Aktualisiert 02.04.2014 16:12

40 Franken pro Tag

Experiment Tieflohn: Helfen Sie mit!

Unsere Reporterin lebt 30 Tage mit 3000 Franken. Welche Tipps haben Sie für sie auf Lager?

von
J. Büchi

«Wollen Sie die Quittung?» – «Nein danke, brauche ich nicht.» So läuft mein Einkauf an der Migros-Kasse normalerweise ab. Nicht so diesen Monat: Für 20 Minuten wage ich das Tieflohn-Experiment: Im April lebe ich mit 3000 Franken – das ist etwa so viel, wie eine Coiffeuse netto pro Monat verdient. Das heisst für mich: Ein Budget erstellen, Spartipps sammeln – und eben: Jeden Einkauf akribisch notieren.

Punkt eins ist schnell erledigt: Bei Miete, Steuern, Krankenkasse, Hausrat- und Haftpflichtversicherung sowie Elektrizität orientiere ich mich an Durchschnittswerten dieser Lohnklasse und komme auf 1460 Franken. Dazu kommen Billag-Gebühren, Internet- und Telefonkosten sowie mein Bahnabonnement (siehe Aufstellung oben). Nach Abzug dieser Fixkosten bleiben mir insgesamt 1205 Franken. Das sind gut 40 Franken pro Tag, die ich für Lebensmittel, Körperpflege, Zahnarzt- oder Optikerbesuche, Kleidung, Freizeit, Ferien und Geschenke ausgeben darf.

Ihre Tipps sind gefragt

Nicht gerade viel. Allerdings befinde ich mich damit in bester Gesellschaft. In der Schweiz verdienen 300'000 Personen weniger als die von der Mindestlohn-Initiative geforderten 4000 Franken pro Monat – brutto und für eine Vollzeitanstellung berechnet. Ausbezahlt und bei Teilzeitarbeit haben damit manche weniger im Portemonnaie als ich diesen Monat. So bin ich optimistisch, dass auch mir das Experiment gelingen wird. Ich rauche nicht und habe kein Auto – diese Budgetposten fallen also schon einmal weg.

Damit der Versuch aber auch sicher ein Erfolg wird, brauche ich Ihre Hilfe, liebe Leserinnen und Leser. Welche Tipps und Tricks haben Sie auf Lager, damit nicht schon Mitte Monat Ebbe herrscht auf dem Konto? Leben Sie selber mit einem Tieflohn und wollen uns von Ihren Erfahrungen berichten? Oder möchten Sie mich auf Faktoren aufmerksam machen, die ich in meinem Budget nicht berücksichtigt habe? Schreiben Sie uns: feedback@20minuten.ch

An dieser Stelle werden wir Sie regelmässig über Erfolge und Misserfolge in der 3000-Franken-Challenge auf dem Laufenden halten und die besten Lesertipps weitergeben. Dabei gilt: Wirtschaftliche, soziale oder andersgeartete Argumente, die aus Sicht von Gegnern und Befürwortern für oder wider die Mindestlohn-Initiative sprechen, werden nicht thematisiert – es geht um die praktische Erfahrung. In diesem Sinne: «Chönt ich no s Kassezäddeli ha?»

Die Initiative

Am 18. Mai stimmen wir über die Mindestlohn-Initiative des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes ab. Sie verlangt einen landesweiten Mindestlohn von 22 Franken pro Stunde. Das entspricht rund 4000 Franken pro Monat.

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