Point de Presse Coronavirus - BAG empfiehlt die Impfung für Schwangere ab der 12. Woche

Point de Presse CoronavirusBAG empfiehlt die Impfung für Schwangere ab der 12. Woche

Am Dienstagnachmittag informieren die Expertinnen und Experten des Bundes zur aktuellen epidemiologischen Lage in der Schweiz.

von
Newsdesk

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Dienstag, 14.09.2021

Zusammenfassung

Die Experten des Bundes informierten über das aktuelle Geschehen in der Corona-Pandemie. Das sind die wichtigsten Punkte:

  • Die Behörden sehen die Pandemie weiterhin nicht unter Kontrolle. Die Fallzahlen stabilisieren sich zwar zurzeit, aber es sind noch immer viele Patienten und Patientinnen auf den Intensivstationen. Ausserdem grassiert das Virus derzeit vor allem unter jungen Menschen. Die Behörden blicken mit Sorge auf den nahenden Herbst. Es müsse darum gehen, das Virus zu «zügeln», wie Rudolf Hauri erklärt.

  • Das BAG empfiehlt neu auch Schwangeren die Corona-Impfung (ab der zwölften Woche). Sie brauchen künftig keine schriftliche Einwilligung des Hausarztes oder der Gynäkologin mehr. Als Grund geben die Verantwortlichen an, dass diese Bevölkerungsgruppe stärker von schweren Krankheitsverläufen betroffen sei. Verschiedene Studien hätten zudem die Wirksamkeit und Sicherheit der Impfung bestätigt.

  • Die Behörden verzichten weiterhin auf eine generelle Empfehlung für Auffrischimpfungen. Vollständig geimpfte Personen seien weiterhin gut gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt. Es müsse das oberste Ziel bleiben, so viele Menschen wie möglich zu impfen.

  • Derweil hat die Impfkampagne im Land wieder angezogen. 27'000 Impfungen werden zurzeit pro Tag verabreicht. Der Bund steht zudem mit Johnson & Johnson in Verhandlungen für den Kauf weiterer Impfdosen. Diese würden bei Personen mit Allergien in den Einsatz kommen.

Pressekonferenz ist beendet

Die Pressekonferenz ist beendet. Vielen Dank fürs Mitlesen. Eine Zusammenfassung folgt.

Ablaufdaten bei Impfstoffen?

Patrick Mathys kann keine Daten angeben. Er erhält Unterstützung von Rudolf Hauri. Dieser bestätigt, dass bei einigen der Impfdosen ein Ablaufdatum nahe. Dies sei jedoch in den Abläufen der Verimpfung mit einberechnet.

Freiwillige dritte Impfung?

Gemäss Christoph Berger basieren die aktuellen Impfempfehlungen auf einer Strategie. Diese ziele weiterhin darauf ab, dass möglichst viele Menschen sich impfen lassen. Ausserdem müsse man auch berücksichtigen, dass es weltweit viele Länder gebe, die zu wenig Impfstoff hätten.

Dritte Impfung nach einem Jahr?

«Wir müssen die nationalen und internationalen Daten weiterhin beobachten», antwortet Christoph Berger. Solange der Schutz nach einer vollständigen Impfung weiterhin gegeben sei, müssten die Behörden nicht aktiv werden. Das EKIF und der Bund hätten jedoch Szenarien entworfen.

Nebenwirkung Pfizer-Impfung?

Christoph Berger erklärt, dass es bei jungen Männern bis 30 vermehrt zu Herzmuskelentzündungen kommen kann. Der Verlauf der Erkrankung sei jedoch meist mild. Ausserdem sei die Gefahr einer Erkrankung nach einer Covid-Infektion höher als nach der Impfung. Aus diesem Grund hätten die Behörden die Güterabwägung zugunsten der Impfung getroffen.

Auswirkungen Zertifikatspflicht?

Patrick Mathys erklärt, dass es zurzeit noch zu früh sei, um mögliche Gewinneinbrüche bei Betrieben aufgrund der ausgeweiteten Zertifikatspflicht festzustellen.

Warum Empfehlung ab 12. Schwangerschaftswoche?

Christoph Berger erklärt, dass die Behörden keine Bedenken über eine Impfung während den ersten zwölf Schwangerschaftswochen hätten. Die Kindesentwicklung in dieser Phase würde jedoch unabhängig von einer möglichen Covid-Infektion ablaufen. Frauen, die eine frühzeitige Impfung wünschten, könnten dies tun.

BAG-Kampagne zu provokativ?

Patrick Mathys erklärt, dass die neuen Clips des BAG keinesfalls als Provokation gedacht sein. «Ich denke, man darf auch mit einem Augenzwinkern über aktuelle Themen sprechen.»

Fällt EO für Personen in Quarantäne?

Patrick Mathys kann keine konkreten Angaben dazu geben. Dies sei möglicherweise Teil der derzeitigen Konsultationen zwischen Bund und Kantonen. Der Bundesrat müsste schlussendlich entscheiden.

