Wahlen in Peru: Ex-Wallstreet-Banker wird neuer Präsident
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Wahlen in PeruEx-Wallstreet-Banker wird neuer Präsident

Nach vier Tagen ist die Auswertung der Stimmzettel in Peru zu Ende. Pedro Pablo Kuczynski jubelt. Er erhält 50,1 Prozent der Stimmen. Seine Rivalin räumt die Niederlage noch nicht ein.

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foa
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50,1 gegen 49,9 Prozent aller Stimmen: Präsidentschaftskandidat Pedro Pablo Kuczynski feiert bei der Pressekonferenz in Lima, Peru, seinen hauchdünnen Sieg.  (9. Juni 2016)

50,1 gegen 49,9 Prozent aller Stimmen: Präsidentschaftskandidat Pedro Pablo Kuczynski feiert bei der Pressekonferenz in Lima, Peru, seinen hauchdünnen Sieg. (9. Juni 2016)

Keystone/AP Photo/Silvia Izquierdo
Seine starke Rivalin Keiko Fujimori hat bislang ihre Niederlage nicht eingestanden. Sie ist die Tochter des inhaftierten ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori. (8. Juni 2016)

Seine starke Rivalin Keiko Fujimori hat bislang ihre Niederlage nicht eingestanden. Sie ist die Tochter des inhaftierten ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori. (8. Juni 2016)

Keystone/AP Photo/Martin Mejia
Pedro Pablo Kuczynski ist ein ehemaliger Weltbank-Ökonom. Mit seinen 77 Jahren wäre der Sohn eines jüdisch-polnischen Einwanderers Perus bislang ältester Präsident.

Pedro Pablo Kuczynski ist ein ehemaliger Weltbank-Ökonom. Mit seinen 77 Jahren wäre der Sohn eines jüdisch-polnischen Einwanderers Perus bislang ältester Präsident.

Keystone/EPA/Ernesto Arias

Der frühere Weltbank-Ökonom Pedro Pablo Kuczynski hat bei der Stichwahl um die Präsidentschaft in Peru die meisten Stimmen erhalten. Wie die peruanischen Wahlbehörden nach tagelanger Auswertung der Wahlzettel mitteilten, lag der Wirtschaftsfachmann nach Auszählung aller Stimmen mit minimalem Vorsprung vor seiner Widersacherin Keiko Fujimori. Seine Rivalin hat ihre Niederlage bislang noch nicht eingestanden.

Vier Tage nach der Stichwahl am Sonntag teilte der Wahlausschuss mit, dass Kuczynski 50,1 Prozent der Stimmen erzielt habe. Fujimori lag bei 49,9 Prozent. Solch ein enges Ergebnis gab es in Peru seit 1962 nicht mehr. Damals folgte ein Militärputsch auf die Abstimmung.

«Im Namen von ganz Peru»

Vor dem Hauptquartier des Wahlkampfteams von Kuczynski brach nach der Verkündung Jubel aus. Der Kandidat selbst dankte der Bevölkerung in einer kurzen Nachricht auf Twitter. «Jetzt ist es Zeit, für die Zukunft unseres Landes zusammenzuarbeiten», schrieb er.

Später sagte er vor seinen Anhängern, Peru stehe vor grossen Herausforderungen. «Wir sollten Dialog nicht mit Schwäche verwechseln», erklärte er. «Wir werden entscheidend sein, aber wir werden im Namen von ganz Peru arbeiten, weil viele Peruaner das Gefühl haben, der Zug wäre ohne sie abgefahren. Wir wollen alle an Bord haben.»

173 Strichlisten als letzte Hoffnung

Obwohl Kuczynski bereits die Glückwünsche anderer Präsidenten aus Lateinamerika erhielt, wollte Fujimoris Wahlkampfteam die Niederlage zunächst nicht eingestehen. Der Kongressabgeordnete und Fujimori-Berater Pedro Spadaro sagte, man warte darauf, dass der nationale Wahlausschuss einen Sieger verkünde. Erst dann werde man eine Niederlage einräumen.

Fujimoris letzte Hoffnung liegt in rund 173 handgeschriebenen Strichlisten, die knapp 50 000 Stimmen aufgezeichnet haben. Diese Dokumente wurden zur Nachprüfung zum Wahlausschuss geschickt. Fujimoris Seite spricht von Unregelmässigkeiten bei der Wahl. Unter anderem sollen in einigen Wahllokalen mehr Wahlzettel gezählt worden sein, als es überhaupt registrierte Wähler gegeben habe. Entgegen den Wahlgesetzen hätten Freiwillige von Kuczynski in Abgabezentren gearbeitet.

Experten sagen allerdings, dass es für Fujimori so gut wie unmöglich ist, ihren Rückstand von knapp 40 000 Stimmen aufzuholen.

Skandale minderten Vorsprung

Fujimori, die Tochter des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori, war als Favoritin in die Stichwahl gegangen. Die erste Wahlrunde am 10. April hatte sie noch klar gewonnen. Die absolute Mehrheit verfehlte sie aber.

Ihr Vorsprung war auch wegen mehrerer Skandale in ihrer Partei Fuerza Popular geschmolzen. Ausserdem hatte sich die in der ersten Runde drittplatzierte Kandidatin Veronika Mendoza hinter Kuczynski gestellt. Die Fuerza Popular hat im Parlament eine Mehrheit von 73 der 130 Sitze, Kuczynskis Partei hat dagegen nur 18 Mandate.

Kuczynski wäre ältester Präsident

Der zu 25 Jahren Gefängnis verurteilte Alberto Fujimori hatte Peru von 1990 bis 2000 regiert. Er wurde schuldig gesprochen, den Einsatz von Todesschwadronen genehmigt zu haben. Seine Tochter versprach im Wahlkampf, ihren Vater nicht zu begnadigen, falls sie zur ersten Präsidentin Perus gewählt werden sollte.

Kuczynski wäre mit 77 Jahren Perus bislang ältester Präsident. Der Sohn eines jüdisch-polnischen Einwanderers hatte bereits in den 60er Jahren ein öffentliches Amt inne, wurde dann aber durch einen Militärputsch ins Exil in den USAgetrieben. Dort arbeitete er bei der Weltbank und machte Karriere in derWirtschaft. Er war bereits zweimal peruanischer Finanzminister sowie einmal Regierungschef. (foa/sda)

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