Risiko für Minderjährige – Experte warnt Eltern vor pornografischen Inhalten auf Instagram
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Risiko für MinderjährigeExperte warnt Eltern vor pornografischen Inhalten auf Instagram

Auf Instagram häufen sich pornografische und nicht-jugendfreie Posts. Ein Cyberkriminologe warnt Eltern und erklärt, wie man seine Kinder schützen kann.

von
Christina Pirskanen
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Immer mehr pornografische Inhalte und Nacktbilder verbreiten sich auf Instagram, schreibt das Technik- und Lifestyle-Portal Techbook. Das ist problematisch, da viele Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer minderjährig sind.

Immer mehr pornografische Inhalte und Nacktbilder verbreiten sich auf Instagram, schreibt das Technik- und Lifestyle-Portal Techbook. Das ist problematisch, da viele Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer minderjährig sind.

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Der Cyberkriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger unterscheidet drei Kategorien von nicht-jugendfreien Inhalten auf der Plattform: pornografische Zeichnungen und Comics, klassische pornografische Bilder und Videos sowie Bilder mit sexualisierten Textaufschriften.

Der Cyberkriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger unterscheidet drei Kategorien von nicht-jugendfreien Inhalten auf der Plattform: pornografische Zeichnungen und Comics, klassische pornografische Bilder und Videos sowie Bilder mit sexualisierten Textaufschriften.

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Eine grosse Gefahr stellen private Nachrichten dar: Täterinnen und Täter nehmen so mit Mädchen und Jungen über Instagram Kontakt auf – mit eindeutigen Absichten. Diese Vorgehensweise nennt sich «Cybergrooming».

Eine grosse Gefahr stellen private Nachrichten dar: Täterinnen und Täter nehmen so mit Mädchen und Jungen über Instagram Kontakt auf – mit eindeutigen Absichten. Diese Vorgehensweise nennt sich «Cybergrooming».

Sebastian Gollnow/dpa

Darum gehts

  • Ein Cyberkriminologe warnt vor vermehrten pornografischen Inhalten auf Instagram.

  • Private Nachrichten an Minderjährige von erwachsenen Tätern und Täterinnen stellen eine grosse Gefahr dar.

  • Der Experte gibt Tipps, wie Eltern ihre Kinder besser schützen können.

In der Schweiz nutzen mehr als drei Millionen Menschen den Foto-Sharing-Dienst Instagram. Das soziale Netzwerk wird gerne genutzt, um Freizeit-, Familien- und Reisebilder zu posten. Doch seit geraumer Zeit mischen sich mehr und mehr Nacktbilder und pornografische Inhalte unter die Posts, schreibt das Technik- und Lifestyle-Portal Techbook. Das ist problematisch, da viele Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer minderjährig sind.

Die Social-Media-Plattform arbeitet zwar mit Algorithmen, welche pornografische Inhalte erkennen und blockieren, doch die Flut an expliziten Posts lässt sich nur schwer eindämmen. Offensichtlich explizite Hashtags werden schon seit einiger Zeit vom sozialen Netzwerk geblockt, die Verbreiter der nicht-jugendfreien Posts lassen sich dadurch aber nur schwierig bremsen.

Drei Formen von pornografischen Inhalten

Die pornografischen Inhalte können in drei verschiedene Kategorien eingeteilt werden, sagt Cyberkriminologe Dr. Thomas-Gabriel Rüdiger gegenüber Techbook. Die erste Kategorie seien realistische pornografische Zeichnungen und Comics. Diese seien laut Rüdiger am einfachsten zu finden: Dies könnte daran liegen, dass der Instagram-Algorithmus Schwierigkeiten hat, diese Inhalte als Pornografie zu erkennen.

Als zweite Kategorie nennt Rüdiger die klassischen pornografischen Bilder und Videos. Diese werden vom Algorithmus jedoch besser erkannt und blockiert. Die Uploader haben jedoch auch hier einen Workaround gefunden: Die Videos und Bilder werden mit Hilfe von Filtern verfremdet, sodass der Algorithmus ihnen nicht so einfach auf die Schliche kommt. Die Inhalte bleiben jedoch immer noch klar sichtbar.

Die dritte Kategorie sei eine Form von verbaler Pornografie. Hier werden Bilder mit Textaufschrift, sogenannte Quotecards, geteilt. Die Texte sind dabei sexualisiert und tarnen sich als Aufrufe zum Anschreiben oder vermeintliche Beichten.

Täter drängen Minderjährige zum Austausch von Nacktbildern

Eine grosse Gefahr geht von privaten Nachrichten aus: Täterinnen und Täter nehmen so mit Mädchen und Jungen über Instagram Kontakt auf – mit eindeutigen Absichten. Diese Vorgehensweise nennt sich «Cybergrooming» und ist laut Rüdiger eines der relevantesten Risiken für Kinder. Die Täter und Täterinnen lenken die Chats mit Minderjährigen auf eine sexuelle Ebene – teilweise werden sogar Treffen ausgemacht. Nicht selten kommt es auch zum Austausch von Nacktbildern – von Tätern und Täterinnen ausgehend oft unaufgefordert.

Das Risiko von Cybergrooming wird durch Instagram indirekt verstärkt: Durch das Teilen von Fotos und der Angabe von Namen, Wohnort oder Alter geben Nutzerinnen und Nutzer der Plattform viele Informationen über sich preis. Besonders einfach machen es potenziellen Tätern und Täterinnen öffentliche Profile, bei denen alle Bilder ohne Anfrage ersichtlich sind.

So schützt man seine Kinder

Um Kinder und Jugendliche vor solchen Überfällen zu schützen, gibt es einige Vorsichtsmassnahmen, die man ergreifen kann: Eine ist, das Konto des Nachwuchses in ein «privates Konto» umzuwandeln. Somit können nur Abonnentinnen und Abonnenten die Inhalte ihres Kindes sehen – wer nicht abonniert ist, muss zuerst eine Anfrage stellen. Ausserdem tauchen die geteilten Bilder so auch nicht in der Hashtagsuche auf.

Weiter soll sichergestellt werden, dass nicht zu viele persönliche Angaben in der Bio des Kontos gezeigt werden. Die Bio des Instagram-Profils ist immer öffentlich – sie kann also auch von Nutzern und Nutzerinnen gelesen werden, welche dem Profil nicht folgen. Persönliche Angaben machen es Tätern und Täterinnen sehr einfach, mehr über eine Person herauszufinden: Sie sollten also möglichst vermieden werden. Zu guter Letzt sollen Nachrichtenanfragen von Unbekannten möglichst rasch gelöscht werden.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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