Krach mit UBS: Ex-Kapitän sucht in der Schweiz nach Milliarden
Aktualisiert

Krach mit UBSEx-Kapitän sucht in der Schweiz nach Milliarden

Über 170 Milliarden Dollar Erbgelder eines indonesischen Diktators sollen auf Schweizer Konten lagern. Ein Österreicher sucht danach – mit zweifelhaften Beweisen. Eine Posse.

von
Sabina Sturzenegger

Die Geschichte erinnert an die Suche nach dem heiligen Gral: Es geht um das sagenhafte Vermögen von fast 180 Milliarden Dollar des ehemaligen indonesischen Diktators Sukarno (vgl. Box). Das Geld soll auf unter anderem bei der UBS liegen.

Hauptakteur in dieser «Schatzsuche» ist ein gewisser Gustav Jobstmann, ehemaliger Schiffskapitän aus Niederösterreich, der sich als «Wirtschaftsmediator» bezeichnet. Jobstmann behauptet gegenüber 20 Minuten Online, er sei von Sukarnos Erben, dem 61-jährigen Professor Edy Soekanto, beauftragt worden, die Milliarden von den Bankkonten zurückzuholen und «auf den Markt zu bringen».

Milliardenbetrüger und Mobutu-Gelder

Gustav Jobstmann ist ein umtriebiger Mann. Unter anderem sollen der Milliardenbetrüger und Steuerflüchtling Werner Rydl sowie der kongolesische Ex-Präsident Laurent Kabila zu seinen Mandanten gehört haben. Dem zuletzt staatenlosen Rydl, der in Österreich als «Staatsfeind Nr. 1» bezeichnet wird, soll Jobstmann zur Ausreise nach Brasilien verholfen haben. Im Namen von Kabila habe er Mobutu-Konten schliessen und dessen Immobilien beschlagnahmen lassen, sagt Jobstmann.

Jetzt will dieser Mann das Soekanto-Vermögen herauslösen und die Milliarden in verschiedene Projekte in Österreich stecken. Der Professor aus Indonesien möchte die verstaatlichte Bank Hypo-Alpe-Adria sowie eine angeschlagene niederösterreichische Geschäftsflug-Firma kaufen, so ist von Jobstmann zu erfahren.

40'000 Seiten Unterlagen

Doch wo befindet sich diese Unsumme überhaupt? «Ich habe 40'000 Seiten durchgesehen, bevor ich den Fall übernahm», sagt Jobstmann. Er ist überzeugt, dass das Geld bei der UBS liegt. Dazu liefert er auch Bilder (siehe Fotostrecke).

Jobstmann wirft der UBS vor, die Gelder zu blockieren und abzustreiten, dass sie Konten mit den Namen Sukarto oder Soekanto habe. Noch vor Wochen gab sich der Mediator siegessicher: «Die Konten bei der UBS werden in wenigen Wochen geöffnet sein.» Doch daraus ist bis anhin nichts geworden.

Besuche, Anzeigen, Konkursantrag

Nachdem sein persönlicher Besuch bei der UBS an der Zürcher Bahnhofstrasse nicht fruchtete, reichte Jobstmann bei der Staatsanwaltschaft Zürich Anzeige gegen die Bank wegen Vermögensdelikten ein. Inzwischen hat er sogar einen Wohnsitz in Basel angenommen. Vorläufig letzter Akt: Jobstmann will ein Betreibungsbegehren über 170 Milliarden Dollar gegen die UBS stellen.

Jobstmanns Geschichte klingt ziemlich abenteuerlich. Unter Kennern der Materie ist auch von «Luftgeschäften» die Rede. Bei der UBS kennt man die «Ritter», die nach dem «heiligen Gral» der Soekanto-Milliarden suchen: «Wir erhalten im Abstand von einigen Monaten Anfragen zum legendären Soekanto-Vermögen», sagt Yves Kaufmann, Konzernsprecher der UBS. Bei den Dokumenten, die Jobstmann vorlege, handle es sich um eindeutige Fälschungen. Bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, Abteilung für Wirtschaftsdelikte, ist zurzeit zum Fall Jobstmann gegen UBS nichts zu erfahren.

Ob «Mr. Milliardendeal», wie Jobstmann in Österreich auch genannt wird, je an die legendäre Summe herankommt, darf aber bezweifelt werden.

Stichwort: Potentatengelder

Der Bundesrat kann Vermögenswerte von politisch exponierten Personen (PEP) und deren Umfeld, die zu Potentaten werden, in der Schweiz sperren. Solche Sperrungen können in besonderen Situationen, beispielsweise bei einem politischen Umsturz, vorgenommen werden und verhindern, dass Gelder aus der Schweiz abgezogen werden, schreibt die Bankiervereinigung. Zum Nachweis der unrechtmässigen Herkunft der Vermögenswerte hat der betroffene Staat ein Rechtshilfegesuch an die Schweiz zu richten.

Ein indonesisches Rechtshilfeersuchen in Sachen Sukarno liegt in der Schweiz aber zurzeit keines vor, wie das Bundesamt für Justiz bestätigt. (egg)

Sukarno und seine Erben

erste Präsident Indonesiens. Er ist der Vater der späteren Präsidentin Megawati Sukarnoputri.

Diktator, 1963 liess er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit wählen.

Nach einem Putschversuch 1967 trat Sukarno zurück und wurde unter Hausarrest gestellt. 1970 starb er in der indonesischen Haupststadt Jakarta.

Seno Edy Soekanto vermacht haben. (egg)

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