Aktualisiert 03.12.2008 16:20

Baselbiet

Ex-Wetterfee wegen Mordes vor Gericht

Vor dem Strafgericht in Liestal hat der Prozess gegen eine junge Frau begonnen. Ihr wird vorgeworfen, die Grossmutter ihres Ex-Freundes getötet zu haben. Das Urteil wird am 16. Dezember verkündet.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt die Frau, am 30. Dezember 2006 in Allschwil BL die Grossmutter ihres Ex-Freundes getötet zu haben. Die Angeklagte, die bei einem lokalen TV-Sender als «Wetterfee» gearbeitet hatte, ist grundsätzlich geständig. Sie sitzt in der Strafanstalt Hindelbank BE und unterzieht sich einer Psychotherapie.

Überbehütetes Einzelkind

Sie sei als «wahrscheinlich überbehütetes Einzelkind ehrgeiziger Eltern» aufgewachsen, beschrieb die Angeklagte am Mittwoch ihre Kindheit. Sie sei sehr schüchtern gewesen und habe nicht auffallen wollen. Die Therapeutin beschrieb sie als Person, die auch dann die Fassade aufrecht halte, wenn es ihr schlecht gehe.

Zu den Punkten, die in der Therapie zur Sprache kommen, gehört auch das Motiv. Dazu gebe es nur verschiedene Hypothesen, von denen keine wirklich stimmig sei, sagte die Therapeutin. Während diese von einer schweren depressiven Episode ausgeht, diagnostiziert das im Auftrag des Gerichts erstellte psychiatrische Gutachten eine mittelgradige Depression.

Psychiatrisches Gutachten

Das Gutachten bejaht eine so genannte «akzentuierte Persönlichkeit», schliesst aber eine Persönlichkeitsstörung mit Krankheitswert aus. Wegen der depressiven Episode sei die Steuerungsfähigkeit und damit die Schuldfähigkeit in mittlerem Grad eingeschränkt gewesen, lautet die Schlussfolgerung des Gutachtens.

Eine schriftliche Stellungnahme dazu, ob die Angeklagte aus psychiatrischer Sicht unter grosser seelischer Belastung gehandelt habe und ob ein vernünftiger Mensch unter gleichen Bedingungen ebenfalls leicht in einen solchen Seelenzustand geraten würde, muss der Gutachter bis Donnerstagabend vorlegen.

Das Gericht liess eine entsprechende Frage der Verteidigung in modifizierter Form zu. Laut der Gerichtspräsidentin behält sich das Gericht vor, alle Tötungs-Tatbestände zu prüfen: Die Anklage lautet auf Mord, eventualiter vorsätzliche Tötung; bei den Ermittlungen standen aber auch Tötung auf Verlangen und Totschlag im Raum.

Sieben Prozesstage

Der Prozess hatte am Morgen mit der Einvernahme zur Person begonnen. Die Befragung zur Sache begann mit der Visionierung der auf Video aufgezeichneten ersten Einvernahme der Angeklagten im Ermittlungsverfahren.

Der Prozess wird am Donnerstag mit der Visionierung der zweiten Einvernahme und der Befragung von Zeugen fortgesetzt. Dabei werden auch der Ex-Freund und die Mutter der Angeklagten einvernommen. Für Freitag sind die abschliessende Befragung der Angeklagten und die Plädoyers von Anklage und Verteidigung vorgesehen.

(sda)

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