Aktualisiert 03.10.2013 12:02

Am Tod vorbei

Ex-Magersucht-Model rechnet mit Branche ab

Georgina Wilkin wollte modeln. Um jeden Preis. Sie hungerte. Zweimal bezahlte sie ihren Traum beinahe mit dem Tod. Jetzt ist sie geheilt und erhebt schwere Vorwürfe.

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los

Es ist die tragische Geschichte eines jungen Mädchens, das seinen Traum vom Modeln leben wollte. Sie bezahlte hart dafür. Beinahe mit dem Tod. Gegenüber «Daily Mail» erzählt die inzwischen 23-jährige Georgina Wilkin ihre berührende Geschichte. Und geht mit dem Modelbusiness hart ins Gericht.

Georginas Leidensgeschichte beginnt, als sie 15-jährig auf Londons Strassen entdeckt wird. Hochgelobt wird ihre schmale Statur, die Agentur feiert sie gar als nächste Kate Moss. Sie erzählt: «Sie machten Polaroid-Fotos von mir, überprüften, ob ich fotogen war. Jeden Zentimeter an meinem Körper haben sie abgemessen, auch meine Fingerkuppen. Da verstand ich zum ersten Mal: Mein Körper ist bloss ein Produkt, welches von anderen Leuten begutachtet und kritisiert wird.»

Georgina kämpft

Kein Grund für Georgina, ihren Traum aufzugeben. Ihre Agentur schickt sie nach Tokio. «Ich war so geschmeichelt, dass die japanische Agentur mich wollte. Doch sie forderten, dass ich mehr als sieben Zentimeter an den Hüften und mehr als zwei Zentimeter an der Taille abnehme», sagt sie. Der Anfang von Georginas langem Leiden. Sie hört auf, normal zu essen. Gerogina: «Ich ass nur Salat und Gemüse und oft kam ich zwei Tage ganz ohne essen aus.»

Ihr Körper reagiert, setzt sich zur Wehr. Georgina berichtet: «Meine Lippen und Finger waren blau, weil mein Herz kaum mehr in der Lage war, Blut in meinen Körper zu pumpen.» Die Designer aber ignorieren die Warnzeichen und lassen die Stellen einfach mit Concealer überschminken. Zudem raten sie Georgina, weiter an Gewicht zu verlieren.

Von ihren Eltern bleibt Georginas Untergewicht nicht unbemerkt. Jegliches Flehen und Betteln, wieder zu essen, ist aber vergebens. Sie tischt ihnen Lügen auf. Sagt, sie habe auswärts gegessen, es gehe ihr gut.

Zwei Mal Hölle und zurück

Nach einer Weile kehrt sie nach London zurück, wo sie für Topshop, Gap und weitere Designer vor der Linse steht. Kurz darauf, im Sommer 2007, schleppen Georginas Eltern sie zu einem Arzt. Diagnose: Anorexie. Fünf Monate lang muss sie in Behandlung bleiben. «Ich wurde zwangsernährt. Die Ärzte machten kein Geheimnis daraus, dass ich in Lebensgefahr schwebte.» Ihre Organe hätten beinahe versagt.

Im Februar 2008 kann Georgina das Spital verlassen. Und wieder verfällt sie dem Business. Das ganze Drama beginnt von vorn. Georgina hungert erneut. Noch immer bekommt sie zu hören: «Du bist zu dick, du musst abnehmen.» Sie tuts. Und endet wieder in der Klinik, schluckt Antidepressiva.

Diesmal ist der Aufenthalt erfolgreich. So scheint es jedenfalls. Georgina bricht mit der Branche, will nie mehr auf den Laufsteg zurück. «Ich bin sehr glücklich, überlebt zu haben. Es macht mich wütend, all die Bilder der Models zu sehen, von welchen ich weiss, dass sie essgestört sind.» Georginas Fazit und Lösungsansatz: «Die meisten High-Fashion-Marken buchen anorektische Mädchen für ihre Kampagnen. Der einzige Weg, dem ein Ende zu setzen, ist, die Kleider dieser Labels nicht mehr zu kaufen.»

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