Aktualisiert 16.03.2014 22:23

Verschollenes Flugzeug

Experten glauben an einen Absturz von MH370

Aktuell deutet vieles auf eine Entführung der Boeing hin. Experten glauben nicht an eine geglückte Landung. Verfolgen Sie die Entwicklung im Ticker.

Eine Woche wurde fieberhaft gesucht, doch das Verschwinden von Flug MH370 wurde nur immer mysteriöser. Nun geht die malaysische Regierung von einer Entführung oder von Sabotage aus.

Grund: Die Signalanlagen der Boeing 777 seien vorsätzlich abgeschaltet und der Kurs geändert worden, sagte der malaysische Ministerpräsident Najib Razak am Samstag in Kuala Lumpur. Er selbst wollte öffentlich noch nicht von einer Entführung sprechen. Doch hatte ein malaysischer Regierungsbeamter diese bereits zuvor bestätigt.

Das Flugzeug war am frühen Morgen des 8. März auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking mit 239 Menschen an Bord spurlos verschwunden. Eine intensive und immer breiter angelegte Suche in den vergangenen Tagen hatte nichts ergeben. Nun soll in einem noch viel grösseren Radius weiter gefahndet werden. «Die Suche nach Flug MH370 hat ganz klar eine neue Phase erreicht», sagte der Regierungschef. «Wir hoffen, diese neue Information bringt uns einen Schritt näher zum Auffinden des Flugzeugs.»

Kommunikationssystem manipuliert

Die Ermittler wüssten jetzt, dass die Maschine auf ihrem Flug nach Peking abgedreht und über Malaysia geflogen sei, sagte er. Der seit Tagen kolportierte Kontakt mit einem Militärradar nahe der Strasse von Malakka sei inzwischen bestätigt. Zudem sei man sicher, dass die Kommunikationssysteme der Maschine manipuliert worden seien. So sei das Meldesystem Acars schon vor Erreichen der Ostküste Malaysias deaktiviert worden. Kurz danach habe jemand an Bord auch den Transponder abgeschaltet, der den Kontakt zu Fluglotsen am Boden hält.

Dennoch sendete das Flugzeug nach Najibs Worten weiter Signale aus. Das letzte davon sei sieben Stunden und 31 Minuten nach dem Start des Flugzeugs aufgefangen worden – also etwa sechseinhalb Stunden nach dem Verschwinden von dem Radar. Nach Einschätzung von Luftfahrtexperten hatte die Maschine genügend Treibstoff für einen etwa achtstündigen Flug. «Das Ermittlerteam stellt nun weitere Berechnungen an, wie weit das Flugzeug bis zum Zeitpunkt des letzten Kontakts geflogen sein könnte», sagte der Ministerpräsident.

Verschwinden des Flugzeugs wird als Entführung erachtet

Die Behörden versuchen seinen Angaben zufolge, das Flugzeug auf zwei möglichen Korridoren aufzuspüren – einem nördlichen Korridor von der Grenze zwischen Kasachstan und Turkmenistan bis nach Thailand und einem südlichen Korridor von Indonesien zum südlichen Indischen Ozean.

Vor den im Fernsehen übertragenen Äusserungen des Ministerpräsidenten hatte ein Regierungsbeamter die Information preisgegeben, dass das Verschwinden des Flugzeugs als Entführung erachtet werde. Najib betonte, man ermittle noch, was zum Abdrehen des Flugzeugs geführt haben könnte, doch fügte er hinzu: «Nach den jüngsten Entwicklungen, konzentrieren sich die malaysischen Behörden bei den Ermittlungen nun auf die Crew und die Passagiere an Bord.»

Spekulationen über Suizid des Piloten

Zuletzt waren Spekulationen über einen möglichen Selbstmord des Piloten oder des Co-Piloten aufgekommen. Die Behörden untersuchen deswegen den privaten Hintergrund der beiden Piloten sowie der zehn anderen Besatzungsmitglieder und der 227 Passagiere. Nach Angaben von Augenzeugen fuhren Polizeikräfte am Samstagmorgen zum Wohnhaus des Piloten in Kuala Lumpur.

Zwei Drittel der Passagiere an Bord sind Chinesen. In Peking äusserten sich Angehörige der Vermissten empört darüber, dass sie bisher falsch über die letzten Signale der Maschine informiert worden seien. «Wir durchleben eine Achterbahn, und wir fühlen uns hilflos und machtlos», sagte eine Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte. Eine andere Frau interpretierte die jüngsten Informationen als Zeichen der Hoffnung. «Das ist sehr gut», sagte sie. (sda)

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