18.07.2016 21:29

Bezirksgericht Meilen

Ex-Videotheken-König verklagt Ex wegen Gewalt

Laut Anklage hat eine Restaurantfachfrau ihren Chef, einen Videotheken-König aus Meilen, bedroht, gekratzt, gebissen und geschlagen. Nicht zu beweisen, befand das Gericht.

von
A. Szenogrady
Eine 37-Jährige wurde am Montag vor dem Bezirksgericht Meilen wegen häuslicher Gewalt freigesprochen.

Eine 37-Jährige wurde am Montag vor dem Bezirksgericht Meilen wegen häuslicher Gewalt freigesprochen.

Kein Anbieter/Stefan Hohler/Tages-Anzeiger

Harte Zeiten für einen ehemaligen Zürcher Videotheken-König aus Meilen. Der heutige Gastrounternehmer hat infolge der digitalen Revolution nicht nur sein Video-Imperium verloren, sondern ist am Montag auch einer Ex-Freundin vor dem Bezirksgericht Meilen unterlegen. So wurde die Deutsche (37) von den Vorwürfen der Drohung sowie Tätlichkeiten freigesprochen. Zulasten des Kaufmanns (57), der weder eine Prozessentschädigung noch ein Schmerzensgeld von 1000 Franken erhält.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft See/Oberland ging auf den 6. Januar 2014 zurück. Damals hielt sich die Beschuldigte in der Villa ihres Freundes in Meilen auf. Um 22 Uhr kam es gemäss Anklage zu einem heftigen Streit. Dabei drohte die Restaurant-Fachfrau ihrem damaligen Arbeitgeber, dass sie ihn fertigmachen werde und sie ihn besser umgebracht hätte.

Unbedingte Geldstrafe verlangt

Dann ging die Frau laut Anklage auf ihren Partner auch tätlich los, indem sie ihn zuerst an der linken Brustseite, am linken Oberarm sowie am Nacken kratzte. Worauf sie ihn in den linken Arm biss, ihn mit ihren Händen schlug und ihren Füssen trat. Als sie von ihm endlich abliess, hatte er neben einer Bisswunde diverse Kratzspuren und starke Schmerzen erlitten.

Kurz danach trennte sich das Paar. Der Gastrounternehmer zeigte seine Ex-Partnerin an. Bei Schuldsprüchen des Bezirksgerichts Meilen hätte sie neben einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 30 Franken sowie mit einer Busse von 500 Franken rechnen müssen. Hinzu kam der Widerruf einer einschlägigen Vorstrafe. So wurde die Frau bereits im September 2013 per Strafbefehl nach einem körperlichen Angriff auf den Geschädigten zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 30 Franken verurteilt.

Privatkläger nicht erschienen

Vor Gericht stritt die Beschuldigte unter Tränen alles ab. Sie habe sich zur Tatzeit nicht einmal in Meilen aufgehalten. Ihr Ex wolle sie einfach nur fertigmachen. Die festgehaltenen Verletzungen habe sich der Privatkläger vielmehr bei einem Streit mit seiner aufmüpfigen Tochter zugezogen. «Fang nie etwas mit deinem Chef an», sagte sie und blickte auf eine schwierige, vierjährige Liebesbeziehung zurück.

Gegen die Beschuldigte sprachen nicht nur die einschlägige Vorstrafe, sondern auch die Aussagen der Tochter des Geschädigten. So hatte die Schülerin bestätigt, dass die ihres Erachtens angsteinflössende Deutsche ihren Vater attackiert habe. Doch der Privatkläger hatte den kapitalen Fehler begangen, nicht am Prozess selber zu erscheinen oder einen Rechtsvertreter zu schicken.

Umfassender Freispruch

Zum Schluss kam das Gericht auch zu einem umfassenden Freispruch. Die Richterin führte aus, dass es grundsätzlich zwischen den beteiligten Parteien immer wieder zu heftigen Streitereien sowie Handgreiflichkeiten gekommen sei. Ebenso sei erstellt, dass sich die Beschuldigte zur Tatzeit am Wohnort des Geschädigten aufgehalten habe.

Hingegen seien weder die Drohung noch nicht die Tätlichkeiten nachgewiesen, so die Richterin. Die Tochter habe als Zeugin ungenau ausgesagt. Die Verletzungen des Unternehmers seien zwar durch die Fotos belegt. Es lasse sich aber nicht verifizieren, von wem und von wann die Blessuren stammten.

Die Beschuldigte nahm den Freispruch zunächst mit grosser Erleichterung entgegen. Als sie dann erfuhr, dass ihr Ex-Freund den Fall an das Obergericht weiterziehen kann, brach sie erneut in Tränen aus. «Das wird er bestimmt tun», sagte sie und heulte auch noch vor dem Gerichtsgebäude weiter.

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