Gegen Verwahrung : Experten fordern Chance für Adelines Mörder
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Gegen Verwahrung Experten fordern Chance für Adelines Mörder

Zwei Gutachten stufen Fabrice Anthamatten, der die Sozialtherapeutin Adeline M. getötet hat, zwar als gefährlich ein. Dennoch empfehlen sie keine lebenslange Verwahrung.

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Am 15. September 2013 wurde Fabrice A. an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Diese Bilder zeigen, wie der mutmassliche Killer von Adeline M. am 16. September der Staatsanwaltschaft im polnischen Stettin vorgeführt wird.

Am 15. September 2013 wurde Fabrice A. an der deutsch-polnischen Grenze verhaftet. Diese Bilder zeigen, wie der mutmassliche Killer von Adeline M. am 16. September der Staatsanwaltschaft im polnischen Stettin vorgeführt wird.

Keystone/Marci Bielecki
Mit einem Citroën Berlingo war A. bis an die Grenze zu Polen geflohen.

Mit einem Citroën Berlingo war A. bis an die Grenze zu Polen geflohen.

Keystone/Marci Bielecki
Am 16. Dezember wurde Fabrice A. in ein Waadtländer Gefängnis überführt. Zuvor hatte Polen den mutmasslichen Mörder an die Schweiz ausgeliefert.

Am 16. Dezember wurde Fabrice A. in ein Waadtländer Gefängnis überführt. Zuvor hatte Polen den mutmasslichen Mörder an die Schweiz ausgeliefert.

Keystone/Marcin Bielecki

Der verurteilte Vergewaltiger Fabrice Anthamatten (41) tötete im September 2013 seine Sozialtherapeutin Adeline M.* (34) auf einem Ausflug. Wenige Tage später wurde er geschnappt. Das Strafverfahren zum Tötungsdelikt ist noch nicht abgeschlossen. Ein Prozess dürfte frühestens 2016 stattfinden.

Zwei psychiatrische Gutachten wurden in Auftrag gegeben, über deren Resultate nun die «Tribune de Genève» berichtet. Anthamatten wird zwar als «extrem gefährlich» und nicht therapierbar eingestuft – dennoch empfehlen beide Berichte keine lebenslängliche Verwahrung.

Regelmässig überprüfen

Da der Mann erst 41-jährig sei, könnten ihn in Zukunft möglicherweise neue Behandlungsmethoden therapieren. Bis dahin empfehlen die Psychiater eine einfache Verwahrung: Der Mann solle in einer geschlossenen Institution untergebracht werden und regelmässig auf seine Gefährlichkeit überprüft werden. In Freiheit kommt er demnach nur, wenn diese nicht mehr gegeben ist.

Die vier Experten, ein Schweizer und ein französisches Team werden nun ihre Ergebnisse den verschiedenen Parteien erläutern. Diese Anhörungen könnten noch bis Ende Jahr dauern. Der Staatsanwalt könnte auch noch zusätzliche Gutachten anfordern.

Gegenüber der «Tribune de Genève» gaben einige Personen, die nah mit dem Fall betraut sind, ihr Erstaunen über die beiden Gutachten zum Ausdruck. Denn auch bei einer lebenslänglichen Verwahrung würde eine Behandlung des Täters durch das Gericht geprüft – wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen.

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