SRF-Satire: «Experiment Schneuwly» geht gründlich daneben
Aktualisiert

SRF-Satire«Experiment Schneuwly» geht gründlich daneben

Kurz vor Jahresende strahlt das SRF die Satire-Doku-Soap «Experiment Schneuwly» aus. 20 Minuten gab sich die erste Folge – und hat genug gesehen.

von
Lorena Sauter
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Das sind Frau und Herr Schneuwly, gespielt von Anne Hodler und Matto Kämpf.

Das sind Frau und Herr Schneuwly, gespielt von Anne Hodler und Matto Kämpf.

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Zusammen wollen die beiden Verrücktes erleben. Wie etwa einen Joint rauchen.

Zusammen wollen die beiden Verrücktes erleben. Wie etwa einen Joint rauchen.

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Oder eine Kita besuchen.

Oder eine Kita besuchen.

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Das SRF kündet eine neue Doku-Soap an. Eine satirische. In das «Experiment Schneuwly» würden Herr und Frau Schneuwly zu «frivolen Aktivitäten» motiviert werden, heisst es in einer Mitteilung vom Montag. Gespielt von Anne Hodler und Matto Kämpf wagt sich das – «aus hygienischen Gründen» – kinderlose Ehepaar in den drei Sendungen erstmals an einen Joint, taucht in das wilde Nachtleben der Stadt ein und besucht eine Kindertagesstätte. 20 Minuten hat sich 15 Minuten von der realen Welt verabschiedet und sich die erste Portion Schneuwlys online angeschaut. Eines vorweg: Was blieb, ist ein grosses «Wie bitte?».

«Das sind Herr und Frau Schneuwly. In jeder Folge erleben sie etwas Neues. Als Erstes besuchen sie eine Kita», erzählt die Off-Stimme zu Beginn. Was folgt ist ein Frage-Antwort-Spiel mit dem Paar über das Thema Fremdbetreuung. Schnell wird klar: Die Schneuwlys sollen ein bünzliges und kleinkariertes Schweizer Ehepaar darstellen. Die Umsetzung aber dürfte nicht wenige Zuschauer sprachlos zurücklassen.

Zu aufgesetzt, zu klischiert

Ein Beispiel: «Was glaubt ihr, was euch in der Kita erwartet?», will der Interviewer wissen. «Ja, Kinder. Mehrheitlich Kinder. Und wahrscheinlich Eltern», antwortet Herr Schneuwly. Sozial komplett inkompetent sucht er in der Kita das Gespräch mit einem etwa dreijährigem Kind. Er will wissen, ob dessen Vater selbstständig erwerbend sei. Oder er fragt einen Fünfjährigen, ob er später an die ETH wolle. Mit der Nähe der Kinder ist er selbstverständlich komplett überfordert. Erst beim Lied «S'Ramseiers wei go grase» blüht er auf. Frau Schneuwly hingegen ist total beeindruckt, dass die Krippenleiterin tatsächlich eine «fundierte Ausbildung» genoss.

Zu aufgesetzt, zu klischiert. Die vollkommen übertrieben naive, unwissende, weltfremde und überaus dümmliche Art der Schneuwlys zieht sich durch die ganze Sendung.

Die Schneuwlys machen einem Angst

Was als satirische Abbildung von Schweizer Bünzli-Ehepaaren vom Dorfe daherkommen soll, misslingt. Zwar mögen der Ansatz und die Idee durchaus okay sein, die Umsetzung von «Experiment Schneuwly» des Berner Regisseurs Juri Steinhartaber ist weder lustig noch glaubwürdig. Vielmehr kommen die überspannten Episoden extrem närrisch daher. Existierten tatsächlich Menschen wie die Schneuwlys, wäre die Schweiz wohl ein Ort voller Angst.

Was beim Zuschauer bleibt, ist die Frage: Was will das SRF mit dieser Doku-Soap erreichen? Und vor allem wen? Die drei Episoden von ungefähr 15 Minuten werden am Montag, 29. Dezember, um 23.05 Uhr (SRF1) ausgestrahlt und sind seit gestern auch online verfügbar.

Haben wir etwa bloss keinen Sinn für den SRF-Humor und sind Sie anderer Meinung? Schauen Sie sich die Sendung online an, stimmen Sie ab und diskutieren Sie im Talkback mit!

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