Kolumbien: Ex-Regierungschef ausgewiesen
Aktualisiert

KolumbienEx-Regierungschef ausgewiesen

Kolumbien hat den von Serbien wegen Kriegsverbrechen gesuchten früheren Regierungschef des Kosovos, Agim Ceku, ausgewiesen. Zuvor allerdings war er Teilnehmer einer Konferenz - auf Einladung der Regierung.

Ceku sei vergangenen Sonntag auf Einladung der Regierung nach Kolumbien eingereist. Von Montag bis Mittwoch habe er an einer Abrüstungskonferenz in Cartagena teilgenommen, teilte der Geheimdienst DAS am Donnerstag mit.

Am Mittwochabend sei er abgeschoben worden und befinde sich auf dem Weg nach Kroatien, teilte DAS-Direktor Felipe Muñoz weiter mit. Trotz des Haftbefehls der serbischen Justiz sei Ceku nicht verhaftet worden, weil die ihm zur Last gelegten Taten vor dem 1. Januar 2005 geschehen sein sollen.

Erst zu diesem Datum war jedoch in Kolumbien ein Gesetz zur Regelung der Teilnahme des südamerikanischen Landes an Interpol in Kraft getreten. Ausserdem gebe es auch keinen von Interpol verbreiteten internationalen Haftbefehl.

Bedeutender Konferenzteilnehmer

Die Teilnahme Cekus an der Konferenz über die Entwaffnung illegaler Banden wie etwa Paramilitärs und Rebellen in Kolumbien sei «von grosser Bedeutung gewesen», sagte Kolumbiens Friedensbeauftragter, Frank Pearl.

Ceku wurde schon zweimal wegen der Vorwürfe der serbischen Justiz festgenommen, 2003 in Slowenien und im folgenden Jahr in Ungarn. Jedesmal kam er kurz danach wieder frei.

Serbien verfolgt auch die anderen beiden Kosovo-Spitzenpolitiker, den amtierenden Ministerpräsidenten Hashim Thaci sowie einen seiner Vorgänger, Ramush Haradinaj. Allen wirft sie «Völkermord und Terrorismus» vor.

Das fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich im Februar 2008 von Serbien getrennt und für unabhängig erklärt. Die grosse Mehrheit der EU-Länder, die Schweiz sowie die USA und Japan hatten Kosovo völkerrechtlich anerkannt. Serbien will Kosovo wieder in seinen Staatsverband eingliedern.

(sda)

Deine Meinung