Kult- vs. Meister-Trainer: Exklusiver Playoff-Talk mit Schläpfer und Leuenberger

Aktualisiert

Kult- vs. Meister-TrainerExklusiver Playoff-Talk mit Schläpfer und Leuenberger

Sie sind zwei grosse Schweizer Trainerfiguren, aber derzeit ohne Job. 20 Minuten lud Lars Leuenberger und Kevin Schläpfer zum Playoff-Talk.

von
Marcel Allemann/Sebastian Rieder

Heiss aufs Playoff: Verbaler Schlagabtausch von Meistercoach Lars Leuenberger und Kulttrainer Kevin Schläpfer. (Video: Sebastian Rieder)

Lars Leuenberger, Kevin Schläpfer, wie gut kennt ihr euch eigentlich? Seid ihr Trainerkollegen oder mehr?

Schläpfer: Wir kennen uns schon lange, haben oft gegeneinander gespielt, aber nie miteinander. So richtig kennen gelernt haben wir uns aber erst im Trainerkurs, dort wurden wir zu Kollegen. Wir sind zwei Typen, die gern Spass haben und das Eishockey lieben. Darum hat es zwischen uns immer gepasst.

Leuenberger: Das ist so.

Habt ihr auch privat Kontakt?

Leuenberger: Während der Trainerkurse gingen wir des Öfteren zusammen eins trinken und plauderten, aber es ist nicht so, dass wir uns sonst regelmässig privat treffen.

Schläpfer: Wir telefonieren gelegentlich und tauschen uns aus. Aber im Ausgang waren wir noch nie zusammen, denn wir sind beide nicht so die Ausgänger (lacht).

Playoff-Talk zu SCB - Biel

Lars Leuenberger und Kevin Schläpfer orakeln über das Playoff 2017.

Leuenberger und Schläpfer zur Playoff-Serie Bern - Biel.

Ihr seid nun beide während mehrerer Monate ohne Job. Wie geht es euch? Was macht ihr so?

Leuenberger: Ich habe im Frühling mal eine Auszeit gebraucht, um zu analysieren, was da alles geschehen ist. Ich war auch vermehrt zu Hause mit Sachen beschäftigt, für die ich in den letzten Jahren nicht so viel Zeit hatte. Natürlich habe ich auch viel darüber nachgedacht, was ich machen will. Was ist mein Ziel? Will ich in der NLA bleiben? Gehe ich zurück in den Nachwuchs? Solche Sachen schwirrten in meinem Kopf herum. Daneben bin ich noch als Experte bei Teleclub tätig und hielt verschiedene Referate bei Firmen.

Schläpfer: Bei mir war es etwas anders, da ich körperlich noch immer etwas angeschlagen bin (Schläpfer hatte eine schwere Infektion im Bein; die Red.). Ich gehe viermal pro Woche in die Therapie, nebenbei baue ich auch noch ein Haus, das sorgte ebenfalls für Ablenkung. Aber natürlich geht einem nach einer solchen Entlassung vieles durch den Kopf. So etwas zu erleben, war für mich das erste Mal. Und im Verarbeitungsprozess stecke ich noch immer drin. Die Gefühlswelt schwankt ein wenig: Manchmal fühlt man sich sehr gut, manchmal hat man ein Tief. Ich spüre nun aber auch, wie sich meine Batterien wieder aufladen, und ich freue mich darauf, dann irgendwann wieder mit Vollgas einzugreifen.

Playoff-Talk zu ZSC - Lugano

Lars Leuenberger und Kevin Schläpfer orakeln über das Playoff 2017.

Leuenberger und Schläpfer zur Playoff-Serie ZSC Lions - Lugano.

Es gab eine Zeit, da waren Schweizer Trainer im Trend. Mittlerweile gibt es jedoch nur noch den ewigen Arno Del Curto. Gilt der Prophet im eigenen Land nun wieder nichts mehr?

Leuenberger: Ich sage immer: Entweder bist du ein guter oder ein weniger guter Trainer. Egal, ob nun Schwede, Kanadier oder Schweizer, ob jung oder alt, die Besten sollen die Chance erhalten. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass wir Schweizer nicht zu den Besten gehören. Schweizer zu sein, ist im Trainerbusiness sicher kein Vorteil. Ich habe das Gefühl, dass wir mehr zeigen müssen als andere.

