Gefängnis Thorberg: Ex-Sträfling verklagt Pfarrer
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Gefängnis ThorbergEx-Sträfling verklagt Pfarrer

Ein 80-jähriger Pfarrer und dessen Frau müssen vor Gericht. Sie sollen eine Berufs- und Amtsgeheimnisverletzung begangen haben. Damit halfen sie, einen mutmasslichen Räuber zu fassen.

von
ber
Ein ehemaliger Thorberg-Seelsorger und seine Ehefrau müssen vor Gericht: Sie hätten Geheimnisse über einen Ex-Sträfling ausgeplaudert.

Ein ehemaliger Thorberg-Seelsorger und seine Ehefrau müssen vor Gericht: Sie hätten Geheimnisse über einen Ex-Sträfling ausgeplaudert.

Keystone/Lukas Lehmann

Rund sieben Jahre lang betreuten sie ihn im Gefängnis. Und auch nach dessen Entlassung hielten der ehemalige Seelsorger des Gefängnisses Thorberg und seine Frau den Kontakt zum heute 54-Jährigen aufrecht.

Mittlerweile ist das Ehepaar pensioniert und der Ex-Sträfling beging mutmasslich wieder ein Verbrechen. Und nun müssen sich auch die betagten Pfarrers-Leute vor Gericht verantworten: Sie hätten Dinge ausgeplaudert, was gegen ihr Berufs- und Amtsgeheimnis verstiessen, so die Anklage. Der Kläger ist der Ex-Sträfling und mutmassliche Räuber von damals.

Frau überfallen, gefesselt und beraubt

Im Mai 2017 suchte die Kantonspolizei Zürich nach einem flüchtigen Mann, der in Dietikon eine Frau überfallen, gefesselt und beraubt hatte. Der mutmassliche Täter dürfte gewaltbereit und bewaffnet sein, schrieb die Kapo damals und veröffentlichte ein Foto von ihm.

Um die Fahndung voranzutreiben, nahm die Polizei Kontakt mit dem ehemaligen Seelsorger der Strafanstalt Thorberg und dessen Frau auf. Es war bekannt, dass die beiden sowohl mit dem Gesuchten zusammen gearbeitet als auch privaten Kontakt zu ihm hatten.

«Ich habe eine Güterabwägung gemacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich wegen der gravierenden Delikte, die dem Gesuchten vorgeworfen werden, der Polizei Auskunft gebe», erklärt der 80-Jährige Pfarrer gegenüber dem «Bund» die damalige Situation.

«Informationen als Privatmann erhalten»

Für Aussagen über das Betreuungsverhältnis und die Herausgabe eines psychiatrischen Gutachtens aus den 80er-Jahren soll das Ehepaar nun wegen Amts- und Berufsgeheimnisverletzung verurteilt werden.

Jedoch betont der Geistliche: Die meisten Informationen, die er gegenüber der Polizei Preis gegeben habe, seien solche, die er als Privatmann und nicht in Verbindung mit seinem Beruf erhalten habe.

«Ausserdem habe ich mich im Nachhinein von der Berner Polizeidirektion vom Amts- und Berufsgeheimnis entbinden lassen», beteuert der Ex-Seelsorger. Das war aber anscheinend zu spät.

Der Staatsanwalt verlangt für den Mann eine bedingte Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 100 Franken, für die Frau eine solche von 30 Tagessätzen. Zudem sollen sie je 1100 Franken für die Untersuchung bezahlen. Der Prozess findet am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Zürich statt.

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