26.06.2020 02:50

«Importierte» Fälle

Experten fordern Quarantäne für Serbien-Reisende

Die Grenzöffnungen führen zu «importierten» Corona-Fällen. Eine Häufung gibt es bei Reisenden aus Serbien. Jetzt spricht der Botschafter.

von
Pascal Michel
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Goran Bradić, serbischer Botschafter in der Schweiz: «Ich empfehle, sofort nach der Rückkehr in die Schweiz sich testen zu lassen.»

Goran Bradić, serbischer Botschafter in der Schweiz: «Ich empfehle, sofort nach der Rückkehr in die Schweiz sich testen zu lassen.»

Serbische Botschaft
Stefan Kuster, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, wies am Donnerstag auf eine Häufung von eingeschleppten Fällen aus Serbien hin.

Stefan Kuster, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, wies am Donnerstag auf eine Häufung von eingeschleppten Fällen aus Serbien hin.

KEYSTONE
In Serbien wurden in den letzten 24 Stunden 137 neue Fälle registriert.

In Serbien wurden in den letzten 24 Stunden 137 neue Fälle registriert.

Johns Hopkins University

Darum gehts

  • Für den 15. Juni hat die Schweiz Grenzöffnungen beschlossen.
  • Nun zeigt sich, dass Reisende das Virus «importieren».
  • Häufungen gebe es bei Reisenden aus Serbien.
  • Der serbische Botschafter in der Schweiz rät Rückkehrern, sich testen zu lassen.
  • Wissenschaftler fordern Testpflicht für Risikoländer.

Am 22. Mai hat Serbien seine Corona-Reisebeschränkungen aufgehoben. Wer ins Balkanland gelangen will, muss ein Infoblatt zur Kenntnis nehmen. Es gilt seit kurzem eine Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr. Die Schweiz will für Reisende aus Drittstaaten – darunter Serbien – am 6. Juli lockern.

Nun zeigt sich: Durch die Grenzöffnungen steigen die Fallzahlen in der Schweiz wieder. Stefan Kuster, Leiter Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, erklärte am Donnerstag vor den Medien, eine Häufung bei den neuen Fällen gebe es bei Reisenden aus Serbien.

Bund prüft Massnahmen

«Die epidemiologische Lage in Serbien ist derzeit schwer überschaubar (siehe Box). Massnahmen, um importierte Fälle zu verhindern, werden laufend geprüft.» Der Bundesrat könnte in solchen Fällen «grenzsanitarische Massnahmen» wie Quarantäne oder Temperatur-Checks anordnen. Die Kantonsärzte warnten bereits im «Tages-Anzeiger» vor der Einschleppung des Virus durch Rückkehrer.

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes forderte schon Anfang Juni, die Grenzöffnung mit generellen Temperatur-Checks für Flugreisende zu begleiten. Auch sollten Reisende mit Symptomen sofort ins Spital. Daneben unterscheiden die Wissenschaftler zwischen vier Gefahrenstufen für alle Reisenden ohne Symptome. Wer aus einem Land kommt, das exponentielles Wachstum bei den Fallzahlen verzeichnet (Gefahrenstufe Rot), muss zwei Wochen in Quarantäne – etwa in einem Hotel – und sich sofort testen lassen. Dieser soll zwei Wochen nach der Einreise wiederholt werden.

Zwei Wochen Quarantäne gefordert

Serbien würde am ehesten in die Kategorie «Gefahrenstufe Orange» passen. Diese gilt für Länder, die bei den Fallzahlen den Höhepunkt überschritten haben, wo das Virus aber weiterhin verbreitet ist und die Zahlen auf hohem Niveau stagnieren. Auch für Reisende aus diesen Ländern empfiehlt die Taskforce eine zweiwöchige Quarantäne und einen Test. In diese Kategorie fallen wohl auch Grossbritannien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Kosovo oder Albanien, das aufgrund von jüngst stark steigenden Zahlen gar in die höchste Risikostufe Rot gehören könnte. Für Reisende aus Schweden verlangt die Schweiz bereits generelle Temperatur-Checks.

