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Pissoir-Debatte«Exhibitionisten wird Tür und Tor geöffnet»

Mancherorts fehlen in Basel öffentliche Toiletten und andernorts stehen sie am falschen Ort. Etwa das Pissoir beim Spielplatz Claramatte, das die Kinder nicht nur mit Gestank belästigt.

von
lha
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Anita Lachenmeier vom Grünen Bündnis ärgert sich über die WC-Situation auf der Claramatte. Die Pissoirs seien unhygienisch und der nur wenige Meter entfernte Kindergarten werde mit Gestank belästigt. Die Regierung findet allerdings: «Eine Durchmischung der Nutzergruppen im öffentlichen Raum ist grundsätzlich erwünscht.»

Anita Lachenmeier vom Grünen Bündnis ärgert sich über die WC-Situation auf der Claramatte. Die Pissoirs seien unhygienisch und der nur wenige Meter entfernte Kindergarten werde mit Gestank belästigt. Die Regierung findet allerdings: «Eine Durchmischung der Nutzergruppen im öffentlichen Raum ist grundsätzlich erwünscht.»

jd
Was aufr der Claramatte stört, fehlt auf dem Marktplatz. Dieser wurde in den letzten Jahren zu einer immer beliebteren Adresse für die Mittagsverpflegung. Nur: Wenn die Natur ruft, gibt es auf dem Platz keine Möglichkeit die Notdurft zu verrichten.

Was aufr der Claramatte stört, fehlt auf dem Marktplatz. Dieser wurde in den letzten Jahren zu einer immer beliebteren Adresse für die Mittagsverpflegung. Nur: Wenn die Natur ruft, gibt es auf dem Platz keine Möglichkeit die Notdurft zu verrichten.

lha
Allerdings: Im Hof des Rathauses gibt es ein öffentlich zugängliches WC, das erst noch behindertengerecht ist. Es ist allerdings gut versteckt und für Unwissende unzureichend signalisiert.

Allerdings: Im Hof des Rathauses gibt es ein öffentlich zugängliches WC, das erst noch behindertengerecht ist. Es ist allerdings gut versteckt und für Unwissende unzureichend signalisiert.

20 Minuten/lha

Grossrätin Anita Lachenmeier ist stinksauer. Wohl gut gemeint, hat die Stadt voriges Jahr ein offenes Pissoir auf der Claramatte aufgestellt. Nur wenige Meter neben dem Kindergarten. Und gehen die Kinder dort vor die Türe, steigt ihnen beissender Urin-Gestank in die Nase. «Muss ein Kindergarten Geruchsemissionen von einem fremden Pissoir akzeptieren?», fragte die Grüne Lachenmeier in ihrer Interpellation den Regierungsrat.

Durchmischung erwünscht

Dieser findet: Ja, eine «gegenseitige Rücksichtnahme und eine gewisse Toleranz bei divergierenden Nutzungsansprüchen» sei angezeigt. Er geht sogar noch weiter: «Eine Durchmischung der Nutzergruppen im öffentlichen Raum ist grundsätzlich erwünscht.» Eine Antwort, die die Interpellantin am Mittwoch gar nicht zufriedenstellte. «Eine offene Toilette gehört nicht auf einen Kinderspielplatz», entgegnete sie. Nicht nur aus hygienischen Gründen. «Exhibitionisten wird damit Tür und Tor geöffnet.» Sie habe von Kindergärtnerinnen bereits von solchen Situationen gehört.

Was auf der Claramatte zu viel ist, fehlt andernorts gänzlich oder ist zumindest schwer zu finden. Ein Politikum sind nämlich auch die sanitären Anlagen auf dem Marktplatz. Grossrat Heiner Vischer (LDP) sorgt sich, dass das Angebot nicht ausreicht. Der Marktplatz ist nicht zuletzt am montäglichen Schlemmermarkt zu einer beliebten Anlaufstelle für die Mittagsverpflegung geworden. Foodtrucks und Verpflegungsstände, Sitzgelegenheiten, volle Mägen, aber kein WC. «Hunderte oder gar tausende von Kunden suchen deshalb täglich anderswo Toiletten auf», vermutet Vischer.

Nette Toilette als Ziel

Vermutlich liegt er falsch. Der Regierung ist vor ihrer Haustüre kein Problem bekannt. Sie verweist zudem auf die bestehende öffentliche und behindertengerechte Toilette im Hof des Rathauses und beim nahegelegen Andreasplatz. Sie gibt allerdings zu, dass die Ausschilderung der Rathaustoilette nicht ganz optimal sei. Eine Stele mit Hinweis werde am Ausgang der Freien Strasse gestellt.

Zudem strebt die Regierung die Aktion Nette Toilette in Basel an. In mehreren Schweizer Städten sei diese schon erfolgreich eingeführt worden. Restaurationsbetriebe würden dabei finanziell vom Kanton entschädigt, wenn diese ihre WCs öffentlich zugänglich machen. «Das Bau- und Verkehrsdepartement prüft gegenwärtig die Lancierung eines entsprechenden Projekts in Basel gemeinsam mit Basel Tourismus und dem Wirteverband», schreibt sie in ihrer Antwort an Vischer.

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