FCL in der Krise: Experte rät zu «positiven Selbstgesprächen»
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FCL in der KriseExperte rät zu «positiven Selbstgesprächen»

Beim FCL steckt der Wurm drin: Etliche individuelle Fehler, rote Karten, sieglos in der Super League. Sportpsychologe Jan Rauch erklärt, was sich ändern müsste.

von
mme
FCL-Trainer Carlos Bernegger: Wie bringt er sein Team zum Siegen?

FCL-Trainer Carlos Bernegger: Wie bringt er sein Team zum Siegen?

Der FCL hat in acht Spielen nie gewonnen und ist Tabellenletzter. Obwohl das Team teilweise guten Fussball spielte, reichte es bislang nie für einen Dreier. Was läuft da aus psychologischer Sicht schief?

Rauch: Ein Verein wie der FC Luzern startet natürlich mit gewissen Ambitionen in eine Saison. Je mehr man sich von diesen entfernt, desto höher wird der Druck und umso eher passieren Fehler.

Was bewirkt es in den Köpfen von Fussballprofis, wenn man immer wieder auf Augenhöhe mit dem Gegner oder sogar besser ist, am Ende dann aber dennoch nicht gewinnt?

Es ist für Menschen generell sehr wichtig zu erfahren, dass höhere Anstrengung mit grösserem Erfolg einhergeht. Das Frustpotenzial wächst schnell, wenn man sich bemüht, aber doch nicht belohnt wird. Wenn ein Spieler dann noch ein weiteres Mal das Gefühl hat, Pech zu haben oder nur den Pfosten trifft, wird er in der Regel noch verzweifelter und nervöser.

Wie kann man das durchbrechen?

Training hilft, damit umzugehen. Beispielsweise führen Sportler oft negative Selbstgespräche, wenn ihnen etwas nicht gelingt. Mit mentalem Training kann man aber lernen, solche Selbstgespräche positiv zu gestalten und die vorhandene Energie insofern in positive Bahnen zu lenken, dass man es das nächste Mal besser macht. Klar ist aber: Am meisten würde jetzt ein Erfolgserlebnis nützen.

Ist das nicht eine abgedroschene Floskel, dass ein Erfolgserlebnis den berühmten Schalter umkippen kann?

Manchmal braucht es halt wirklich wenig, um auf die Erfolgsstrasse zurückzukehren. Gerade Fussballtrainer haben oft gar keine andere Möglichkeit, als nach Niederlagen solche Floskeln öffentlich zu verwenden. Allerdings: Gegenüber dem Team wäre es kein gutes Zeichen, nur Durchhalteparolen zu verwenden. Man darf denn auch davon ausgehen, dass intern eine andere Sprache gesprochen wird.

Könnte dem FCL jetzt ein Teambuilding-Event helfen?

Zumindest von aussen herrscht nicht der Eindruck, die FCL-Mannschaft sei keine Einheit. Eine solche Teambuilding-Massnahme sehe ich darum nicht als dringendste Massnahme.

Besonders in der Kritik steht derzeit Goalie David Zibung. Tut FCL-Coach Carlos Bernegger gut daran, dass er ihm öffentlich den Rücken stärkt? Er sagt ja: «Zibung bleibt die Nummer 1, ich habe so entschieden.»

Dies zeigt nur, dass Zibung für ihn wirklich die Nummer 1 ist. Deshalb tut er gut daran, ihm jetzt den Rücken zu stärken. Aber: Es kann sicher auch der Moment kommen, wo der Druck für Goalie und Trainer zu gross wird. Bei Zibung habe ich aber nicht das Gefühl, dass dies schon der Fall ist, er ist ja sehr erfahren. Wenn er aber in Zukunft viele Fehler macht, wird auch Bernegger nicht darum herumkommen, über einen Goaliewechsel nachzudenken - auch um Zibung zu schützen. Wichtig dabei ist auch, ob Zibung das Vertrauen seiner Mitspieler besitzt.

Die alles entscheidende Frage ist: Wie kann Trainer Carlos Bernegger sein Team endlich zurück zum Siegen bringen?

Man kann im Sport vieles richtig machen und trotzdem nicht gewinnen. Deshalb ist schwierig zu sagen, Bernegger müsse jetzt dies oder jenes machen. Er wird sicher neue Anreize setzen im Training. Und: Manchmal braucht es halt wirklich auch einfach ein bisschen Glück.

Jan Rauch ist Vorstandsmitglied der Swiss Association of Sport Psychology und Dozent an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften am Institut für angewandte Psychologie. Zu seinen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten gehören psychologisches und mentales Training im Sport oder sportpsychologische Beratung für Einzelsportler und Teams.

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