Schläpfer: Das ist sicher so. Die ganze Thematik ist für mich jedoch schwierig zu beurteilen, denn meine Entlassung liegt noch nicht so weit zurück, und ich hatte auch zu Bieler Zeiten ab und zu Anfragen. Ich bekam stets meine Chancen und bete nun auch dafür, dass ich sie wieder erhalten werde. Daher ist es zu früh für mich, diese Frage schlüssig zu beantworten. Aber ich glaube auch, dass den Schweizer Trainern mehr auf die Finger geschaut wird als den ausländischen. Das spürte ich speziell zu Beginn. Da fragte mich jeder Journalist, ob ich überhaupt eine Trainer-Ausbildung habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein John Slettvoll früher solche Fragen ebenfalls beantworten musste.

Playoff-Talk zu EVZ - Genf

Lars Leuenberger und Kevin Schläpfer orakeln über das Playoff 2017.

Leuenberger und Schläpfer zur Playoff-Serie Zug - Servette.

Seid ihr zuversichtlich, dass ihr bald wieder einen Club habt? Wie sieht eure Planung aus?

Schläpfer: Für mich steht zuoberst auf der Prioritätenliste, zu 100 Prozent gesund zu werden, und daher warte ich noch ein wenig. Ich habe zudem noch ein Jahr einen Vertrag in Biel und bin daher nicht unter riesigem Existenzdruck. Zudem denke ich, dass es mein nächster Club verdient hat, einen 100-prozentigen Kevin Schläpfer zu bekommen, und ich will auch 100 Prozent bringen können, denn es braucht heute einfach 100 Prozent. 95 oder 97 Prozent reichen nicht.

Leuenberger: Ich habe mir immer gesagt, ich gebe mir mal ein Jahr Zeit. Dieses Jahr ist nun bald vorbei. Ich hatte verschiedene Anfragen, die dann leider nicht zum Abschluss kamen. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Wochen etwas ergibt, doch ich lasse mich nun sicher nicht unter Druck setzen, weil es noch nicht geklappt hat.

Dann gibt es danach einen Zweikampf zwischen Leuenberger und Schläpfer um den nächsten guten Trainerjob?

Leuenberger: Nein, warum machen wir es nicht zusammen?

Könnt Ihr euch das wirklich vorstellen? Seid ihr dafür nicht zu sehr Alphatiere?

Leuenberger: Kevin ist zu 100 Prozent ein Alphatier, das glaube ich schon.

Schläpfer: Ja, leider.

Leuenberger: (lacht) Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es für mich auch okay wäre, Assistenztrainer zu sein, wenn ich einen Headcoach hätte, der mir eine gute Aufgabe geben würde. Aber ich möchte sicher nicht nur derjenige sein, der die Pucks von der linken zur rechten Ecke trägt.

Playoff-Talk zu Lausanne - Davos

Lars Leuenberger und Kevin Schläpfer orakeln über das Playoff 2017.

Leuenberger und Schläpfer zur Playoff-Serie Lausanne - Davos.

Herr Leuenberger, Sie waren bei vielen Clubs im Gespräch. Doch geklappt hat es nie. Wissen die Clubs nicht, wie der aktuelle Meistertrainer heisst, oder nehmen die Sie nicht ernst?

Leuenberger: Diese Frage habe ich mir im Lauf des vergangenen Jahres auch schon einige Male gestellt, und sie ist schwierig zu beantworten, denn die ganze Wahrheit wirst du eh nie mitbekommen. Es hat sicherlich mit verschiedenen Faktoren zu tun. Was jeweils der ausschlaggebende Punkt war, das kann ich nicht beurteilen. Ob ich zu jung bin, oder ob es einfach Zufall war? Ich habe einfach das Gefühl, dass es locker geklappt hätte, wenn ich ein paar Jahre älter oder ein Ausländer wäre.

Am Samstag beginnen die Playoffs. Freut ihr euch darauf, oder ist es ein komisches, wehmütiges Gefühl, weil ihr erstmals seit Jahren nicht direkt in die Meisterschaftsentscheidung involviert seid?

Schläpfer: Ich freue mich, dass es losgeht, denn es ist die spannendste Zeit. Schwierig ist einzig, dass ich eigentlich am liebsten die Spiele live vor Ort schauen würde, doch dann heisst es gleich, der ist jetzt da, um sich aufzudrängen oder sich zu zeigen, egal, ob ich nun Bern - Biel schauen gehe oder nach Zug oder Lugano. Daher muss ich mich notgedrungen wohl ein wenig zurückhalten und werde die Playoffs, obwohl mir das eigentlich stinkt, mehrheitlich im Fernsehen verfolgen. Zudem bin ich bei SRF als Experte noch ein wenig dabei.

