Aktualisiert 17.09.2007 17:58

Ex-Premier Kasjanow will russischer Präsident werden

Der frühere russische Ministerpräsident Michail Kasjanow liegt bei den Vorwahlen des Oppositionsbündnisses Anderes Russland an der Spitze. Er gilt nun als wahrscheinlicher Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im März 2008.

Nach den Ergebnissen, die am Montag auf der Internetseite der Bewegung veröffentlicht wurden, setzte sich Kasjanow gegen den ehemaligen Schachweltmeister Garri Kasparow durch.

Der frühere Zentralbank-Präsident Viktor Geraschtschenko kam bei den in 30 Regionen abgehaltenen Vorwahlen auf den dritten Platz. Das Oppositionsbündnis will seinen Kandidaten bei einem Kongress im Herbst offiziell ernennen.

Wenig Chancen

Kasjanow, der während der ersten Amtszeit von Wladimir Putin als Ministerpräsident diente, wurde nach seiner Ablösung im Jahr 2004 zu einem erbitterten Gegner des Präsidenten. Der in Russland wenig beliebte Politiker gilt als Verbündeter der Oligarchen, die im Zuge der Privatisierung russischer Staatsbetriebe Anfang der 90er Jahre ein Vermögen machten.

Im Juli hatte Kasjanow angekündigt, das Oppositionsbündnis verlassen zu wollen, da es sich nicht auf seine Kandidatur einigen konnte.

Kasjanow werden als Kandidat der Opposition bei den Präsidentschaftswahlen kaum Chancen eingeräumt. Anderes Russland gilt als zersplitterte Bewegung, die wegen des harten Vorgehens der russischen Behörden gegen Oppositionelle in der Öffentlichkeit zudem kaum wahrgenommen wird.

Schirinowski präsentiert Lugowoi

Der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski präsentierte Andrej Lugowoi als Kandidaten seiner Partei für die Parlamentswahl im Dezember. Lugowoi ist der Hauptverdächtige im Mordfall Litwinenko.

Lugowoi sei auf Platz zwei der Liste eine personelle Verstärkung für seine Liberaldemokratische Partei (LDPR), sagte Schirinowski am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax auf dem Parteitag in Moskau. Die Nominierung sei ein Signal an den Westen. «Grossbritannien ist unser grösster Feind», ergänzte Schirinowski.

Grossbritannien hat die Auslieferung Lugowois beantragt, was Russland verweigert. Die Briten beschuldigen Lugowoi, Ende 2006 den Kremlkritiker Alexander Litwinenko mit radioktivem Polonium 210 vergiftet zu haben.

Lugowoi schloss nicht aus, auch bei der Präsidentenwahl im kommenden März kandidieren zu wollen. Neben Lugowoi nominierte Schirinowski sich selbst sowie seinen Sohn Igor als Spitzenkandidaten der LDPR für die Dumawahl.

Der russische Ex-Geheimdienstler und britische Staatsbürger Alexander Litwinenko war im vergangenen November an der Polonium- Vergiftung in London gestorben. Die britische Staatsanwaltschaft sieht Lugowoi als den Mörder Litwinenkos und hatte im Mai die Auslieferung gefordert. (sda)

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