Aktualisiert 20.02.2014 15:02

Mieten unter Druck

Expats leisten sich keine Luxus-Bleibe mehr

Die Firmen sparen und sponsern ihren ausländischen Fachkräften keine Luxus-Appartements mehr. Nun drängen viele Expats in den normalen Zürcher Wohnungsmarkt.

von
som
Die teure Expat-Wohnung als Auslaufmodell: Viele Firmen kürzen die Budgets für ihre ausländischen Mitarbeiter.

Die teure Expat-Wohnung als Auslaufmodell: Viele Firmen kürzen die Budgets für ihre ausländischen Mitarbeiter.

Expats im Kanton Zürich lebten jahrelang in Saus und Braus: Neben ihrem Lohn erhielten die ausländischen Spezialisten, die meist für internationale Firmen tätig sind, attraktive Zuschüsse. Ihre Arbeitgeber übernahmen etwa die Kosten für die Privatschulen der Kinder und für das Luxus-Appartement. Nun aber sind viele Unternehmen knausriger geworden und kürzen die Budgets.

Relocation-Unternehmen, die Ex­pats bei ihrem Umzug in die Schweiz unterstützen, be­stä­tigen gegenüber der «Zürichsee-Zeitung», dass die breite Masse der Ex­pats heute Verträge wie Schwei­zer Ar­beit­neh­mer hat und nur noch das oberste Kader den privilegierten Expat-Status geniesse.

Tatsächlich hatte eine Ex­pat-­Familie noch 2012 zwischen 4500 und 5500 Fran­ken für eine 4?-Zim­mer-­Woh­nung zur Verfügung, heu­te sind es gemäss Immobilienexperten noch 3500 bis 4000 Fran­ken. Auch gekürzt wurden Budgets für Mitarbeiter, die nur für ein Pro­jekt in die Schweiz kommen. Die­se Expats, die als Einzelpersonen temporär eine möblierte Woh­nung mieten, haben nach Ein­schät­zung von Sandra Luchetta, Expats-Beraterin bei ZR Zurich Relocation, lange Zeit 4000 Franken zur Verfügung gehabt: «Heute sind es vielleicht noch 2500 bis 3000 Franken.»

Vermieter glauben noch nicht an die neue Realität

Dass sich deshalb der Wohnungsmarkt in letzter Zeit markant verändert hat, bestätigt Caroline Raoult von der Immobilienfirma Kuoni Müller & Part­ner: Obwohl Wohnungen im obe­ren Preissegment heute deutlich länger leer stehen als früher, glaubten aber viele Vermieter noch nicht an die veränderte Markt­si­tua­tion. «Die Vermieter sind erst be­reit, die Mietzinse zu senken, wenn die Wohnungen zwischen drei und vier Monaten leer stehen», ergänzt Raoult.

Dabei ist es längst Realität, dass Expats in den normalen Wohnungsmarkt drängen. Vor allem Singles suchten im gleichen Miet­preis­segment wie die Schweizer, sagt Caroline ­Raoult. Die Nachfrage übersteige an den zentralen Lagen weiterhin das Angebot. Der Immobilienmarkt bleibt angespannt.

Fehler gefunden?Jetzt melden.