Analyse: Ex-UBS-Chef Rohner in London demontiert
Aktualisiert

AnalyseEx-UBS-Chef Rohner in London demontiert

Showdown am zweiten Tag des UBS-Hearings: Britische Parlamentarier nahmen den ehemaligen CEO Marcel Rohner in die Mangel. Er schlug sich mehr schlecht als recht und verlor sich in Details.

von
Lukas Hässig
Marcel Rohner war zwischen 2007 bis 2009 Chef der Grossbank UBS.

Marcel Rohner war zwischen 2007 bis 2009 Chef der Grossbank UBS.

Am besten meinte es Marcel Rohner. Doch mit seiner Strategie schnitt der einstige UBS-CEO am schlechtesten ab. Während seine Ex-Kollegen am Parlaments-Hearing in London zu den UBS-Verfehlungen einsilbig antworteten, kam Rohner vom Hundertsten ins Tausendste.

Die harten Fragen aber, warum Rohner als langjähriger Spitzenmanager der Schweizer Bank nichts vom Libor- und den übrigen Skandalen mitgekriegt haben will, konnte der Aargauer nicht beantworten. Am Ende führte das zu einem vernichtenden Fazit der englischen Untersuchungskommission. Rohner und seine Kollegen seien nicht nur untaugliche Spitzen-Manager gewesen, sondern hätten ihren Job sogar fahrlässig erledigt.

Das Verdikt wiegt schwer. Für den 48-jährigen Rohner ist es der Tiefpunkt einer Karriere, die vom Wirtschaftsstudium gradlinig und schnell an die Spitze einer der weltgrösste Banken geführt hatte, um dort im scharfen Sinkflug im Desaster zu enden. So geht Rohner als ein Banker in die Annalen ein, der es dank Unterstützung seines Mentors Marcel Ospel ganz nach oben schaffte, um dann in der grossen Krise zu scheitern.

In die Enge gedrängt

Woran es Rohner zu seiner Aktivzeit als Spitzenmanager gefehlt hat, kam am Donnerstag beim Hearing vor den Parlamentariern eindrücklich zum Vorschein. Rohner hatte für alles lange Erklärungen, kam aber nicht auf den Punkt und wusste nicht, wann es besser gewesen wäre zu schweigen.

Im Kreuzverhör wurde dieser Eindruck offensichtlich, als der Vorsitzende Rohner mit einer Präsentation in die Enge drängte. Diese hatte Rohner vor fünf Jahren in London vor Investoren vorgetragen. Immer wieder wollte der Vorsitzende der Engländer vom Schweizer wissen, was dieser am damaligen Investorentreffen als einziges «Wachstumsgeschäft mit wachsenden Margen» bezeichnet habe.

Rohner suchte nach Worten, verlor sich in Nebensächlichkeiten, berief sich darauf, nicht mehr alles präsent zu haben. Als er Rohner auf diese Weise dramaturgisch geschickt in die Enge gedrängt hatte, holte der Vorsitzende zum K.O.-Schlag aus. Auf seiner Präsentation habe Rohner als einziges «Wachstumsgeschäft mit wachsenden Margen» aufgeführt: Structured Libor.

Structured Libor als Explosiv-Torpedo

Schlimmer hätte es nicht werden können. Ausgerechnet das Geschäft mit dem Referenzzinssatz, bei dem die UBS zur CEO-Zeit von Rohner massiv betrogen hatte und für das die Bank vor Monatsfrist 1,4 Milliarden Ablass zahlen musste, war für den einstigen UBS-Musterschüler damals als Schlüssel zum Erfolg bezeichnet worden.

Das bisher unbeachtet gebliebene Detail in der riesigen Aufarbeitung des Libor-Skandals könnte für Rohner zum explosiven Torpedo werden. Es besagt selbstverständlich nicht, dass Rohner von den Betrügereien um den Libor etwas gewusst haben musste. Aber es ist ein starkes Indiz für die These, dass Rohner und sein Management, von dem am Donnerstag weitere Kollegen anzutraben hatten, in ihren Jobs auf sträfliche Art und Weise versagten.

«Negligence» – Fahrlässigkeit – lautete am Ende der Veranstaltung das Schlüsselwort. Darauf ritten die englischen Untersucher herum, dieses blieb in der Luft des Sitzungssaals hängen. Es handelt sich dabei um einen rechtlichen Begriff. Fahrlässigkeit, insbesondere grobe Fahrlässigkeit, sind zivilrechtlich ein grosses Thema. Dort geht es nicht um Gefängnis, sondern Schadenersatz.

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