Timm Klose ohne Vertrag – Ex-Nati-Verteidiger sucht neuen Club – «Will nicht, dass Karriere so endet»
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Timm Klose ohne VertragEx-Nati-Verteidiger sucht neuen Club – «Will nicht, dass Karriere so endet»

Die Winterpause bedeutet für vertragslose Fussballer die Chance, einen neuen Arbeitgeber zu finden. Der ehemalige Nati-Verteidiger Timm Klose ist einer von ihnen. 20 Minuten hat mit ihm gesprochen.

von
Silvan Haenni
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Timm Klose ist zurzeit auf der Suche nach einem neuen Club.

Timm Klose ist zurzeit auf der Suche nach einem neuen Club.

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Zuletzt war der Innenverteidiger für den FC Basel im Einsatz. Das Engagement bei seinem Stammclub verlief allerdings nicht nach Wunsch.

Zuletzt war der Innenverteidiger für den FC Basel im Einsatz. Das Engagement bei seinem Stammclub verlief allerdings nicht nach Wunsch.

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Seit 2016 stand Klose bei Norwich City unter Vertrag. Hier sieht man ihn im Einsatz gegen Chelsea-Star Christian Pulisic.

Seit 2016 stand Klose bei Norwich City unter Vertrag. Hier sieht man ihn im Einsatz gegen Chelsea-Star Christian Pulisic.

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Darum gehts

  • Während im Transferfenster Millionenbeträge fliessen, wären andere Spieler gratis zu haben.

  • Auch einige namhafte Schweizer Kicker sind auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber.

  • 20 Minuten hat mit einem von ihnen gesprochen: Innenverteidiger Timm Klose.

  • Der 17-fache Nationalspieler: «Ich will nicht auf der Bank sitzen.»

«Wir haben mit verschiedenen Vereinen geredet», sagt Timm Klose gelassen. Interesse sei zwar da, allerdings würden noch keine konkreten Angebote vorliegen. Der 33-Jährige steht seit Ende August ohne gültiges Arbeitspapier da, nachdem er bei Premier-League-Aufsteiger Norwich City seinen gut dotierten Vertrag aufgelöst hatte. «Ich will nicht auf der Bank sitzen», erklärt der Innenverteidiger im Gespräch mit 20 Minuten. «Ich will noch einmal rauslassen, was in mir steckt, noch einmal all die Emotionen und den Spass geniessen», so Klose. Schliesslich sei er kein Zlatan Ibrahimović, der bis 40 Fussball spielen kann.

Ganz so herumgekommen wie der schwedische Superstar ist Klose zwar nicht. Dennoch lässt sich seine Karriere sehen: Über Thun, Nürnberg und Wolfsburg gelang der 1,95-Meter-Hüne zu Norwich, wo er zum Leistungsträger avancierte, zeitweise die Kapitäns-Binde trug und mit den «Canaries» in die Premier League aufstieg. Bei seiner leihweisen Rückkehr zum Stammclub FC Basel im Sommer 2020 sorgte jene Erfahrung für eine riesige Erwartungshaltung. Als Routinier und Identifikationsfigur hätte er eine neue FCB-Ära prägen sollen.

Corona macht Situation nicht einfacher

Die Leih-Saison beim FCB verlief allerdings alles andere als optimal. Mehr als 30 Punkte Rückstand auf Meister YB, Cup-Schmach gegen Winterthur und das Aus in den EL-Playoffs gegen Sofia. So hält sich Klose heute in der U-21 des FCB fit, anstatt mit dem Tabellenzweiten der Super League auf Titeljagd zu gehen. «Es macht Spass, mit den Jungen zu trainieren», sagt er demütig. Bleibt die Frage, wo es nun hingehen soll. Klose: «Ich wäre gerne in der Super League.» Aber er würde durchaus auch Challenge League spielen und von da weiterschauen, so der 17-fache Nationalspieler.

Klose weiter: «Ich muss nicht realitätsfremde Ansprüche an Lohn oder Niveau stellen.» Wichtige Faktoren seien stattdessen, dass er spielen könne – und dass es geopolitisch ruhig sei. Aber auch die Corona-Situation müsse man beachten. So sei er beispielsweise mit Clubs in Australien in Kontakt gewesen, wo mit der Pandemie sehr restriktiv umgegangen wird. «Es bringt nichts, da hinzugehen, zwei oder drei Spiele zu absolvieren und dann da festzusitzen», so der deutsche Cupsieger von 2015. Allgemein würde Corona die Situation auf dem Markt um einiges schwieriger machen, schätzt Klose ein. Das merke man auch in der Super League, speziell für ältere Spieler wie ihn.

