Universität Genf: Ex-Student droht Dozent mit Islamisten-Videos

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Universität GenfEx-Student droht Dozent mit Islamisten-Videos

Ein Mann hat einem Uni-Dozenten mit dem Tod gedroht. Er war überzeugt, dieser habe Teile seiner Masterarbeit unrechtmässig verwendet. Jetzt sitzt er in Haft.

von
vro
Der Ex-Student der Uni Genf drohte seinem ehemaligen Dozenten mit dem Tod.

Der Ex-Student der Uni Genf drohte seinem ehemaligen Dozenten mit dem Tod.

Ein 32-jähriger Biologe aus Frankreich droht mehreren Dozenten und Professoren mit dem Tod: Dafür sitzt er jetzt in Haft. Begonnen hat alles mit einem Plagiatsvorwurf seitens des Biologen, der vor einigen Jahren seinen Abschluss an der Uni Genf gemacht hat. Er behauptete, ein Dozent der wissenschaftlichen Fakultät habe Aussagen zu einem Gedankenexperiment aus seiner Masterarbeit kopiert, berichtet die «Tribune de Genève». Deshalb schickte er dem Dozenten E-Mails mit Beleidigungen und Drohungen.

Die Universität reagierte darauf und liess den Fall von einer Kommission untersuchen. Weil der Mann dennoch weiterhin Drohmails verschickte, wurde gleichzeitig die Polizei eingeschaltet. Sie stellte ihn zur Rede und nahm ihm eine Entschuldigung und das Versprechen ab, die Drohungen sein zu lassen. Daran hielt er sich jedoch nur kurze Zeit. Wenig später kam die Komission nämlich zum Schluss, dass die Vorwürfe gegen den Dozenten haltlos seien. Das Dossier, in dem die Kommission dies festhielt, wurde dem Universitätsdekan überreicht.

Computer und Waffe sichergestellt

Als der Biologe von diesem Ergebnis in Kenntnis gesetzt wurde schickte er dem Dekan ein wütendes Mail. Die Nachricht ging auch an zwei Professoren aus Freiburg und Paris, die beide im Komitee gesessen hatten. Der Ex-Student hängte seiner zornigen Botschaft zudem zwei Videos an, die bei den Verantwortlichen der Universität Besorgnis auslösten. Sie zeigten zwei islamistische Terroristen, die nach ihren Verbrechen in Frankreich von der Polizei getötet worden waren.

Diese Nachricht ging am 8. Oktober ein. Einen Tag darauf sollte an der Uni der Dies Academicus, ein akademischer Feiertag, stattfinden. Um einen möglichen Amoklauf zu verhindern postierte die Polizei gar Beamte auf dem Uniareal. Der Verdächtige tauchte jedoch nicht auf.

Schliesslich wurde der 32-Jährige verhaftet. Bei einer Hausdurchsuchung wurden der Computer und eine Waffe des Mannes sichergestellt. Ob er tatsächlich einen Amoklauf geplant hatte, ist noch Gegenstand der Ermittlungen.

Dozent stellte Gedankenexperiment nach

Der Mann wurde ins Genfer Gefängnis Champ-Dollon gebracht. Bis mindestens 21. November sitzt er dort in Untersuchungshaft. Der Vorwurf: Drohung, versuchte Nötigung, Schreckung der Bevölkerung und Telefonbelästigung. Laut seinem Anwalt ist er einsichtig und bereut seine Taten.

Auf Seiten der Kläger sieht die Sache jedoch anders aus. Der Anwalt des Dozenten bestätigt der Zeitung, dass sein Mandant mehrfach Morddrohungen erhalten hat. Zudem liefert er eine Erklärung, weshalb der arbeitslose Biologe seinem Dozenten gedroht hat: «Mein Klient hat die Masterarbeit des Beschuldigten betreut. Dieser hat die Arbeit erfolgreich abgeschlossen. Später schrieb mein Klient einen Artikel für eine wissenschaftliche Zeitschrift, in dem er die Masterarbeit zitierte. Er hat das Gedankenexperiment im Labor wiederholt und sich an die Regeln gehalten. Doch der Beschuldigte war plötzlich davon überzeugt, dass man seine Arbeit unrechtmässig verwendet hat. Das hat die internationale Expertenkommission widerlegt.»

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