Wann fallen die Massnahmen?

«Es bräuchte mit Sicherheit eine deutliche Steigerung der Impfbereitschaft in der Schweiz. Ich will mich aber nicht auf eine fixe Zahl festlesen», erklärt Patrick Mathys. Dänemark würde mit einer Rate von 75 Prozent jedoch schon gute Ergebnisse erzielen. Allerdings würde die Absetzung einzelner Massnahmen vom Bundesrat einzeln angeschaut.

Wer erhält dritte Impfung?

Christoph Berger erklärt, dass bislang nur Personen mit einem eingeschränkten Immunschutz eine dritte Impfung erhalten. Dabei handle es sich um eine relativ kleine Gruppe.

Wieso kommt die Empfehlung für Schwangere erst jetzt?

Christoph Berger antwortet kurz und knapp mit dem Verweis, dass bislang nicht genügend Daten vorgelegen hätten. Dies sei nun anders.

Hat der Bund J&J-Vakzine gekauft?

Christoph Berger erklärt, dass der Bund zurzeit in Verhandlungen stehe mit Johnson & Johnson über den Kauf einer kleineren Menge an Impfdosen. Diese wären für Personen gedacht, die nicht mit den mRNA-Vakzinen geimpft werden können, also z.B. Personen mit Allergien.

Fragerunde ist eröffnet

Die anwesenden Journalisten und Journalistinnen können nun Fragen stellen.

Druck auf Personal

Auch Rudolf Hauri spricht an, dass es zurzeit vor allem die vollen Intensivstationen sind, die den Behörden Sorgen bereiten. Das Personal dort sei ausgelaugt. Die Folgen der Überlastungen könnten fatal sein. Hauri verweist auf Dänemark: Hätte die Schweiz eine ähnlich hohe Impfrate könnte man viele der Massnahmen fallen lassen.

Contact Tracing & Schulen

Als nächstes spricht Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte VKS. Er eröffnet mit einer kleinen Pointe: «Der Sommer war in vielerlei Hinsicht nicht wie gewünscht.» Die Infektionszahlen seien weiterhin hoch, die aktuelle Lage könne «nicht als kontrolliert bezeichnet werden». Das Contact Tracing laufe derzeit am Anschlag. Die beschlossenen vereinfachten Quarantäne-Massnahmen sollten nun aber zu einer leichten Entschärfung der Problematik führen.

Mit Blick auf die Schulen lobt Hauri vor allem das Instrument der repetitiven Tests. Diese hätten sich nach monatelanger Erfahrung bewährt. Ziel der Massnahme sei nicht die «Verhinderung von Ansteckungen von Kindern und Jugendlichen in jedem Fall». Vielmehr wolle man das Virus «zügeln». Je besser die Kinder geschützt würden, desto schneller könne auf die Quarantänemassnahmen verzichtet werden.

Impfung wirkt

Berger wiederholt die bereits bekannte Kennzahl von 90 Prozent Nicht-Geimpften, die zurzeit auf den Intensivstationen landen. Der Arzt ruft deshalb erneut alle Personen, die sich nicht geimpft hätten, dazu auf dies jetzt zu tun.

Zwar seien milde Infektionen bei vollständig geimpften Personen möglich, dies sei jedoch kein Grund sich nicht impfen zu lassen. Vollständig geimpfte Personen würden sich weniger infizieren als Ungeimpfte und das Virus auch mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit weitergeben.

Weiter keine Auffrischimpfungen

Christoph Berger erklärt, dass Auffrischimpfungen schwere Krankheitsverläufe und eine Überlastung des Gesundheitssystems verhindern sollten. Ihr Einsatz müsse darum gut abgewogen werden. Der Schutz, der von der Impfung sowie vom eigenen Immunsystem ausgehe, würde dies für die meisten Personen auch mehrere Monate nach einer Impfung weiterhin sicherstellen. Die Behörden sehen zurzeit darum keine Notwendigkeit für Auffrischimpfungen für die breite Bevölkerung, mit Ausnahme derjenigen, die ein beeinträchtigtes Immunsystem aufweisen.

Swissmedic untersuche die Sachlage jedoch weiterhin aufgrund der aktuellen Infektionszahlen. Die Schweiz hätte genügend mRNA-Impfdosen zur Verfügung, um breitflächige Auffrischimpfungen zu ermöglichen, erklärt Berger abschliessend.

Impfung für Schwangere

Als nächstes spricht Christoph Berger, Präsident, Eidgenössische Kommission für Impffragen EKIF. Er kommuniziert eine Neuerung der Impfempfehlung: Neu empfiehlt das BAG allen schwangeren Frauen die Impfung ab zwölf Schwangerschaftswochen. Dies gelte ausdrücklich auch für Frauen, die stillen. Neuere Evidenzen hätten gezeigt, dass Schwangere ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aufweisen würden. Es kann zu Totgeburten kommen. Eine schriftliche Einwilligung der Gynäkologin oder des Hausarztes ist nicht mehr notwendig.

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