Aktualisiert 14.11.2011 19:29

Schlieren ZHEx-Postangestellter verurteilt

Über zehn Monate lang hat ein Angestellter des Post-Verteilzentrums Mülligen in Schlieren diverse Postsendungen geplündert und Wertsachen für mindestens 61 417 Franken gestohlen.

von
Attila Szenogrady

War es der Druck am Arbeitsplatz? Oder wollte der Angestellte für die zahlreiche Überstunden gerecht belohnt werden? Oder war es nur reine Profitgier? «Ich kann es heute nicht mehr erklären», lautete die Antwort des heute 33-jährigen Familienvaters, der vor zwei Jahren für 36 Tage in der Untersuchungshaft verschwand und am Montag wegen gewerbsmässigen Diebstahls sowie wegen Verletzung des Postgeheimnisses vor dem Bezirksgericht Dietikon stand.

Diverse Natels und Schmuckstücke gestohlen

Laut Anklage war es am 24. Januar 2009, als der damalige Angestellte des Post-Verteilzentrums Mülligen zum ersten Mal zuschlug. Der Packer öffnete damals heimlich eine Postsendung und steckte zwei Paar Ohrringe im Wert von 220 Franken für sich ein. Das war der Auftakt zu einer eindrücklichen Diebesserie. Als der Mazedonier am 13. Oktober 2009 endlich aufflog, hatte er bereits über 100 Mal zugelangt und zahlreiche Pretiosen sowie diverse Mobiltelefone für ins gesamt mindestens 61 417 Franken gestohlen. Einen Teil der Beute lagerte er bei sich zu Hause. Etliche Wertgegenstände setzte er im Balkan ab.

Mühevolle Strafuntersuchung

Die Strafuntersuchung entpuppte sich als recht mühevoll. So konnte die Post nur einen Teil des Diebesgutes ausfindig machen und verschickte zum Teil die Schmuckstücke an die falschen Leute. Die Post habe gar gewisse Kunden auf dem Schaden sitzen lassen, erklärte sogar der zuständige Staatsanwalt, der für den Beschuldigten eine bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten sowie eine Busse von 1000 Franken forderte. Der Angeklagte habe seine Vertrauensstellung missbraucht, schloss der Ankläger.

Reumütiger Ersttäter

Der Verteidiger setzte sich für eine bedingte Strafe von 14 Monaten ein. Sein Klient habe nur wenig kriminelle Energie aufwenden müssen, plädierte er. Zudem sei der genaue Deliktsbetrag bis heute unklar. Der Anwalt verwies zudem auf das lange Wohlverhalten des reumütigen Ersttäters seit der Untersuchungshaft. Er arbeite heute als zuverlässiger Chauffeur bei einer Gross-Bäckerei.

Dreistes und planmässiges Vorgehen

Das Gericht setzte eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten fest. Der Gerichtsvorsitzende Stephan Äschbacher sprach von einem dreisten und planmässigen Vorgehen des Beschuldigten. Er ging von einer egoistischen Motivlage aus. Allerdings lasse die glaubhafte Einsicht des Angeklagten auch hoffen, ergänzte Äschbacher. Ein Teil der noch nicht zugeordneten Beute werde im Amtsblatt ausgeschrieben, sagte er zum Schluss.

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