Aktualisiert

Korruption aufgeflogenEx-Kadermann des Hochbauamtes verurteilt

Ein Projektleiter des Zürcher Hochbauamtes hat einem Bauunternehmer jahrelang Aufträge in Millionenhöhe zugeschanzt – und im Gegenzug sein Luxusauto finanziert. Nun wurden beide Männer zu hohen Geldstrafen verurteilt.

von
Attila Szenogrady

Fälle von Korruption kommen im Kanton Zürich nur selten ans Licht. Das ist kein Wunder, da beide Seiten im Normalfall von den illegalen Machenschaften finanziell profitieren und sich hüten, Drittpersonen darüber zu unterrichten. Aber alles, was mehr als zwei Personen wissen, ist bekanntlich kein Geheimnis mehr.

Dies zeigt auch der Fall gegen einen früheren Projektleiter des Zürcher Hochbauamtes (HBA) auf. Der heute 47-jährige Architekt vergab zwischen März 1997 und Juli 2009 zahlreiche Aufträge an verschiedene Bauunternehmen. Speziell an einen Spezi. Es handelte sich dabei um Fassadenrenovationen, Isolations- und Gipsarbeiten.

Wegen Rosenkrieg aufgeflogen

Die eindrückliche Karriere des langjährigen Chefbeamten endet allerdings am 7. Juli 2009 abrupt. Er wurde von der Polizei festgenommen und verbrachte danach 34 Tage lang in Untersuchungshaft. Dort erhielt er die fristlose Kündigung des HBA. Grund für die Verhaftung: Ausgerechnet seine Ehefrau hatte den Kadermann im Rahmen einer Kampfscheidung bei den Behörden angezeigt.

Die Frau behauptete dabei, dass ihr Noch-Ehemann mittels gefälschten Rechnungen einen Millionenschaden angerichtet habe. Die Staatsanwaltschaft leitete eine umfangreiche Strafuntersuchung ein. Auch gegen einen heute 69-jährigen Bauunternehmer, der vom Kaderbeamten nicht weniger als 148 Vergütungen für insgesamt über 2,8 Millionen Franken erhalten hatte.

Luxusfahrzeug jahrelang aufgemöbelt

Die Staatsanwaltschaft berichtete, dass sich der begünstigte Bauunternehmer auch erkenntlich zeigte, indem er über vier Jahre lang die Wartung des Luxusfahrzeugs des HBA-Leiters finanzierte. So kam der Chefbeamte in Kennys Autocenter in Wettingen nicht nur in den Genuss eines «feinen Käffelis», sondern genoss auch den Vorteil von diversen Gratisreparaturen und den Erhalt eines Navigationsgerätes. Alles auf Kosten des Baulöwen. Der eingeklagte Deliktbetrag für die Bestechung betrug laut Anklage rund 21'500 Franken.

Die zuständige Staatsanwältin lastete dem Ex-Beamten Sich-bestechen-Lassen, dem millionenschweren Bauunternehmer Bestechen an. Sie verlangte hohe Geldstrafen und Bussen. 210 Tagessätze zu 70 Franken bedingt sowie 2000 Franken Busse für den früheren Magistraten, 180 Tagessätze zu 700 Franken bedingt sowie 10'000 Franken Busse für den freien Unternehmer.

Die Verteidiger sahen es anders und verlangten mangels Beweisen Freisprüche. Der Ex-Beamte hatte in der Untersuchung eingestanden, dass er zwar ein administrativer Chaot gewesen sei, aber nichts Unrechtes getan habe. Auch der zweite Beschuldigte hatte seine Unschuld beteuert und von üblichen Gegenleistungen gesprochen.

Zu enge Beziehungen: Schuldsprüche

Das Gericht folgte zum Schluss der Anklage. Es befand beide Schweizer für schuldig und verurteilte sie zu hohen Geldstrafen. Der Ex-Beamte erhielt mit 300 Tagessätzen zu 100 Franken insgesamt 30'000 Franken. Der mitbeschuldigte Multimillionär erhielt mit 240 Tagessätzen zu 400 Franken sogar 96'000 Franken. Obwohl das Gericht die kriminelle Energie des früheren HBA-Chefs als erheblich beachtlicher einstufte. «Die Beziehungen zwischen den beiden Beschuldigten waren zu eng», fasste die Gerichtsvorsitzende zum Schluss zusammen. Der Beamte habe dem Bauunternehmer jahrelang Grossaufträge zugeschanzt.

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