Aktualisiert 22.09.2011 19:33

Libyen-KriegEx-Regierungschef in Tunesien festgenommen

Ein weiterer hoher Verbündeter Gaddafis wurde in Tunesien festgenommen. Unterdessen wurden im Tresor der Nationalbank 20,6 Milliarden Franken in Holzkisten entdeckt.

Der letzte libysche Premierminister unter Mummar Gaddafi, Al-Bagdadi Al-Mahmudi, wurde in Tunesien festgenommen.

Der letzte libysche Premierminister unter Mummar Gaddafi, Al-Bagdadi Al-Mahmudi, wurde in Tunesien festgenommen.

Der letzte Regierungschef des langjährigen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Al-Bagdadi Al-Mahmudi, ist in Tunesien festgenommen worden. Die Regierung in Tunis bestätigte am Donnerstag einen Bericht des Nachrichtensenders Al-Arabija.

Der Politiker wurde am Mittwoch an der Grenze zu Algerien nahe der Oasenstadt Tozeur in Tamaghza festgesetzt. Er sei bereits wegen illegalen Grenzübertritts zu sechs Monaten Haft verurteilt worden, sagte eine Sprecher des Justizministeriums. Mahmudi habe kein Visum gehabt.

Mahmudi war von März 2006 bis zum Sturz Gaddafis im August Generalsekretär der Allgemeinen Volkskomitees in Libyen. Dies entspricht dem Posten eines Premiers. Ausserdem stand er dem Staatsfonds Libyens vor. In der zweiten Augusthälfte hatte es Berichte gegeben, Mahmudi sei nach Tunesien geflohen.

Übergangsrat vermeldet Erfolge

Der Übergangsrat vermeldete von der Front in Libyen ebenfalls Erfolge. Seine Kämpfer hätten in den letzten drei Tagen die südliche Wüstenoase Dschufra eingenommen. Die dort gelegenen Städte Waddan, Hun und Sokna würden von ihren Kräften kontrolliert, sagte ein Sprecher des Übergangsrates in Tripolis.

Am Mittwoch hatte der Übergangsrat schon die Einnahme der Wüstenstadt Sebha vermeldet, die in der Nachbarregion von Dschufra in Zentrallibyen liegt. Sebha sei aber nicht vollständig unter der Kontrolle des Übergangsrates, schränkte der Sprecher ein. Wie er weiter erklärte, geht man auch Angaben nach, wonach Gaddafi aus Sebha geflohen sei.

Mit der Eroberung Dschufras wurde den Gaddafi-Getreuen, die in Sirte am Mittelmeer und in der Wüstenstadt Bani Walid Widerstand leisten, der Weg durch die Sahara in ein Exil in Westafrika abgeschnitten.

NATO sieht das Ende

Die Übergangsregierung kontrolliert den Grossteil Landes - auch dank der Unterstützung der NATO. Diese zeigte sich am Donnerstag zuversichtlich, ihren am Vortag um 90 Tage verlängerten Einsatz fristgerecht abschliessen zu können.

Die NATO hat ihre im März begonnenen Bombardements auch nach dem Sturz Gaddafis vor einem Monat fortgesetzt. NATO-Kommandant Charles Bouchard sagte, die Angriffe würden so lange fortgesetzt, wie eine Gefahr für die Zivilbevölkerung bestehe. Er rief die Gaddafi- Loyalisten zur Aufgabe auf.

Milliarden aus Gaddafis Schatulle entdeckt

Die neuen Machthaber in Libyen durften sich diese Woche auch über einen unverhofften Geldsegen freuen. In den Tresoren der Nationalbank lagern in Holzkisten libysche Dinare im Wert von umgerechnet 20,6 Milliarden Franken.

Mit dem Geld könnten die Ausgaben in den kommenden sechs Monaten finanziert werden, zitierte die «Financial Times» am Donnerstag den Finanzbeauftragten des Übergangsrates, Wafik Schater. Das Geld soll nirgendwo verbucht gewesen sein.

Auch aus Europa dürfte bald Geld eintreffen: Die EU gab am Donnerstag weitere eingefrorene libysche Vermögen frei, darunter die Guthaben der Zentralbank, des staatlichen Investitionsfonds sowie zweier Firmen aus dem Ölsektor. Zudem erlaubte die EU libyschen Flugzeugen wieder, den Luftraum sowie die Flughäfen auf ihrem Territorium zu nutzen.

Dschibril bleibt Regierungschef

Aus Kreisen des Übergangsrates verlautete, man habe beschlossen, die Namen der Minister der neuen Übergangsregierung erst nach der «vollständigen Befreiung» bekanntzugeben. Die Regierung sei aber gebildet.

In der vergangenen Woche hatte es Streit über die Besetzung der Ministerposten gegeben. Vor allem der Posten von Mahmud Dschibril als Ministerpräsident war umstritten.

Nun soll Dschibril seinen Posten behalten. Zudem soll das Kabinett 22 Minister erhalten. Der normalerweise gut informierte Betreiber einer Website sagte, Dschibril sei bei den Libyern zwar nicht sehr beliebt. Doch die frühere Opposition wolle keine Spaltung riskieren.

(sda)

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