Leuenberger: Für mich ist die Situation, nicht mittendrin zu sein, schon mehr zur Gewohnheit geworden als für Kevin. Lustig ist, dass es mir genau gleich geht wie ihm. Ich war aus denselben Gründen schon lange nicht mehr in einem Stadion. Ich war im Herbst zum Beispiel einmal in Biel, und da dachte ich dann, oh, was sagen die Leute jetzt, und für Kevin ist das auch eine ziemlich blöde Situation. Da sind wir Schweizer einfach zu anständig, zu wenig frech und haben auch Respekt voreinander. Anderen Coaches wäre das vermutlich egal. Aber natürlich freue mich extrem auf die Playoffs, es wird cool werden, das mal von aussen zu analysieren. Kevin tut es bei SRF, ich bei Teleclub.

Wer wird Meister? Bern oder der ZSC, so wie fast alle prognostizieren, oder habt ihr einen kreativeren Vorschlag?

Schläpfer: Für mich sind zwar auch Bern und Zürich die grossen Favoriten, aber mein Geheimfavorit heisst Davos.

Leuenberger: Für mich sind es schon die Berner. Sie haben mit Genoni einen Topgoalie, der dir jeden Abend den Laden dicht macht. Sie haben die beste Verteidigung der Liga, sie haben mit Arcobello einen unglaublichen Topskorer, der aus dem Nichts ein Tor schiessen kann. Sie haben zwar vielleicht vorne nicht vier solche Sturmlinien wie Zürich, doch Bern muss man zuerst einmal schlagen. Aber ich gebe auch Kevin recht, Davos könnte ebenfalls heisslaufen. Dort ist für mich einfach der Goalie das grosse Fragezeichen.

Jetzt kommt es in den Viertelfinals ausgerechnet zum Duell zwischen Ihren Ex-Clubs Bern und Biel. Herr Leuenberger, wie sehr sind Sie noch in den SCB involviert?

Leuenberger: Involviert bin ich gar nicht mehr. Aber klar hat man nach all den Jahren seine Kollegen und Freunde dort, mit denen man plaudert. Wenn ich diese treffe, dann spricht man jedoch sehr selten über den Club oder die Mannschaft.

Würden Sie sich freuen, wenn der SCB den Titel verteidigt, oder wäre es für Ihre eigene Karriere nicht sogar besser, wenn Bern bereits im Viertelfinal an Biel scheitern würde?

Leuenberger: Dadurch, dass ich mit sehr vielen Leuten sehr gut auskam in all den Jahren, wäre es alles andere als fair, wenn ich mir nun wünschen würde, dass der SCB rausfliegt. Wenn sie Meister werden, werden sie Meister, und dann haben sie es verdient. Wir müssen aufhören, immer Vergleiche zu ziehen. Ich wurde Meister. Punkt. Ich habe es geschafft. Das kann mir niemand mehr nehmen, und das muss erst mal einer schaffen in dieser kurzen Zeit. Doch das heisst überhaupt nicht, dass ich dem SCB ein weiteren Meistertitel nicht gönnen würde.

Und Sie, Herr Schläpfer, wie sehr sind Sie noch Bieler?

Schläpfer: Ich bin dem Verein natürlich schon noch ziemlich nahe. Es war eine lange Zeit, und sie liegt noch nicht lange zurück. Daher bin ich schon noch immer Biel-Fan. Der EHC Biel ist ein Teil meiner letzten 15 Jahre. Daher freue ich mich, dass es Biel gut geht. Ich habe noch mit vielen Leuten Kontakt. Daher drücke ich Biel schon die Daumen.

Aber wenn es Biel ausgerechnet im Jahr 1 ohne Sie mit einem Coup gegen Bern in die Halbfinals oder den Final schaffen würde, dann müsste Sie das doch trotzdem ein wenig wurmen ...

Schläpfer: Natürlich würde ich mir dann Gedanken machen, warum das mit mir nicht geklappt hat. Aber analytisch betrachtet ist es so, dass Biel seit dem Wiederaufstieg noch nie so eine gute Mannschaft wie in dieser Saison stellen konnte. Und ich weiss ja selbst, weshalb ich letztlich gescheitert bin. Das mit meinem Bein und den Krücken war einfach eine unmögliche Situation. Deshalb ist es für mich nun einfacher, mit dem Team mitzufiebern.

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