Aktualisiert 02.10.2012 13:11

Bankenreform

Experten fordern Banken-Aufspaltung

Die EU-Spezialisten für Bankenregulierung fordern die Aufspaltung von Grossbanken. Wenn Institute mit über 15 Prozent ihres Vermögens Handel treiben, sollen sie das Investmentbanking vom Kreditgeschäft trennen müssen.

«Mainhattan» - Deutschlands Finanzzentrum in Frankfurt am Main.

«Mainhattan» - Deutschlands Finanzzentrum in Frankfurt am Main.

Eine hochrangige EU-Expertengruppe fordert die Aufspaltung von Grossbanken in separate Einheiten. Wenn grosse Geldhäuser mit mehr als 15 Prozent ihres Vermögens Handel treiben, sollten sie das Investmentbanking rechtlich strikt vom Kredit- und Einlagengeschäft trennen müssen.

Dies empfahlen Fachleute unter Leitung des finnischen Zentralbankchefs Erkki Liikanen mit der Vorlegung eines entsprechenden Berichts am Dienstag in Brüssel. Auf diese Weise würde verhindert, dass Banken Verluste aus riskanten Geschäften mit dem Ersparten ihrer Kunden ausgleichen und der Steuerzahler wankende Banken retten müsse.

Der sozialdemokratische deutsche Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat ein vergleichbares Modell zur Bankenreformen vorgeschlagen. In der Finanzbranche stösst eine solche Aufspaltung dagegen auf Widerstand.

Liikanen ging auf die Kritik ein und sagte, Banken könnten ihre Geschäfte in der gleichen Gruppe als Holding weiterführen: «Das langjährige und bewährte Universalbankensystem wird bestehen bleiben.»

Keine riskanten Geschäfte mit Kundeneinlagen

Laut dem Bericht sollen Banken riskante Geschäfte von Konten und Krediten normaler Kunden trennen, wenn diese eine gewisse Grösse erreichen. Massgabe ist, dass die Investmentbanksparte Vermögenswerte von mehr als 100 Mrd. Euro umfasst oder einen Anteil von mindestens 15 Prozent der Bilanzsumme ausmacht. Die kleinsten Banken sollen von der geforderten Trennung ausgenommen werden.

Liikanen erklärte weiter: «Wir müssen wegkommen von einem System, in dem die Profite privat und die Verluste öffentlich sind und zu Lasten des Steuerzahlers gehen.» Für Regierungen sei es mit dem neuen Modell leichter, gefährliche Sparten pleitegehen zu lassen. Denn das Argument, die Abwicklung der Bank gefährde das gesamte System, fiele dann weg.

Ob die Empfehlungen der elfköpfigen Expertengruppe Eingang in die Gesetzgebung finden, ist offen. EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, der den Bericht beim ehemaligen EU-Kommissar Liikanen in Auftrag gegeben hatte, nannte den Liikanen-Bericht «einen Grundstein unserer Arbeit». Gesetzesvorschläge der EU-Kommission müssten vom Europaparlament und den EU-Staaten angenommen werden.

Auch Regeln zur Beschränkung von Boni

Die Expertengruppe sprach sich ausserdem dafür aus, dass die EU von den Instituten verlangt, mehr Kapital vorzuhalten, etwa zur Absicherung von Immobiliengeschäften. Auch für Bonuszahlungen von Bankmanagern soll es Regeln geben. Die gesamte ausgezahlte Summe dürfe die der gezahlten Dividenden nicht überschreiten. Geldhäuser sollten Boni ihrer Manager künftig teilweise in Bonds auszahlen.

In der Krise habe kein Geschäftsmodell der Banken besonders gut oder schlecht funktioniert, betonte Liikanen. Ursache für die Krise sei gewesen, dass die Banken zu risikoreiche Geschäfte eingingen und diese zu wenig absicherten.

(sda)

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