Klimastrategie: Ex-Spitzenbeamter warnt vor Atomausstieg
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KlimastrategieEx-Spitzenbeamter warnt vor Atomausstieg

Eduard Kiener, Ex-Direktor des Bundesamts für Energie, kritisiert die Energiestrategie 2050 des Bundesrates. Er fordert, den Atomausstieg abzubrechen.

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num
Das Kernkraftwerk Mühleberg an der Aare.

Das Kernkraftwerk Mühleberg an der Aare.

Eduard Kiener (76) war während 24 Jahren bis 2001 Chef des Bundesamts für Energie. Er kritisiert die Energiestrategie 2050 in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» scharf. Dabei ist Kiener nicht allein: Zusammen mit 600 Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Industrie fordert er die Politik auf, die Übung abzubrechen.

Kiener unterstützt zwar den Ausbau der erneuerbaren Energien, allerdings nicht mit dem Fördersystem der kostendeckenden Einspeisevergütung. Er sagt: «Die Politiker in der Schweiz nehmen die gravierenden negativen Erfahrungen in Deutschland nicht ernst.» Dort belaste die massive Förderung des Wind- und Fotovoltaikstroms die Stromkonsumenten mit über 20 Milliarden Euro jährlich und stelle zudem den ganzen Strommarkt auf den Kopf.

Vertretbares Risiko

Kiener spricht gar davon, dass die Schweiz eine weitere Nutzung der Kernenergie davor bewahren würde «ethisch bedenklich» zu handeln. Grund: Da in absehbarer Zeit keine Gaskraftwerke gebaut werden könnten, müsste sie den fehlenden Strom importieren, der aus nuklearer oder fossiler Erzeugung stammt. Kiener: «Die Schweiz konsumiert also Strom aus Anlagen, die sie selber nicht will. Und exportiert die Risiken sowie die Klima- und Umweltbelastung.»

Er halte bei der Kernkraft das Risiko auch nach Tschernobyl und Fukushima für vertretbar. Für die Zukunft entscheidend sei der Ersatz der fossilen Energien. Die Verbrennung von Öl, Gas und vor allem Kohle würden Klima und Umwelt schädigen.

Bürgerliche Parteien in der Pflicht

Sein Vorschlag: «Wir müssen die erneuerbaren Energien fördern, jedoch mit einer direkten Subventionierung der verschiedenen Technologien.» Erfolge die Förderung weiter ohne Rücksicht auf die Marktkräfte, scheitere die Energiewende, warnt der ehemalige Spitzenbeamte.

Er sehe laut dem «Tages-Anzeiger» die Wirtschaft sowie die bürgerlichen Parteien in der Pflicht, das Referendum gegen die Vorlage zu ergreifen. Die «politische Ehrlichkeit» verlange, das Abstimmungsrisiko in Kauf zu nehmen.

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