Aktualisiert 21.01.2016 16:23

Weltenbummler-Blog

Exklusive Fleisch-Shows im japanischen Osaka

Kobe-Beef und Sumo-Ringer: In Japan sind die Fleischberge teuer und heiss verehrt.

von
Claudio Sieber

In Japans einstigem Handelszentrum Osaka wird boshaft gestampft, mutig geschwabbelt und um Ruhm geschwungen. In anderen Erdteilen müsste man solch wulstige Kaumaschinen per Kran aus dem Bett hieven, Sumos jedoch schiessen wie Kanonenkugeln aufeinander los und das bei 150 bis 300 Kilogramm pro Ringer. Explosiv, drollig, irgendwie ästhetisch. Nicht wenige verblüffen das Publikum zu Kampfbeginn mit einem grazilen Spagat. Jahrelang werden Sumos mit einem durchdachten Fressplan gegeisselt, aber gleichzeitig auf Antritt und Reaktion gedrillt. So viel kontroverser Sportgeist wird hierzulande verehrt und notabene greifen die Ringer Nippons schönste Frauen ab.

Takarafuji, dessen Busen an die Schweizer Alpen erinnert, zögert etwas, kracht nach vorne und fummelt euphorisch. Selbst Godzilla würde es da Angst und Bange werden. Sein Gegner, der amtierende Yokozuna (höchstrangiger Ringer) Hakuho aus der Mongolei, grabscht aus dem Hinterhalt mutig nach dem, was vor Dekaden ein Hals war, und rammt Takarafuji aus dem Ring. Das Ende eines siebenstündigen Turniers mit Männertangas, Cellulite und Achselschweiss.

Ein Steak zum Preis einer Lama-Familie

Ganz in der Nähe von Osaka liegt die Hafenstadt Kobe. Ein weiteres Betonpflaster mit viel zu vielen Menschen und klotzigen Stahlmonstern. Doch etwas Charmantes und Einzigartiges tappst durch jene Region. Die Rinderrasse der Superlative. Zu gern hätte ich zugeschaut bei den geheimen Ritualen, den persönlichen Ansprachen am Morgen und den liebenswürdigen Streicheleinheiten zu klassischer Musik. Aber die Kobe-Beef-Bauern zeigen sich verhalten; meine Besuchswünsche scheitern kläglich. Echtes Kobe-Beef wird streng bewacht, noch niemals sei ein solches Superrind über Japans Grenzen gelangt. Ein texanischer Geschäftsmann hat mich in Chicago eines Besseren belehrt: Zwei listige Südstaatler importierten vor Jahrzehnten dank einem bürokratischen Schlupfloch einige Kobe-Rinder und Kobe-Damen, fortan Wagyu genannt.

Darauf gelangten noch weitere 200 Vollblute ins Ausland, bis Tokio endgültig auf die Bremse trat. Das reichte aus, um in den USA, Kanada und Australien reinrassige Herden aufzubauen. Seit 2014 sind die Exportregeln wieder moderat. Jährlich erhalten

nur knapp fünf Prozent offiziell den Kobe-Beef-Qualitätsstempel. Denn Herkunft, Zucht bis hin zum Marmorierungsgrad spielen eine Rolle. So bleibt der Gang ins Teppanyiaki-Restaurant, wo

uns ein solch extravaganter Tierlappen auf persönliche Art angebrutzelt wird. Ein Stück Butter mit Fleischgeschmack. Für das Geld könnte man in Ecuador eine Lama-Familie kaufen oder in Indien einen Monat lang Curry essen.

Weltenbummler

Claudio Sieber spurtete 15 Jahre lang für die grafische Branche. Heute setzt der 33-Jährige seine Energie für sich selbst ein. Als Fotograf und Reiseblogger. Seit Januar 2014 ist der Langzeit-Nomade bereits unterwegs, um die Schönheit dieser Erde zu erkunden. Dabei lernt der Ostschweizer die vielseitigsten Menschen kennen und steigert täglich sein Bewusstsein für die Welt.

Auf seinem Blog Travelbuddy.ch und auf 20 Minuten teilt er seine Erlebnisse.

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