Aktualisiert 28.04.2020 08:52

Corona-Fragebogen

«Existenzangst ist nicht da, aber Vorsicht»

Heute mit Chrigel Maurer (37). Der Extremsportler ist mit sechs Triumphen Rekordsieger des Red Bull X-Alps, dem härtesten Gleitschirmwettkampf der Welt.

von
Adrian Hunziker
1 / 16
Chrigel Maurer, Gleitschirmfliegen: «Ich habe die Kraft- und Rumpftrainings zu Hause intensiviert. Auch an meiner Ausdauer habe ich weitergearbeitet. Ich habe also einfach meine Leistungsziele angepasst.»

Chrigel Maurer, Gleitschirmfliegen: «Ich habe die Kraft- und Rumpftrainings zu Hause intensiviert. Auch an meiner Ausdauer habe ich weitergearbeitet. Ich habe also einfach meine Leistungsziele angepasst.»

Chrigel Maurer
Marcel Bieri, Schwingen: «Ich habe mir einen kleinen Krafttrainingsraum eingerichtet, in welchem ich drei- bis sechsmal die Woche trainiere.»

Marcel Bieri, Schwingen: «Ich habe mir einen kleinen Krafttrainingsraum eingerichtet, in welchem ich drei- bis sechsmal die Woche trainiere.»

Arnold «The Cobra» Gjergjaj, Boxen:«Finanziell wird es uns alle irgendwann betreffen. Wir hoffen, dass die Krise dank der Isolation bald überstanden ist.»

Arnold «The Cobra» Gjergjaj, Boxen:«Finanziell wird es uns alle irgendwann betreffen. Wir hoffen, dass die Krise dank der Isolation bald überstanden ist.»

Keystone/Patrick Straub

Wie sehr beschäftigt Sie das Coronavirus?

Zu Beginn war das sicher extremer, da man nicht wusste, wie sich das auswirken wird und für wen es alles gefährlich wird. Die Entscheide des Bundesrates waren nachvollziehbar, da wir bereits zuvor Informationen erhielten, wie das Virus in China wütete. Trotzdem wusste man nie zu 100 Prozent, wie relevant das Ganze für einen selber ist. Es brauchte einen Moment, bis man das einordnen und dementsprechend reagieren konnte.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf Ihren Alltag?

Es drosselt alles. Man hat mehr Zeit – das ist auch das Schöne daran. Man hat aber viele Einschränkungen. Ich kann keine Anlässe machen, keine Vorträge, keine Weiterbildungen, keine Wettkämpfe. Aber das ist im Verhältnis zu dem, was sonst passiert, nur halb so schlimm. Deshalb nehme ich das gelassen.

Halten Sie sich strikt an die Verordnungen und Empfehlungen der Behörden?

Ich sags mal so: Ich war nicht mehr fliegen, schränkte mich auf ein Minimum ein, aber mein Home ist ein wenig mehr als nur mein Garten. Für mein Ausdauertraining gehe ich im Rahmen des gut Vertretbaren vor - mit weniger Risiko als sonst beim Bergsteigen -, aber Wandern, Joggen oder Velo fahren tue ich weiterhin. An das Social Distancing halte ich mich strikt.

Wie trainieren Sie derzeit?

Flugtraining habe ich keines mehr gemacht. Für die Wettkämpfe, die im Sommer stattfinden sollten, ist das ein Handicap. Da ich an Hike&Fly-Wettkämpfen teilnehmen werde, habe ich weiterhin Lust und bin motiviert, körperlich fit zu bleiben. Ich habe die Kraft- und Rumpftrainings zuhause intensiviert. Auch an meiner Ausdauer habe ich weitergearbeitet. Ich habe also einfach meine Leistungsziele angepasst.

Für welche Tätigkeiten gehen Sie aus dem Haus?

Wir sind viel ums Haus, im Garten oder ich mache Materialservice. Zudem gehe ich für das Wesentliche wie Einkaufen und Training nach draussen.

Wie verbringen Sie in diesen Tagen Ihre Freizeit?

Ich habe vermehrt meine Erfahrungen auf Social Media geteilt, machte Posts mit mehr Inhalt, wir hatten die Idee, ein Buch zu schreiben - damit haben wir mal begonnen. Ich möchte zudem mehr in meinem Youtube-Kanal machen, was mir später helfen kann. Solche Dinge entwickeln, für die ich mich sonst weniger eingesetzt hätte, dazu komme ich jetzt mehr. So habe ich auch einen Nutzen für diese Krise.

Welche Corona-Challenge haben Sie bereits ausprobiert?

In der Gleitschirmszene haben wir die #packingchallenge gemacht: Wer den Schirm am schnellsten packen kann. Das bringt ja dann später auch im Wettkampf etwas.

Und dann habe ich die #LOWAShoeFlipChallenge gemacht. Das wars dann aber auch.

Was fehlt Ihnen derzeit am meisten?

Ich bin sehr freiheitsliebend. Wenn man so eingeschränkt ist, keine Freunde treffen darf und sich nicht austauschen oder gegeneinander antreten kann, dann stresst mich das wohl am meisten.

Haben Sie wegen der Corona-Krise Existenzängste?

Ich habe das Glück, dass ich Sponsoren habe, diese Verträge bringen mich durch den Sommer. Aber die Vorträge, die ich aktuell nicht halten kann, werden sich Ende Jahr schon bemerkbar machen. Auf der anderen Seite habe ich auch keine Wettkämpfe, für die ich Auslagen habe. So reicht es natürlich länger. Eine Existenzangst ist nicht da, aber eine gewisse Vorsicht ist vorhanden, bei der man sich überlegt: Brauchts jetzt das unbedingt oder nicht?

Wie schöpfen Sie in solchen Zeiten Zuversicht?

Bei meinen Wettkämpfen erlebe ich mehrmals täglich die Situation, dass ich nicht weiss, wie es weitergeht. Und genau diese schwierigen Wettkampferfahrungen sind ähnlich wie jetzt, wo man nicht genau weiss, welche Auswirkungen es haben wird. Aber man muss einen nächsten Schritt machen, damit es weitergeht. Ich will mein Glück fordern. Wenn ich das Gefühl habe, es kommt gut, und ich mache auch etwas dafür, dass es gut kommt, dann habe ich auch Glück. So handhabe ich das auch an den Wettkämpfen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn alle Verbote aufgehoben werden?

(lacht) Das, was mir aktuell am meisten fehlt: Das Fliegen. Den Sport also so ausleben zu können, wie ich das zuvor tat.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Probiert, andere Zwischenziele zu setzen. Bleibt motiviert, es macht Sinn, am Morgen früh aufzustehen und Gas zu geben, damit man, wenn es wieder losgeht, parat ist und nicht stagniert.

Fehler gefunden?Jetzt melden.