Aktualisiert 18.12.2008 16:22

UrteilsverkündungEx-Wetterfee kassiert sieben Jahre Gefängnis

Die Ex-Wetterfee von «Telebasel» hat die Grossmutter ihres Ex-Freundes vorsätzlich getötet. Das Baselbieter Strafgericht verurteilte die 34-Jährige zu sieben Jahren Haft. Die Frau nahm das Urteil emotionslos zur Kenntnis.

Emotionslos sass die Angeklagte im Gerichtssaal. Emotionslos nahm sie auch das Urteil zur Kenntnis, das heute gegen sie ausgesprochen wurde: Sieben Jahre Gefängnis und ausserdem eine ambulante psychiatrische Behandlung. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die heute 34-Jährige vor zwei Jahren in Allschwil die 81-jährige Grossmutter ihres Ex-Freundes erdrosselt hat.

Die Urteilsbegründung

Wie Gerichtspräsidentin Irene Läuchli an der Urteilseröffnung in Liestal darlegte, liegt beim Verbrechen vom 30. Dezember 2006 in Allschwil objektiv wie subjektiv eine vorsätzliche Tötung vor. Eine Tötung auf Verlangen, wie sie die Angeklagte geltend mache, sei weder von Anklage noch Verteidigung anerkannt worden. Die damals 32-Jährige habe aber unter sehr schwerem psychischem Druck und einer chronischen psychischen Belastung gehandelt. In der Psychiatrie spreche man von einer «mittelgradigen depressiven Episode», wie sie bei grossem Liebeskummer oder Trennungsschmerz vorkommen könne. Eine schwere Depression liege nicht vor, eine leicht verminderte Zurechnungsfähigkeit sei aber gegeben.

Laut Läuchli sprechen die Umstände in dem nicht restlos geklärten Tatablauf insgesamt gegen Mord, obwohl die Art der Tatausführung durchaus Mordelemente aufweise. Mit sieben Jahren Freiheitsstrafe abzüglich Untersuchungshaft sei denn auch die Strafe an der oberen Grenze für vorsätzliche Tötung angesetzt. Dazu kommt eine ambulante psychiatrische Therapie.

Ein skrupelloses Handeln, Habgier, Rache oder Gefühlskälte können laut Läuchli aber nicht bestätigt werden. Gegen Mord spreche zudem der Umstand, dass die fünf Schläge mit dem Hammer und einer Racletteplatte aus Speckstein mit «mittlerer Wucht» ausgeführt worden seien. Die Verwundungen des Opfers, das schliesslich erdrosselt wurde, wären laut Läuchli heilbar gewesen. Bei der Täterin habe offensichtlich eine Hemmung bestanden. Heimtücke sei zu verneinen. Die von der Angeklagten nach der Tat geschluckten Medikamente hätten dagegen laut Läuchli zum Tode führen können. Dass es ihr mit dem «erweiterten Suizid» Ernst gewesen sei, zeigten auch die Selbstverletzungen. So hatte sich die Täterin die beiden Handgelenke auf- und eine Achillessehne durchgeschnitten.

Echte Schuldgefühle

Strafmildernd wurden der Verurteilten der bis zur Tat einwandfreie Leumund, die Kooperation während der Untersuchung und die tief empfundene Einsicht und Reue angerechnet, aber auch die freiwillig aufgenommene therapeutische Behandlung zur Verarbeitung des Vorgefallenen. «Die Schuldgefühle wirken echt», sagte Läuchli.

Staatsanwältin Dagmar Rieger hatte neun Jahre wegen Mordes gefordert und betont, dass die Täterin brutal, rücksichtslos und hartnäckig gehandelt habe. Sie liess einen Rekurs vorerst offen. Das Urteil liege aber näher bei ihrem Antrag als jenem der Verteidigung, sagte Rieger nach dem Prozess. Der Verteidiger der ehemaligen Wetterfee, der Moderator bei «Telebasel» ist, hatte dreieinhalb Jahre wegen Totschlags verlangt. Seine Mandantin akzeptiere das Urteil, sagte Schneider auf Anfrage.

Motiv bleibt unklar

Der Ex-Freund, ein heute 43-jähriger Musiker, hatte sich zwei Monate vor der Bluttat nach längerer Beziehung von der Frau getrennt. Das Motiv, welches die heute 34-jährige Angeklagte dazu bewogen hat, die 81-jährige Grossmutter ihres Ex-Freundes zu töten, bleibt im Dunkeln.

Die Angeklagte selbst war bei ihrem Motiv immer unklar geblieben und wollte nicht mehr wissen, warum sie überhaupt zur Grossmutter gegangen war. Sie war grundsätzlich geständig und befindet sich seit dem 8. Januar 2007 in Hindelbank im vorzeitigen Strafvollzug.

Eindeutig ist die Todesursache: Das Opfer starb an Erdrosselung.

voi/ap

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