Exodus aus dem Gazastreifen
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Exodus aus dem Gazastreifen

Am Grenzübergang Eres zwischen Israel und dem Gazastreifen spitzt sich die Lage zu. Auf der Flucht vor der Hamas drängten sich etwa 600 Palästinenser in dem langen Betontunnel zum Terminal und hofften, nach Israel beziehungsweise ins Westjordanland zu gelangen.

Israel liess vorsorglich Panzer und Militärfahrzeuge auffahren. US-Präsident George W. Bush und der israelische Regierungschef Ehud Olmert bekräftigen unterdessen ihre Unterstützung für den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas.

Unter den Flüchtlingen am Grenzübergang Eres waren etwa 100 Sicherheitsbeamte der Fatah, die Repressalien seitens der radikalislamischen Hamas befürchteten. Die Hamas hat zwar eine Amnestie für Fatah-Kämpfer verkündet, auf einschlägigen Websites wurde jedoch zur Rache aufgerufen. Ein israelischer Offizier sprach im Hinblick auf die Situation an der Grenze von einem «Konflikt zwischen humanitären Erwägungen und dem Sicherheitsbedürfnis Israels». So befänden sich unter den Flüchtlingen auch Extremisten, die in der Vergangenheit möglicherweise an Anschlägen auf Israel beteiligt gewesen seien.

Viele Palästinenser, die den Gazastreifen nach der Machtübernahme der Hamas verlassen wollen, harren bereits seit Tagen am Grenzübergang Eres aus. Sie haben kaum etwas zu essen, sanitäre Anlagen sind in dem Tunnel nicht vorhanden - es stinkt nach Schweiss und Urin.

Am Montagabend kam es zu einem tödlichen Zwischenfall: Extremisten warfen eine Handgranate in die Menschenmenge, die vor dem Grenzterminal zusammengepfercht war. Zugleich kam es zu einem Schusswechsel mit israelischen Beamten. Ein Palästinenser wurde getötet, mehrere Menschen wurden verletzt. Knapp 24 Stunden später liess Israel nach eigenen Angaben zwei Verwundete einreisen und medizinisch versorgen.

Fatah bricht Kontakte zur Hamas ab

Ein Fatah-Sprecher aus dem Westjordanland räumte ein, dass auch Präsident Abbas den Exodus aus dem Gazastreifen mit Sorge beobachte. Als Fatah-Vorsitzender sei er nicht daran interessiert, das Küstengebiet völlig der Hamas zu überlassen. Die radikalislamische Organisation erklärte sich derweil zum «nationalen Dialog» bereit - ein Angebot, das die Fatah umgehend ablehnte. Deren Zentralkomitee beschloss, alle Kontakte zur Hamas abzubrechen. Einige radikale Fatah-Mitglieder sagten sich indessen von der Organisation los und gründeten im Gazastreifen die Gruppe Fatah al Jassir mit einem eigenen militärischen Flügel.

Unterdessen erreichte eine erste umfangreiche Hilfslieferung den Gazastreifen. Ein aus zwölf Lastwagen bestehender Konvoi des Welternährungsprogramms (WFP) überquerte am Dienstag den Grenzübergang Kerem Schalom. Das WFP unterstützt normalerweise rund 250.000 Palästinenser im Gazastreifen mit Lebensmitteln.

Olmert sagte nach einem Treffen mit Bush im Weissen Haus, er wolle mit Abbas zusammenarbeiten. Bush nannte Abbas den «Präsidenten aller Palästinenser» und «eine Stimme der Mässigung». «Wir hoffen, dass Präsident Abbas und Ministerpräsident Salam Fajjad - der ein guter Mann ist - so gestärkt werden, dass sie die Palästinenser in eine andere Richtung führen können», sagte Bush.

Extremisten schossen am Montagabend abermals zwei Raketen vom Gazastreifen auf den Süden Israels ab, wie die israelischen Streitkräfte berichteten. Eine Rakete landete in der Stadt Sderot. (dapd)

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