Plan B wie B-Diplom

Ohnehin habe sich die Philosophie auf dem Spielermarkt verändert. Klose: «Die emotionale Komponente, für einen Verein alles geben zu wollen, ist verloren gegangen.» Es ginge nur noch ums Überleben und darum, mit jungen Spielern möglichst schnell Geld zu machen. «Ältere Spieler sind nicht mehr attraktiv», sagt er und meint, dass er auch nicht mehr um jeden Preis in jenem Markt bleiben möchte. «Dieses Transferfenster warte ich noch ab und dann schauen wir weiter». Alternativen hätte er allemal: Ein Studium in Sportmanagement hat der beflissene Abwehrchef bereits im Sack. Genauso wie das B-Diplom als Fussballlehrer, das er beim englischen Fussballverband erworben hat. «Das A-Diplom hänge ich jetzt wohl gleich noch an», kündigt Klose an.

Zudem führt er zusammen mit Mutter Daniela Spillmann den exklusiven Basler Mitgliederclub «Club de Bâle». «Auch hier ist es entscheidend, realistisch zu bleiben und keine utopischen Vorstellungen zu haben», sagt Klose. Schlussendlich gehe es darum, zurückzuschauen und nichts zu bereuen. Und das könne er: «Ich habe eine Super-Karriere gehabt und alle gesteckten Ziele erreicht.» Trotzdem wolle er nicht seine Karriere als Free Agent beenden: «So konnte ich nicht selber entscheiden, wann fertig ist. Das wurde mir bisweilen aus der Hand genommen.»

Klose ist nicht allein

Gegen ein unfreiwilliges Karriereende kämpfen derzeit neben Timm Klose noch eine ganze Reihe weiterer etablierter Schweizer Fussballer. So beispielsweise der 13-fache Nationalspieler Loris Benito. Der 30-jährige Linksverteidiger ist seit der Auflösung seines Vertrags bei Petkovic-Club Bordeaux auf Vereinssuche. Über Weihnachten war er bei Championship-Club Nottingham Forest im Probetraining, schlug ein Vertragsangebot bis Sommer aber aus. Momentan bestreitet er die Rückrunden-Vorbereitung mit Jugendclub Aarau.

Zurzeit mit dem FC Sion unterwegs ist Gaetano Berardi. Der 33-jährige Rechtsverteidiger steht nach zuletzt sieben erfolgreichen Jahren bei Leeds United ohne Club da. Momentan hält sich der einfache Nationalspieler beim FC Sion fit. Mit FCZ-Legende Marco Schönbächler (31), der im Sommer beim Stadtclub gehen musste, sucht zudem ein weiterer Spieler mit Nati-Erfahrung (zwei Länderspiele) nach einem neuen Arbeitgeber.

Die wertvollsten Schweizer Free Agents

1. Loris Benito (29 Jahre, Marktwert: 2.58 Millionen CHF)
2. Davide Mariani (30, 1.55 Millionen CHF)
3. Joel Untersee (27, 410’000 CHF)
4. Oliver Buff (29, 330’000 CHF)
5. Gaetano Berardi (33, 310’000 CHF)
6. Zoran Josipovic (26, 310’000 CHF)
7. Timm Klose (33, 310’000 CHF)
8. Karim Bertelli (22, 260’000 CHF)
9. Albin Sadrijaj (24, 208’000 CHF)
10. Rafael Zbinden (26, 155’000 CHF)
11. Valentino Pugliese (24, 155’000 CHF)
12. Mattia Celant (22, 155’000 CHF)
13. Yann Kasai (23, 155’000 CHF)
14. Freddy Mveng (29, 103’000 CHF)
15. Enes Azizi (27, 103’000 CHF)
16. Demian Titaro (25, 103’000 CHF)
17. Samuel Delli Carri (24, 103’000 CHF)
18. Alban Ramadani (27, 77’000 CHF)
19. Matthias Minder (28, 51’000 CHF)
20. Alessandro Stabile (21, 51’000 CHF)
21. Jérémy Jaquier (24, 51’000 CHF)
22. Junior Eyamba (20, 51’000 CHF)
23. Marco Schönbächler (31, 51’000 CHF)
24. Daniel Follonier (27, 51’000 CHF)
25. Bruno Morgado (24, 51’000 CHF)
26. Andreas Wittwer (31, 51’000 CHF)
27. Adonis Ajeti (24, 51’000 CHF)
28. Valdrin Dalipi (20, 51’000 CHF)
29. Luka Stevic (21, 51’000 CHF)

(Quelle: transfermarkt.ch)

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