Aktualisiert 05.09.2006 19:33

Ex-Präsident des FC Wil: Fünf Jahre Zuchthaus

Das St. Galler Kantonsgericht hat die fünfjährige Zuchthausstrafe gegen den Ex-Präsidenten des FC Wil wegen Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung bestätigt.

Auch die Schadenersatzforderung der UBS gegen ihren ehemaligen Mitarbeiter über 51 Millionen Franken wurde geschützt. In einigen wenigen Aklagepunkten mit einer Deliktsumme von weniger als 70.000 Franken sei Andreas Hafen wegen Eintritts der Verjährung freigesprochen worden, teilte die Strafkammer des Kantonsgerichts am Dienstag mit.

Im Übrigen sei die Berufung des Ex-Präsidenten des Fussballclubs Wil abgewiesen worden. Dies bedeute, dass der erstinstanzliche Schuldspruch keine Änderung erfahren habe.

Die Strafkammer erachtete das von der Verteidigung gerügte psychiatrische Gutachten, das dem 44-jährigen Hafen für den Tatzeitraum volle Zurechnungsfähigkeit bescheinigt hatte, als taugliche Grundlage für die Strafzumessung und hat deshalb auch die vom Kreisgericht St. Gallen verhängte fünfjährige Zuchthausstrafe bestätigt. Die Schadenersatzforderung der Klägerin UBS über rund 51 Millionen Franken wurde ebenfalls bestätigt.

Das Berufungsgericht ist damit weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft gefolgt. Die Bank habe es dem ehemaligen Banker nach dem Vier-Augen-Prinzip nicht einfach gemacht, die Kontrollen zu unterlaufen. Mit ausgeklügeltem Vorgehen habe dieser vielmehr das Sicherheitssystem ausgehebelt und den Umstand genutzt, als Kadermitglied nicht kontrolliert zu werden, argumentierte der Staatsanwalt. Die Verteidigung hatte sich demgegenüber auf den Standpunkt gestellt, die Grossbank trage eine grosse Mitschuld, weil das Kontrollsystem total versagt habe. Sie forderte eine maximale bedingte Strafe von 18 Monaten Gefängnis wegen qualifizierter Veruntreuung.

Hafen hatte als Präsident des FC Wil rund elf Millionen Franken in die Clubkasse abgezweigt und den Provinzverein mit den angeblichen Sponsorengeldern in die Super League geführt. Weitere 38 Millionen Franken veruntreute er bei der UBS, um in den Jahren 2000 bis 2002 zwei Thurgauer Unternehmen vor dem Konkurs zu retten. Die Straftaten zu Ungunsten seiner früheren Arbeitgeberin reichen bis ins Jahr 1991 zurück. Hafen wurde im November 2002 an seinem Arbeitsplatz verhaftet und war sofort geständig. Während zehn Jahren hatte er die Gelder auf Konten fiktiver Kunden verschoben oder eigenmächtig die Kreditlimiten bestehender Bankkunden ausgeschöpft. (dapd)

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