In einem aktualisierten «Policy-Briefing» erneuert Nicola Low, Epidemiologin an der Universität Bern, die Empfehlungen. Dieses wird in Kürze publiziert. «Nach unserer Klassifikation würden aus Serbien kommende Personen bei ihrer Ankunft getestet werden. Sie würden auch in Quarantäne gehen und etwa eine Woche später nochmals getestet werden», sagt Low. Ziel der Tests sei es, Infektionen frühzeitig zu erkennen, sodass so bald wie möglich mit der Ermittlung von Kontaktpersonen begonnen werden könne.

«Lassen Sie sich testen»

«Die Lage in Serbien ist stabil, man hat aber in den letzten Tagen eine Zunahme von infizierten Personen registriert», sagt Goran Bradić, serbischer Botschafter in der Schweiz. Auch deshalb hat Serbien vor drei Tagen eine Maskenpflicht im ÖV eingeführt. Bradić führt den Anstieg auf die Lockerung der früheren strengeren Massnahmen und der Grenzkontrollen, den Beginn der Sommersaison mit mehr Reisenden sowie auf Sportevents mit Publikum – darunter Fussballspiele und ein Tennisturnier – zurück. Dort hatte sich auch Tennis-Star Novak Djokovic infiziert.

Bradić rät derzeit generell vom Reisen ab. «Generell sollten alle Menschen, wenn möglich, auf die Reise verzichten.» Und wenn man reise, müsse man zwingend die geltenden Hygienevorschriften im Land beachten. Personen in Serbien, die in die Schweiz zurückkehren wollen und auch umgekehrt, rät er: «Ich empfehle, sich sofort nach der Rückkehr in die Schweiz testen zu lassen, um die anderen Menschen nicht zu gefährden.»

«Serbien ist nicht grösste Gefahr»

Auch wenn das BAG eine Häufung von «importieren» Fällen aus Serbien feststellt, wägt Bradić ab. «Ich glaube nicht, dass jetzt die grösste Gefahr in der Schweiz oder anderswo in Europa von den aus Serbien anreisenden Personen droht.» Denn man könne ja auch behaupten, dass manche Fälle auch in Serbien importiert seien – aus Italien oder aus der Schweiz. Er betont, dass generell die touristische Saison und Ferienzeit eine erhöhte Gefahr und Ansteckungsmöglichkeit für alle Länder mit sich bringe.

Situation in Serbien

Serbien zählt derzeit 13’372 bestätigte Fälle bei 366’380 durchgeführten Tests. In den letzten 24 Stunden kamen 137 Fälle dazu. Das Land testet jedoch relativ viel, was bei der Interpretation der Fallzahlen relevant ist: Serbien testete in den letzten 24 Stunden 7311 Personen. Den bisherigen Höhepunkt erreichten die Corona-Fallzahlen in Serbien Mitte April. Seit Anfang Juni steigen sie nun wieder von damals 18 auf heute über 137 neue Fälle pro Tag (25.6.2020).

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161 Kommentare
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Rassist

27.06.2020, 10:07

also wenn wir Konsistent bleiben wollen, dann müssen wir eingestehen, dass es "rassistisch" wäre ... aber die Chinesen, Afrikaner und Italiener hätten wir damals lieber schneller und besser kontrolliert, dann wären die Serben jetzt auch kein Thema 😜

Hans

26.06.2020, 06:50

Falls dem so ist bitte rasch handeln und nicht abwarten. Die Sommerferien fangen erst an...

Marco

26.06.2020, 06:50

Reisenden aus Schweden,wo am anfang der Pandemie,fasst keine massnahmen getroffen wurden,wird lediglich die Temp. gemessen. Aber die Balkañeros muss mann einsperren. Bin so was von wütend auf unser Land.