Aktualisiert 23.11.2009 23:46

Anti-Minarett-InitiativeEx-SVPler: «Schweiz braucht mehr Moscheen»

Daniel Streich, Militärinstruktor und bis vor Kurzem SVP-Politiker in Bulle, ist aus der Partei ausgetreten. Grund: Er ist zum Islam konvertiert. Zwei Jahre lang verheimlichte er dies seiner Ex-Partei. Jetzt - mit der «Hetzjagd gegen den Islam» - wurde die Situation für ihn untragbar.

von
dp

Er war ein treuer SVPler und Christ, las die Bibel und besuchte regelmässig die Kirche. Nun liest der Militärinstruktor und Gemeinderat von Bulle, Daniel Streich, den Koran, betet fünfmal täglich und geht in die Moschee. «Der Islam bietet mir logische Anworten auf wichtige Lebensfragen, die ich im Christentum nicht abschliessend fand», sagt Streich.

Weil er die «Hetzjagd der SVP gegen den Islam» nicht länger aushielt, ist Streich vor gut zwei Wochen aus der Partei ausgetreten und hat sich öffentlich zum Islam bekannt – zwei Jahre nach seinem Übertritt. Nun beteiligt er sich am Aufbau der neuen BDP-Partei im Kanton Freiburg. Der ehemalige Kirchenbeauftragte ist vehement gegen die Anti-Minarett-Initiative: «Würde die Initiative angenommen, wäre das ein abso­luter Tiefschlag für mich. Ich müsste mich dann fragen, warum ich mich seit über 30 Jahren beruflich und politisch für diesen Staat eingesetzt habe.» Die Schweiz brauche im Gegenteil dringend mehr Moscheen. «Es ist der Schweiz nicht würdig, dass Moslems in Hinterhöfen ihren Glauben ausüben müssen.»

Bei der SVP sind die Reak­tionen gemischt: «Jeder kann das glauben, was er will», sagt Generalsekretär Martin Baltisser. Weniger freundlich reagiert SVP-Nationalrat Alfred Heer (siehe Box). Politologe Georg Lutz: «Die SVP und der Islam stehen sich näher als man denkt: Beide verteidigen ein konservatives Weltbild.» (dp/20 Minuten)

Alfred Heer: Angst vor Konvertit Streich?

Dass der zum Islam konvertierte Daniel Streich als Berufsmilitär tätig ist, gibt gewissen Politikern zu denken: «Das könnte ein Sicherheitsrisiko für den Staat sein. Man hat ja gesehen, was in den USA passiert ist», sagt SVP-Nationalrat Alfred Heer unter Verweis auf den Amoklauf eines muslimischen Militärpsychiaters auf dem Militärstützpunkt Fort Hood. Dazu Armee-Sprecher Christoph Brunner: «Das ist ein absurder Vorwurf.» Das Schweizer Militär sei konfessionell neutral. Brunner: «Es ist völlig irrelevant, welcher Religion unsere Mitarbeiter angehören.» Es gehe um die Leistung und nicht um den Glauben.

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