Airbus: Existenzsorgen trotz Auslieferungsrekord
Aktualisiert

AirbusExistenzsorgen trotz Auslieferungsrekord

Ein neuer Auslieferungsrekord, stabile Auftragseingänge, aber ein drohendes Aus für den Militärtransporter A400M: Airbus beginnt das neue Geschäftsjahr mit enormen Risiken.

von
Emma Vandore
AP
Der A400M droht zum Debakel zu werden für Airbus.

Der A400M droht zum Debakel zu werden für Airbus.

Angesichts der Krise habe man 2009 «relativ gute Ergebnisse» erzielt, sagte Unternehmenschef Thomas Enders am Dienstag bei der Jahrespressekonferenz im spanischen Sevilla. Wichtigste Aufgabe sei jetzt, sich mit den Bestellernationen auf die Finanzierung des mit rund fünf Milliarden Euro Zusatzkosten belasteten A400M-Programms zu einigen.

Die Drohung, das Prestigeprojekt sonst zu kippen, sei ernst gemeint, betonte Enders. «Nach neun Monaten intensiver Diskussionen mit unseren Regierungskunden ist es jetzt Zeit für Entscheidungen.» Der Chef der Konzernmutter EADS, Louis Gallois, setzte den Regierungen am Dienstag eine Frist «bis spätestens Ende Januar».

Bislang sträuben sich vor allem Berlin und Paris, die notwendigen beträchtlichen Beträge nachzuschiessen. Von einem Scheitern des A400M, der mit rund dreijähriger Verspätung im Dezember seinen Jungfernflug absolvierte, wären nicht nur bis zu 40.000 Arbeitsplätze betroffen. Es würde auch das Ziel von Airbus vorerst begraben, seine Position im Militärmarkt zu festigen. Derzeit verschlingt der Problemvogel 100 Millionen Euro pro Monat.

«Eine Dummheit»

Das Programm wurde vor sechs Jahren gestartet, mit 180 Bestellungen aus Deutschland, Frankreich, Britannien, Belgien, Luxemburg, Spanien und der Türkei. Die damals vereinbarten Festpreise seien eine Dummheit gewesen, so Enders. Bei einer Fortsetzung dieser Dummheit stehe die Wettbewerbsfähigkeit von Airbus auf dem Spiel.

Ob der massive Druck Wirkung zeigt, könnte sich am Donnerstag zeigen, wenn sich Delegationen der Hauptstädte zu Beratungen in London treffen.

Im harten Konkurrenzkampf mit US-Rivale Boeing behauptete Airbus seinen Vorsprung. Mit einem neuen Auslieferungsrekord von 498 Maschinen übertrumpften die Europäer die Amerikaner im abgelaufenen Jahr um 17 Flugzeuge. Bei den Nettobestellungen hatte Airbus mit 271 zu 142 die Nase vorn. Für das kommende Jahr gab Verkaufschef John Leahy ein Ziel von 250 bis 300 Bestellungen vor. Ein Zuwachs sei nicht vor 2012 zu erwarten.

«Eine grosse Enttäuschung»

Mit 402 Auslieferungen ist die 320er-Familie der Kurz- und Mittelstreckenflieger nach wie vor das Hauptgeschäft von Airbus. In den kommenden Monaten muss entschieden werden, ob die Reihe mit neuen Motoren aufgerüstet wird, um mit der Konkurrenz schrittzuhalten.

Den einst als wegweisenden Superjumbo gefeierten A380 bezeichnete Enders am Dienstag unverblümt als «grosse Enttäuschung». Zwar soll die Produktion 2010 von zehn auf zwanzig Maschinen hochgefahren werden, doch die Fertigungsprobleme verschlingen weiter Millionen. Und mit nur vier Neubestellungen im vergangenen Jahr könnte der als visionärer Grossraumflieger gestartete Jumbo schnell als Flugsaurier landen.

Die Geschäftsbilanz für Airbus wird erst in den kommenden Wochen bekanntgegeben. Der Mutterkonzern EADS teilte aber am Dienstag bereits mit, das der geschätzte Umsatz 2009 um 3,6 Prozent auf 41,7 Milliarden Euro zusammengeschmolzen sei. Dies liege allerdings nicht am geringeren Volumen, sondern aus Negativeffekten durch den schwächeren Dollar. Der Kurs rutschte an Dienstag an der Pariser Börse zwischenzeitlich mit 2,2 Prozent ins Minus.

Deine Meinung