Plagiats-Affäre: Ex-Minister Guttenberg droht Haft
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Plagiats-AffäreEx-Minister Guttenberg droht Haft

Heute wird der Untersuchungsbericht zur Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg veröffentlicht. Derweil stellte ein Plagiatsopfer einen Strafantrag – was eine Anklage erleichtert.

Also doch: Was er immer bestritten hatte, bestätigt nun ein Gutachten. Zu Guttenbergs Doktorarbeit ist nicht sauber.

Also doch: Was er immer bestritten hatte, bestätigt nun ein Gutachten. Zu Guttenbergs Doktorarbeit ist nicht sauber.

Trotz Rücktritt: Die Plagiatsaffäre ist für Karl-Theodor zu Guttenberg noch lange nicht ausgestanden. Heute Mittwoch veröffentlichte die Universität Bayreuth in einer Pressekonferenz ihren endgültigen, etwa 40 Seiten langen Abschlussbericht zur Doktorarbeit des Ex-Verteidigungsministers (siehe Box).

Nach einer knapp dreimonatigen Prüfung der Arbeit hatte die Universität mitgeteilt, dass Guttenberg nach Auffassung der Kommission in seiner Doktorarbeit vorsätzlich getäuscht hat.

Guttenberg hatte zwar gravierende Fehler in seiner Dissertation eingeräumt, eine bewusste Täuschung jedoch immer bestritten.

Erstes Opfer stellt Strafantrag

Die Plagiatsaffäre hat möglicherweise auch juristische Konsequenzen für den CSU-Politiker: Zum ersten Mal hat einer der Autoren, von denen Guttenberg abgeschrieben haben soll, Strafantrag gestellt. Das berichtet die Zeitung «Die Welt». Der Autor wollte anonym bleiben, bestätigte aber gegenüber der Zeitung die Klage.

Guttenberg: «Grenzen meiner Kräfte erreicht»

Der Staatsanwaltschaft Hof liegen nach eigenen Angaben deutlich über 100 Anzeigen vor, doch bis jetzt war kein Autor darunter, bei dem Guttenberg sich für seine Arbeit bedient hatte. Der Strafantrag eines Betroffenen erhöht laut der «Welt» die Wahrscheinlichkeit, dass die Affäre für Guttenberg zu einer Anklage führt.

Der Berliner Fachanwalt Jan Bernd Nordemann erklärt: «Für die Staatsanwaltschaft ist es erheblich einfacher geworden, Guttenberg jenseits der üblichen Wege anzuklagen», sagt er gegenüber der Zeitung. «Sie muss sich nicht mehr allein darauf berufen, dass hier ein öffentliches Interesse besteht, das sich aus der Bekanntheit und der politischen Bedeutung des Täters herleitet.» In solchen Fällen komme es sehr auf die Staatsanwälte an. Darauf, ob sie einen Präzedenzfall schaffen wollten. Guttenberg drohen im Fall einer Anklage bis zu drei Jahre Haft. (dapd)

Stellungnahme von Karl-Theodor zu Guttenberg

Guttenberg hat seine unzureichende Doktorarbeit mit seiner beruflichen und familiären Mehrfachbelastung erklärt. Das geht aus dem Abschlussbericht der Universität Bayreuth zur Überprüfung der Dissertation hervor, der heute Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der CSU-Politiker räumte demnach in einer Stellungnahme gegenüber der Hochschule eine «ungeordnete Arbeitsweise» mit «gelegentlich chaotischen Zügen» ein. All dies habe sich über Jahre in einer Situation abgespielt, in der die - durch die Übernahme neuer beruflicher Tätigkeiten und politischer Ämter entstandene - «vielfache Arbeitsbelastung» ihm teilweise über den Kopf gewachsen sei.

Hinzugekommen sei die Erwartungshaltung der Familie, die bestehenden Anforderungen erfolgreich zu bewältigen. Ihm sei deutlich gemacht worden, dass die Qualität der unterschiedlichen Engagements keinesfalls leiden dürfe und eine begonnene Arbeit auch zu Ende zu bringen sei.

Außerdem habe Guttenberg seinen Doktorvater Peter Häberle nicht enttäuschen wollen. Er habe sich nicht durchringen können, die Dissertation zurückzugeben und das Promotionsverfahren zu beenden. «Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen», sagte Guttenberg dem Bericht zufolge.

Die zuständige Kommission der Universität erkannte die Argumentation nicht an: Im Wissen um eine sich über Jahre hinziehende «zeitliche Dauerüberforderung» habe sich Guttenberg entschieden, «über alle selbst erkannten Warnzeichen hinwegzusehen». Er habe damit sehenden Auges in Kauf genommen, dass er eine Arbeitsweise pflege, der «die fehlende wissenschaftliche Sorgfalt immanent ist». Wer jahrelang akzeptiere, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, «handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt».

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