«Vater der Nation»: Ex-König von Kambodscha gestorben
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«Vater der Nation»Ex-König von Kambodscha gestorben

Der ehemalige kambodschanische König Norodom Sihanuk ist am Montag in Peking einer langjährigen Krebskrankheit erlegen. Sein Sohn wird den Leichnam zurück in die Heimat begleiten.

Der kambodschanische König Norodom Sihanuk (links, hier zusammen mit seinem Sohn Sihamoni, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Der kambodschanische König Norodom Sihanuk (links, hier zusammen mit seinem Sohn Sihamoni, ist im Alter von 89 Jahren gestorben.

Kambodschas ehemaliger König Norodom Sihanuk ist tot. Der frühere Monarch starb am frühen Montagmorgen im Alter von 89 Jahren in der chinesischen Hauptstadt Peking an einem Herzinfarkt. Dies teilte sein persönlicher Mitarbeiter, Prinz Sisowath Thomico, mit.

Siahnuk hielt sich seit Jahren immer wieder in Peking auf, wo er sich medizinisch versorgen liess. Er litt an verschiedenen Krebserkrankungen, Diabetes und Bluthochdruck.

Prinz Thomico sagte, Sihanouk sei nach seinem Herzinfarkt in ein Krankenhaus gebracht worden, aber kurze Zeit später gestorben. «Das ist schmerzhaft, ich bin voller Trauer.» Sihanuk wäre in wenigen Tagen 90 Jahre alt geworden.

Sihanuks Sohn, der derzeitige König Norodom Sihamoni, und Regierungschef Hun Sen flogen noch am Montag nach Peking. Der Leichnam Sihanuks soll am Mittwoch nach Kambodscha zurückgeholt werden. Eine offizielle Staatstrauer ist bis kommenden Dienstag angesetzt.

Danach soll der Leichnam noch für drei Monate aufgebahrt werden, damit sich die Kambodschaner von dem bis zuletzt beliebten Monarchen verabschieden können.

Hohes Alter als Last empfunden

Sihanuk hatte den Thron wegen seines Alters und seiner schwachen Gesundheit 2004 seinem Sohn überlassen. Mit seinen Anhängern kommunizierte er fortan vor allem über seine Internetseite. Vor rund zwei Jahren äusserte er die Ansicht, er habe zu lange gelebt, das hohe Alter sei «eine nicht zu ertragende Last».

Der frühere König galt als intelligent, aber auch leicht manipulierbar. Er war sechsmal verheiratet und hatte insgesamt 14 Kinder. Seine letzte Frau war das kambodschanisch-italienische Ex- Model Monique Izzi.

Erstmals als König ernannt wurde Sihanuk 1941 im Alter von 18 Jahren von den französischen Kolonialherren. Zwölf Jahre später setzte er die Unabhängigkeit seines Landes durch, dankte zugunsten seines Vaters Norodom Suramarit als König ab und wurde Ministerpräsident.

Wechselvolle Biografie

Über die Jahre hinweg stand er ein halbes Dutzend Mal an der Spitze der Regierung. 1960 folgte er erneut seinem Vater nach dessen Tod auf dem Thron.

1970 setzte einer seiner Generäle den König mit Hilfe der USA ab. In der Folge verbündete sich Sihanuk zunächst mit den Roten Khmer, die von 1975 bis 1979 das Land regierten und rund zwei Millionen Menschen ermordeten. Sihanuk wurde in dieser Zeit in seinem Palast unter Hausarrest gestellt, fünf seiner Kinder wurden ermordet.

Vor der vietnamesischen Invasion, die der Herrschaft der Roten Khmer ein Ende setzte, floh er nach China. 1991 half er nach langem Bürgerkrieg beim Friedensschluss in seiner Heimat und bestieg 1993 erneut den Thron.

Zu China hatte Sihanuk enge Beziehungen, unter anderem zu Revolutionsführer Mao Tse Tung. Die Regierung in Peking bedauerte am Montag den Verlust eines «grossen Freundes».

Ebenfalls befreundet war der frühere kambodschanische König mit dem langzeitigen nordkoreanischen Staatschef Kim Il-Sung. Dieser stellte ihm in der Hauptstadt Pjöngjang einen Palast mit 40 Zimmern zur Verfügung. (sda)

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