Aktualisiert 07.04.2005 16:53

Ex-Vopo verkaufte Polizei-Festplatten

Ein ehemaliger DDR-Volkspolizist hat die von einem Studenten bei Ebay ersteigerte Festplatte der Brandenburger Polizei gestohlen und verkauft.

Der jetzige Polizeiangestellte habe insgesamt sieben Datenträger mit teils streng geheimen Informationen entwendet und im Internet angeboten, sagte Landesinnenminister Jörg Schönbohm am Donnerstag in Potsdam. «Es handelt sich um einen Einzeltäter, das ist sicher», erklärte der CDU-Politiker. Dem Mann wurde gekündigt.

Der 45-jährige Angestellte des mittleren Polizeidienstes war bei den illegalen Geschäften auf das Geld aus, wie Schönbohm sagte. Deshalb habe er die Festplatten deutschlandweit per Ebay angeboten. Der Mann arbeitete dem Minister zufolge in einem verschlossenen Lager der Zentralen Dienste der Polizei in Wünsdorf südlich von Potsdam. Dort werden die jährlich 800 bis 1.200 ausrangierten Festplatten aus Polizeicomputern aufbewahrt, bis sie gelöscht und verkauft werden. «Von dort hat er sie entwendet und vermarktet», erklärte Schönbohm.

Der Verdächtige sei geständig, hiess es. Zuvor seien bei einer Wohnungsdurchsuchung Hinweise auf die Straftaten entdeckt worden. Die Kriminalpolizei war dem seit 1982 bei der Polizei Arbeitenden über eine Anfrage bei Ebay auf die Schliche gekommen. Ausserdem meldete sich der Potsdamer Student im Ministerium, der Anfang März eine der Festplatten für knapp 20 Euro ersteigert hatte. Er ist der einzige Gewinner des Geschäftes: Für seine Hinweise erhält er eine Belohnung von 2.000 Euro.

Laut Schönbohm war der mutmassliche Dieb nicht an den gespeicherten vertraulichen Daten interessiert. Darunter befanden sich interne Alarmpläne für Geiselnahmen oder Entführungen, Namenslisten für Krisenstäbe, Einsatzbefehle und Lagebilder über die sicherheitspolitische Situation im Land. «Der Student hat versichert, dass die Informationen nicht weiter verwertet werden», erklärte der Minister. Drei der insgesamt sieben gestohlenen Laufwerke müssen jedoch noch überprüft werden. Über deren Inhalt konnte Schönbohm zunächst nicht sagen. Zwei andere seien kaputt, auf einer dritten habe sich nichts vertrauliches befunden.

Schönbohm räumte Versäumnisse bei der Lagerung ausrangierter Datenträger ein. «Wir müssen prüfen, inwieweit wir die Sicherheit verbessern können.» Er betonte, mit der seit Jahresbeginn in Brandenburg angewandten Weiterverwertung ausrangierter Festplatten habe die Panne nichts zu tun. Dies war nach deren Bekanntwerden am vergangenen Wochenende zunächst vermutet worden.

Bis Ende 2004 waren alte Polizei-Festplatten nach dem Gebrauch geschreddert worden. Seit Januar 2005 werden sie dagegen mit einem vom Bundesamt für Datensicherheit lizenzierten Programm gelöscht und weiterverkauft. Dazu sei auf Empfehlung des Bundesinnenministeriums eine externe Firma beauftragt worden, erklärte Schönbohm. Deren Verfahren sei sicher und werde europaweit angewandt. (dapd)

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