United Tribuns: Ex-Neonazi ist jetzt Balkan-Rocker
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United TribunsEx-Neonazi ist jetzt Balkan-Rocker

Er trug ein Hakenkreuz auf der Brust und organisierte eine Demo gegen Ausländer. Doch jetzt ist Stefan N. (35) Mitglied bei den Balkan-Rockern: Er ist einer von den United Tribuns.

von
num

Die United-Tribuns-Mitglieder in der Schweiz stammen hauptsächlich aus dem Balkan, mehrheitlich aus Bosnien. Schweizer Mitglieder ohne ausländische Wurzeln gibt es nur vereinzelt. Einer, der aber in ihre Reihen aufgenommen wurde, ist der Thurgauer Stefan N.* (35) – früher ein bekennender Rechtsextremer.

Das Hakenkreuz auf der Brust, darüber «Ehre, Treue, Vaterland» tätowiert, dazu der Umgang mit den bekannten Gestalten der Szene: Stefan N. machte keinen Hehl aus seiner Gesinnung. Vor wenigen Jahren trat er der Gruppierung «Patriotischer Ostflügel» bei, sprach öffentlich davon, wie er nicht zuschauen könne, «wie unser Land kaputtgeht».

«Politik ist nicht unser Ding»

Vor einigen Jahren war S.N. gar Mitorganisator einer Demonstration gegen Ausländergewalt in Frauenfeld. Die Demo fand allerdings nie statt, da die Polizei die Kundgebung verboten hatte. Und heute? Stefan N. verkehrt eng mit denjenigen, die er früher so verabscheute – Menschen mit fremden Wurzeln. Er nennt sie «Brate», bosnisch für Bruder.

Angesprochen auf seine Vergangenheit, will S.N. nichts mehr damit zu tun haben. «Das ist kalter Kaffee. Meine Zeit in der rechten Szene ist Jahrzehnte her und ich distanziere mich schon lange von solchen Leuten.» Er stehe zu seinen Brüdern bei den United Tribuns in jeder Lebenslage. «Wir sind multikulti und Politik ist nicht unser Ding.»

«Jeder hat eine zweite Chance verdient»

Seine Aktivitäten auf Facebook werfen jedoch Zweifel auf, ob er die braune Gesinnung bereits seit «Jahrzehnten» abgelegt hat. Zu einem auf Facebook geposteten Bild eines McDonald's, der koscheres Fleisch anbietet, schrieb er: «KLACK KLACK BUUUUUM 88». Wobei die 88 für den jeweils achten Buchstaben im Alphabet steht: HH – Heil Hitler. Und nur ein Jahr ist es her, als GC-Fan Stefan N. sich mit einem Fussball-Fan über Facebook zoffte. Einer seiner Kommentare: «Schrib doch mit dine Jude-Güller-Kollege.»

Der Sprecher der United Tribuns, Fritz Lemberger, verteidigt Stefan N. «Er ist ein Bruder und seine Vergangenheit geht uns nichts an. Bei uns in der Bruderschaft lebt er unsere Werte. Jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.»

Stefan N. scheint in der Rocker-Szene jedenfalls ein Einzelfall zu sein: In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, wo die Polizei seit längerer Zeit aktiv gegen die Rocker-Szene vorgeht, habe man keinen Zulauf aus rechten Kreisen verzeichnet.

* Name der Redaktion bekannt

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