Exodus aus dem Irak
Aktualisiert

Exodus aus dem Irak

Die Briten ziehen schrittweise Soldaten aus dem Irak ab. Die Dänen suchen noch dieses Jahr das Weite. Für US-Präsident Bush ist dies der Beweis, dass sich die Sicherheitslage gebessert hat. Nicht so für die Iraker: Wer kann, der flieht.

Grossbritannien und Dänemark ziehen Soldaten aus dem Irak ab. Im Unterhaus in London kündigte der britische Premierminister Tony Blair den Abzug von 1600 Soldaten in den kommenden Monaten an. Bis zum Spätsommer soll die Zahl der britischen Truppen im Irak dann von derzeit 7100 auf unter 5000 reduziert werden, sagte Blair weiter.

Zeitgleich mit einer entsprechenden Erklärung des britischen Premierministers Tony Blair kündigte der dänische Regierungschef Anders Fogh Rasmussen den Rückzug der dänischen Bodentruppen an. Die Entscheidungen seien eng mit der britischen Regierung abgesprochen.

Dänemark hatte sich militärisch an der Irak-Invasion beteiligt und hat knapp 500 Soldaten unter britischem Oberkommando im südlichen Landesteil stationiert. Rasmussen kündigte gleichzeitig die Verstärkung der dänischen Truppenkontingente in Afghanistan an.

Stärke und Stationierung der Koalitionstruppen im Irak

(Stand Ende 2006)

Blair führte am Dienstag ein Videotelefongespräch mit US-Präsident George W. Bush. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, Gordon Johndroe, sagte anschliessend, Bush betrachte die geplante Verringerung der britischen Truppenstärke im Irak als Erfolg der Bemühungen um mehr Sicherheit. «Der Präsident ist dankbar für die Unterstützung der britischen Truppen in der Vergangenheit und bis in die Zukunft», sagte Johndroe und fügte hinzu: «Wir wollen ebenfalls unsere Truppen nach Hause bringen.»

Zunächst aber verstärken die USA ihren Truppen im Irak um 21 500 Mann, um mit einer neuen Offensive gegen Aufständische im Grossraum Bagdad vorzugehen. Die britischen Truppen sind vor allem in Basra und Umgebung stationiert. Dort sollen künftig die irakischen Streitkräfte die Verantwortung für die Sicherheit übernehmen.

Grossbritannien hat nach den USA die meisten Truppen im Irak aufgeboten. Militärisch präsent sind noch Südkorea (2300 Mann), Polen (900), Australien und Georgien (jeweils 800), Rumänien (600) und Dänemark (460). Die Truppen aus Italien und der Slowakei wurden bereits abgezogen. Auch Südkorea und Dänemark wollen den Abzug einleiten.

Weiterlesen:Bis zu einer Million Flüchtlinge im Irak (dapd)

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