Geheime Kontodaten: Exbanker Elmer setzt auf Wikileaks
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Geheime KontodatenExbanker Elmer setzt auf Wikileaks

Exbanker Rudolf Elmer sieht sich als Whistleblower. Er hat heute Montag Wikileaks in London rund 2000 Steuersünder-Daten zur Verfügung gestellt. Neue, pikante Details wurden dabei nicht enthüllt.

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kub/uwb
Rudolf Elmer übergibt Julian Assange in London die CD mit Daten von 2000 Steuersündern.

Rudolf Elmer übergibt Julian Assange in London die CD mit Daten von 2000 Steuersündern.

Der frühere Schweizer Bankmanager Rudolf Elmer hat der Enthüllungsplattform Wikileaks an einer Medienkonferenz im Londoner Frontline Club zwei CDs übergeben. Darauf sollen sich nach Angaben Elmers die Daten von rund 2000 Steuersündern befinden. Es handle sich um Konten in Offshore-Finanzzentren, die Details über massive Steuerhinterziehung offenlegen könnten. Unter den Kontobesitzern seien Firmen, Prominente, Geschäftsleute und rund 40 Politiker aus den USA, Grossbritannien, Deutschland, Österreich und Asien. Der Banker hatte bereits 2007 Dokumente an Wikileaks weitergeleitet.

Keine Details bekannt

Wikileaks-Chef Julian Assange bedankte sich bei Elmer, den er als «wichtigen Informanten» bezeichnete, artig für die Daten. Weitere, pikante Details zu involvierten Persönlichkeiten oder Firmen gaben er und Elmer gestern nicht preis. «Wir werden die Daten jetzt genau überprüfen» und danach wohl im üblichen Rahmen auf Wikileaks publizieren. Das könne, so Assange, mehrere Wochen oder gar Monate in Anspruch nehmen.

Elmer erklärte, man habe ihm von verschiedenen Seiten bis zu 500 000 Franken für die Daten angeboten. Dafür Geld zu nehmen habe er «in seiner Rolle als Whistleblower moralisch aber als verwerflich betrachtet». Enttäuscht zeigte er sich, dass der ehemalige, deutsche Finanzminister Peer Steinbrück, dem er die Daten gratis angeboten hatte, nicht auf sein Angebot eingetreten sei.

Prozess am Mittwoch

Er sei Wikileaks dankbar, dass es die Daten nun genau prüfe und «meinen Kampf gegen das System unterstützt». Wikileaks habe ihn davor bewahrt, als psychisch Kranker gebrandmarkt und beiseitegeschoben zu werden.

Mit seinem Prozess in der Schweiz hätten die beiden CDs direkt nichts zu tun, erklärte Elmer. Er wolle sich deshalb dazu auch nicht äussern. Auf die Frage eines Journalisten meinte er allerdings, wenn man die Beweise nicht zerstören könne, dann schiesse man halt auf den Zeugen.

Elmer muss am Mittwoch in Zürich wegen Verstosses gegen das schweizerische Bankgeheimnis und Nötigung vor einem Gericht erscheinen. Ihm wird vorgeworfen, Medien und Steuerbehörden vertrauliche Unterlagen der Bank zugespielt zu haben.

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, verlangt der Staatsanwalt dafür eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten sowie eine Busse von 2000 Franken.

(kub/uwb/sda/dapd)

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